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Austro Round-up HME

Austro Round-up (KW 19/20)

Vor einigen Tagen veröffentlichte der Produzent Mr. Käfer seine neue Instrumental-EP „Orientation“, über die wir bereits berichtet haben. Abseits davon sind zuletzt durchaus im Kontrast zu einigen der vergangenen Wochen auch wieder jede Menge Videos erschienen. Von uns wie gewohnt im Round-up zusammengefasst.

Kreiml & Samurai feat. Katharsis – Elefants Terribles

Is no Winter oder wieder Inselsaison? Wohl in etwa so wuascht wie der Versorgungsposten von Ulrike L. Davon sind auch der Schweinehund und Katharsis überzeugt. Die vier rappenden „Elefants Terribles“ aus dem Honigdachs-Camp haben sich zu einer bierseligen Parkrunde verabredet, um über die Lage der Nation in pandemischen Zeiten zu sinnieren. Zu waach für die bürokratischen Untiefen des Härtefallfonds und genervt von den acht Millionen Teamchefs Hobbyvirologen, sorgen sie auf einem Beat von Digga Mindz letztlich für einen gelungenen Corona-(Anti-)Sommersong. Ihre wenig vielversprechende, aber mit viel Augenzwinkern und Schulterzucken nach außen getragene Prognose für die kommenden Monate: „Es könnt schöner ned sein, des Wetter is fein, doch der Schaß is, wir gehen alle drauf“. Wundaschen“ -Vibes quasi, die der erste Vorbote einer Kollabo-EP da bietet.

Movski & Kaul Kwappen – Parallel | Nightcrawler

Mit „Parallel/Nightcrawler“ liefern Movski und Kaul Kwappen eine Doppel-Single. Obwohl die Tracks ihren Ursprung vorm Ausbruch der Pandemie haben, trifft der Inhalt eine derzeit besonders relevante Thematik, die viele Menschen betrifft: die Einsamkeit, das parallele Existieren und Dahinvegetieren. Zu „Parallel“ ist bereits ein Musikvideo erschienen, das die Ästhetik mittlerweile allzu bekannter Zoom-Meetings hat. Die beiden erinnern damit auch an die gemeinsamen Anfänge. Kennengelernt in einem Wiener Rap-Workshop, folgte bald die Gründung von Sprachsex, aber auch einige Probleme. Keine Wohnung, kein Job, dafür aber Depressionen und Psychiatrieaufenthalte. Auf diese Zeiten können sie nun auch musikalisch in poppiger Melancholie zurückblicken. Auf „Parallel“ sind die beiden zwar nebeneinander, sogar wortwörtlich im Musikvideo, aber trotzdem so fern: ein Umstand, den zwecks Quarantäne viele Leute nachempfinden können. Ähnlich melancholisch fällt „Nightcrawler“ aus, ein Video soll Ende Mai folgen. Im Track singen und Rappen sie über das widersprüchliche Gefühl, sich in einer Großstadt alleine zu fühlen. Sie träumen von einer Welt, in der jeder den 1-Meter Abstand einhält, allerdings nicht um sich vor einem Virus zu schützen, sondern vor der Enttäuschung. 

HME – Glasreiniger

Ganz egal ob Alkohol, Weed, Lean oder Koks – mitunter haben Rapper ein sehr inniges Verhältnis zur berauschenden Substanz ihres Vertrauens. Aber wovon ist HME so drauf? „Vanillegeschmack, Limettengeschmack, Melonengeschmack, Zitronengeschmack, Bananengeschmack, Marillengeschmack, […]“, rappt er sich in einen Wahn, ohne dabei im Eissalon oder vor einer exquisiten Likörsammlung zu stehen. „No Glasreiniger, no Party“ ist stattdessen das Motto des Grazer Rappers, der sich mit einer Sammlung an Sprühflaschen in Szene setzt und das Saubermann-Image pflegt. Sein Ziel? Das endgültige Beseitigen unerwünschter Verunreinigungen diverser Glasoberflächen. Mit dem selbst produzierten „Glasreiniger“ also dem Track, nicht dem Produkt startet er vielversprechend ins „20 Jahre HME“-Jubiläum. Wir sind schon mal gespannt auf die weiteren Auszüge aus dem blitzblanken Reimkeller.

Stephan Kondert – So Be It (feat. John Robinson)

Nach drei Alben und etlichen Live-Shows mit der Big-Band SK Invitational geht der Bassist und Produzent Stephan Kondert derzeit neue Wege. Auf dem Album „SKxANGELITE“ möchte der in New York lebende Salzburger Chormusik mit World- und HipHop-Sound verschmelzen lassen. Dafür hat er sich die Unterstützung des bulgarischen Frauenchors The Bulgarian Voices Angelite sowie einiger internationaler Gastmusiker gesichert. „So Be It“, der zweite Vorbote nach „Keep Breathing“, erscheint sehr catchig produziert. Mit John Robinson ist ein altbekannter Rapper als Featuregast vertreten. Er garniert den Track mit zum selbstbestimmten Handeln motivierenden Lines.

