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Austro Round-up Seha Eks

Austro Round-up (KW 18/20)

Am Freitag veröffentlichte Wal de Mar mit „WDM“ sein neues Album. Auch abseits davon brachte die vergangene Woche einige Releases und Videos wie gewohnt im Austro Round-up zusammengefasst.

Releases

Chakuza – Heavy Rain

Neues Jahr, neues Album. Nachdem Chakuza im vorherigen Jahr stolze vier Projekte veröffentlicht hatte, erschien nun „Heavy Rain“. Auf vierzehn Songs geht es weitgehend melodisch-melancholisch in gewohnter Chakuza-Manier zu. Mit den einzigen Feature-Partnern Martin Kautz und Marc Sloan verzichtet Chakuza auf den musikalischen Support von Rap-Kollegen, fokussiert sich lieber auf starke Melodien. Bereits auf dem Intro reflektiert er seine Vergangenheit, schüttet der Hörerschaft sein Herz aus: „Ich hab mich selbst verloren da irgendwo im Nichts / Im Suff, mein Gesicht, Bewusstsein und Pflicht / Wie später, hängt der große Krieger immer voll / Mieser Proll, viele verletzt und hab die Hilfe nie gewollt“. Auf „Heavy Rain“ erzählt Chakuza persönliche Geschichten, legt seine Gedanken offen, findet die passende Sounduntermalung für seine Gefühlslagen. „Glücklich, doch den Kopf noch voller Dichtkunst / Drücke ich den Off-Knopf des Mischpults / Und auch das Ende wird nicht lieb, ich war es nie“, rappt er auf dem Outro und schließt damit das Kapitel „Heavy Rain“.

Seha Eks & Rice Master Yen – Pentagramm EP

Düsteres Licht, Nebel, Ketten und ein im Zentrum stehendes Pentagramm – pünktlich zum 30. April haben Seha Eks und Rice Master Yen ein Video zu „Walpurgisnacht“ veröffentlicht, das dem Songtitel sowie dem Motto „Hexen, Hörner, HipHop Hooray“ gerecht wird. Parallel zur dritten gemeinsamen Single haben der in Wien lebende Rapper und der Berliner Produzent auch die dazugehörige „Pentagramm“-EP veröffentlicht – und mittels Livestream-Show erstmals präsentiert. Mit fünf sechs kurzgehaltenen Tracks sorgt das Duo für eine schöne kleine EP, die sie in der Tradition früher Alben des Wu-Tang Clan verorten. Die Lines von Seha Eks sind mit vielen Metaphern und abstrakten Wortspielen bestückt und entspannt eingerappt. Sie treffen dabei auf rohen Boombap-Sound mit LoFi-Ästhetik.

Chill-Ill – Chill Withers

Eigentlich seit jeher gleichermaßen als Produzent und Rapper aktiv, legte Chill-Ill bei seinen jüngsten Projekten die Gestaltung der Beats in fremde Hände – sowohl im Duo Dynamic Drift als auch bei der vom Innsbrucker Gabs produzierten EP „Aunka des Lebens“. Nun veröffentlichte er auch wieder mal ein Instrumentalprojekt. Entstanden in den vergangenen Wochen, ist die Tribute-EP der am 30. März verstorbenen Soul-Legende Bill Withers gewidmet – der Titel „Chill Withers“ also aufg‘legt. „In the past few weeks I have been in quarantine, and did some research in the life and music of Bill Withers. I’ve used different samples of his great work for several beats and flipped them in a new way“, sagt Chill-Ill zu den sieben Beats, die übers gewohnte 90-BPM-Boombap-Spektrum hinausreichen und für eine freie Spende auf Bandcamp erhältlich sind.

Linzest – Good Rap Gone Bad

„Good Rap Gone Bad“ hat bereits den Beinamen „Linztape Vol. 2“ und das, obwohl es offiziell noch nicht einmal eine Vol. 1 gibt. Für das erste war schlichtweg keine Zeit und Linzest lossn jo nix o’brenna„. Für den Opener „Zeit für Linzest“ covert das Duo gleich mal Eminem beziehungsweise Dr. Dre – weil „da Def Ill hots jo a so gmocht„. Nach diesem Schema geht es weiter: So finden sich auf 13 Tracks etwa Beats von Earthtone III (OutKast), Tricky Stewart und Kuk Harrell, aber auch Taylor Swifts „Blank Space“ und „Shake It Off“ in einem Sample-Fleckerlteppich mit oberösterreichischer Mundart wieder. Johnny Deppad und JokaFace von Aggressive Kunst meinen es, auch wenn vereinzelt ernstere Botschaften durchdringen, mit ihren Tracks wohl meist nicht allzu ernst. Aber ob stellenweiser plumper Sexismus ein rechtfertigendes Stilmittel ist? Die Verharmlosung von häuslicher und sexueller Gewalt und die misogynen Andeutungen, besonders auf dem Beat zu Rihannas „Umbrella“ auf „Ausm Kölla“, hinterlassen jedenfalls einen bitteren Nachgeschmack. Der Titel des Mixtapes ist wohl wörtlich zu verstehen.

Videos/Tracks

Fellowsoph & Edi Flaneur – Who’s this?