Fast parallel zum Videorelease kam eine traurige Nachricht ans Tageslicht: Der Londoner Rapper TY, mit dem Stephan Kondert wiederholt zusammengearbeitet hat, ist vergangene Woche an den Folgen einer Coronainfektion gestorben.

Noli – No Cooperation (feat. Saeed)

Muss sich Wiener Straßenrap künftig warm anziehen? Noli hat jedenfalls gerade einen Major-Deal bei Sony Music abgestaubt. Selbst bei den Verhandlungen soll der Rapper wenig Interesse an Kompromissen gehabt zu haben. „Vertragsverhandlungen fanden fast ausschließlich spätabends in der Großfeldsiedlung statt. Anders hätte ich ihn nicht erreicht“, sagt Mohit, Nolis Manager. Im Wiener Untergrund fiel Noli erstmals auf, als er bei 21Records meist harte Punchlines auf noch härteren Beats rappte und sich immer wieder das Spotlight sicherte. Nun scheint er zunehmend auch an etwas weniger hartem Sound Gefallen finden. Nach jüngsten Kooperationen mit Ron21 und Adem Delon schlägt die Sony-Debütsingle „No Cooperation“, auf der er Rapper Saeed featurt, in eine ähnliche Kerbe. Noli ist mehr Hustler als Musiker und genau das macht seine Tracks aus. Die neue Single ist vielleicht nicht die Kreativste, büßt aber nichts an Ehrlichkeit und Treue gegenüber der Straße ein. „Du ersparst dir einen Zweistunden-Film aus dem Kino“ singt er und wir schnappen uns schon mal die Popcorn. 

19hundertSchnee – Höhenangst

Mit ihrer neuen Single verabschieden sich 19hundertschnee erstmal vom gewohnten Boombap-Sound, so hat Emil F. diesmal einen sommerlichen Synth-Beat geschraubt, der in Kombination mit den Wiener Slang-Autotune Lines von Pi Papo sehr eingängig erscheint. Nach jedem Hoch kommt bekanntlich auch ein Tief nur blöd, wenn man Angst vor dem Hoch hat. Mit „Höhenangst“ begeben sich 19hundertschnee nicht nur wortwörtlich sondern auch musikalisch in neue Höhen. Doch der angsteinflößende Aufstieg ist den Ausblick wert: ein verträumter Sommerhit und eine Hymne an alle Hosenscheißer da draußen.

Dyfus – Mukke & Dich

Dyfus scheint nicht viel zum Leben zu benötigen: „Ich brauch nur Mukke und dich und diesen Flow“, heißt es nämlich auf dem neuen Song des Rappers aus Graz/Wien. In den eigenen vier Wänden gedreht, strahlt das Video in DIY-Mentalität, die melodische Hook sorgt neben einer weiteren klaren Botschaft auch für einen Ohrwurm. „Ich will positive Vibes, nicht mehr Geld, nur noch Unabhängigkeit“.

Busy Fizz – Comfort

Vor Problemen zu flüchten sei unser Komfort im Leben, meint Busy Fizz auf seinem neuen Song. Kritisch und in einem leicht speziellen Flow thematisiert der Rapper aus dem Grazer Griesviertel unser verschwenderisches Verhalten und die Undankbarkeit gegenüber der Natur. Gemüse aus dem Zuchthaus, ausgerottete Tierrassen, Gierigkeit anstatt Achtsamkeit sind nur ein paar Beispiele. „Die Natur erholt sich, keine Menschen, alles leer“, erhofft sich Busy Fizz eine Besserung in Zeiten der Corona-Maßnahmen. Für die kommenden Monate kündigt der Rapper weitere Singles und ein Album an.

Weiteres

Ausschließlich auf Instagram ist das Video zu „Schon okay“, dem neuen Track von Wavyfrisch erschienen. Auf einem entspannt-melancholischen Beat forciert der Vorarlberger Rapper das temporäre Einsiedlerdasein zu kathartischen Zwecken: „Tut mir Leid, aber heute will ich keine Menschenseele sehen“.

Der Innsbrucker Danny62 veröffentlichte mit „Rhythm of the life“ ein neues Video. Auf trappigem Sound widmet er sich ganz der Liebe zur grünen Rauchware.

Ohne begleitende Videos haben etwa Syc Tyson mit „Timer“, Law mit „Wings“, David Emanuel mit „Backstabba“ sowie Bruno & Pascal mit „TschaTschaTscha“ neue Tracks rausgebracht.

Gigolo D & JerMc haben mit „Ess grad“ einen weiteren Track ihres 2019 er-Albums „eher tiaf, aber eh ganz deep“ visualisiert. Diesmal als minimalistisches Lyric-Video, aber der Spinatstrudel kommt trotzdem wieder zur Geltung.

Auch von den AUTsiderz gibt es ein neues Video. Zu den vielen Auskopplungen ihres aktuellen Albums „No Pressure“ gesellt sich nun das introspektive „Only Happy“.

Text: Simon Nowak, Chiara Sergi, Francesca Herr & Mira Schneidereit

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