Drahteselfahrer trifft auf Fußgeher, 1030 auf 1090, HipHop- auf Electronic-Background – und so weiter. Mit „Who’s this?“ liefern Fellowsoph und Edi Flaneur den ersten Vorboten auf ihr gemeinsames Album „Fahrräder und Drumracks“ und beantworten damit auch gleich die wichtigsten W-Fragen. Schließlich konzentriert sich Fellowsoph auf dem 96-BPM-Neckbreaker ganz aufs Representen. Für den Rapper steht nach den EPs „Ausblick“ und „Between The Beats“ der erste Longplayer an, der vor allem der Heimatstadt, der goldenen Ära und der Liebe zur Sache gewidmet sein soll und am 10. Juni erscheint. Das Video zum Track ist aufgrund der Ausgangsbeschränkungen etwas abgespeckt ausgefallen. Auch ein Cameo-Auftritt von Michael Häupl ist ins Wasser gefallen, wenn auch aus einem anderen Grund: „An dieser Stelle hätte ihnen Michi Häupl eigentlich eine Medaillie überreichen sollen. Er antwortet nicht auf unsere Mails und Anrufe“, steht eingeblendet.

Chrizondamic – Shook

Zwei Monate nach dem Inkrafttreten der Corona-Maßnahmen, reflektiert Chrizondamic sein bisheriges Empfinden auf seinem neuen Song „Shook“. Dabei spricht er von der Freiheit, die uns aufgrund der bislang geltenden Ausgangsbeschränkungen mehr oder weniger entzogen wurde und zeigt sich besorgt darüber, seine Rechte verlieren zu können. Zugleich appeliert er, an Ältere und ihre Angehörigen zu denken: „Can you imagine how they are feeling then / When families and relatives can’t visit them / No time to say goodbye and no for forgiving them“. Kritik äußert Chrizondamic auch an all jene, die scheinbar erst durch die Coronakrise gelernt haben, die Systemerhalterinnen wertzuschätzen, so heißt es: „Suddenly you value women because they run the system /  When you have always been oppressing them in from the beginning”.

SanTra – Aphasie

Mit 1. Mai präsentiert die Innsbrucker Rapperin SanTra ihre Debütsingle „Aphasie“. Aphasie meint in der Philosophie die Enthaltung eines Urteils in Bezug auf Dinge, über die nicht Näheres oder Sicheres bekannt ist. So beschreibt SanTra im Song die unbefangene Hingabe zum Augenblick und Akzeptanz einzelner Umstände ohne negativen Konsequenzen. Passend dazu erhält der Song simples Video: Zusammenschnitte aus einzelnen Handyvideos, allesamt ruhige Naturaufnahmen im Hochformat. Der Track wurde von Testa produziert und ist der vielversprechende Vorbote auf eine geplante EP des Duos. Diese soll im Laufe des Jahres via Duzz Down San erschienen. Einen Vorgeschmack auf die weiteren Tracks lieferte SanTra im April bei einer 30-minütigen Session für das Online-Format KulturQuarantäne.

SzumK & 2kSpike – So sehen wir das Leben

Zur Lockerung der Quarantäne-Vorschriften veröffentlicht, wirkt das Video zur neuen Single SzumK & 2kSpike wie der Mitschnitt einer crazy Corona-Party. Auf einem Reggae-basierten Uptempo-Beat von Schizoid Donkey Beats ignorieren sie die Erwartungen anderer und rappen über ihr Leben, das sie nur nach eigenen Vorstellungen leben wollen. Das leicht skurrile Musikvideo spiegelt dabei wohl den Titel des Tracks wider. Schlussendlich geht es den beiden Rappern aber neben dem Feiern vor allem ums Musik machen: „Es wär schön, wenn wir mal Geld dran verdienen / doch in erster Linie geht’s uns um die Musik“.

Weiteres

Mit „Beirut“ haben Der-Con & Testa kürzlich nach „Bangkok“ und „Mumbai“ den dritten Track ihrer EP „Contour (Part 1)“ visualisiert.

Eine Woche ohne Def Ill im Round-up? Bei der derzeitigen Produktivität des Linzers undenkbar. Um die Wartezeit aufs Album „Lobotomie“ zu verkürzen, sorgt er als Ruffian Rugged mit Jeep auf dem Track „False Prophets“ für eine Abrechnung mit Rechtspopulisten in Corona-Zeiten.

Neben Chrizondamic war auch dessen Adolessonz-Kollege Bandulu in den vergangenen Wochen aktiv. Über den YouTube-Kanal von Reggaeville erschien kürzlich ein Video zum Dancehall-Tune „Overcome“. Darüber hinaus veröffentlichte der Sänger mehrere Cover-Versionen.

Mit sauberem Doubletime-Flow hat Alix jüngst „Godzilla“ von Eminem & Juice WRLD gecovert während der Refrain auf Deutsch übersetzt ist, ist der Rest textlich weniger ans Original angelehnt.

Auch John Dizzy von der Rebel Musig Crew sorgte für eine interessante Cover-Version. Ursprünglich im Rahmen von Rapper lesen Rapper übersetzt, holte er „Actin Crazy“ von Action Bronson ins Tirolerische aus „Actin Crazy“ wird „An Wahn auffian“.

Mit „Bisschen Chillen“ hat Sampathie jüngst ihren zweiten Track veröffentlicht, der ganz der Sommer-Sehnsucht gewidmet ist. Die Wiener Rapperin setzt dabei auf einen Beat von Zerotonin128.

Text: Simon Nowak, Chiara Sergi, Francesca Herr & Mira Schneidereit

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