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Austro Round-up (KW 16/20)

Bereits mit einigen Singles angekündigt, brachte Polifame am 17. April seine neue EP „Tukan“ heraus und damit das hunderdste Release von Duzz Down San. Zum Artikel geht es hier. Bei Monobrother jährte sich das Release des Albums „Solodarität“ vergangene Woche zum ersten Mal. Zu diesem Anlass ist kürzlich ein sehenswert umgesetztes Video zu „Ehe“ erschienen.

Am 20. April ist das ein oder andere „Hiadlliadl“, etwa von MDK & Def Ill oder K.S.Kopfsache, im Netz gelandet. Für die „Sektion Munchies“ haben Gigolo D & JerMcSpinatstrudel“ aus ihrem Ende 2019 erschienenen Album „eher tiaf, aber eh ganz deep“ visualisiert. Und damit eine interessante Kombination aus Musikvideo und Kochrezept mit tänzelnden Mini-JerMcs. Auch abseits davon gibt es wieder jede Menge zu berichten.

Simon Sonido – Learn Together

Mit „Learn Together“ veröffentlichte Simon Sonido am 20. April sein erstes offizielles Beattape. Ein Newcomer? Weit gefehlt, denn der in Wien-Hetzendorf stationierte Rapper und Produzent ist schon lange aktiv – worauf uns Splanksta von WNMRDMNP aufmerksam machte. Bereits 2001 nahm Sonido als Jungspund am großen „Mixery Raw Deluxe“-Freestyle-Battle im Wiener WUK Teil, als Teil der Phönix Foundation war er zudem am ersten „Hip-Hop Connection“-Tape vertreten. Mit den Crews Philly Kidz und Meidlickz bewegte er sich in weiterer Folge eher im Wiener Untergrund, produzierte zudem Tracks für Weisssgold und war Featuregast am 2017 erschienenen Soloalbum von Struggle Gold. Nach einer längeren Pause lieferte Sonido nun zum „4/20“-Thementag acht feine Boombap-Kopfnicker.

Def Ill – Outro

In der gestern erschienenen Ausgabe der „The Message Cypher“ vertreten und ohnehin einer der produktivsten Rapper des Landes, geht es bei Def Ill munter weiter. Um auf sein in Bälde über Duzz Down San erscheinendes Album „Lobotomie“ – den Nachfolger der Solo-LP „Reefa Mawdness“ – einzustimmen, liefert er den ersten, selbst produzierten Vorboten. Beim „Outro“ handelt es sich eigentlich ums Intro zum Album, an dem der Linzer lange gefeilt hat. Erwartungsgemäß kommt darauf sein hoher lyrischer Anspruch zur Geltung. „Hätt i drei Wünsche, war’s nur ana – a Wöd, in der ma kan Wunsch braucht“ ist nur eine von vielen zitierwüdigen Lines aus dem sechsminütigen Clip. Was es mit den titelgebenden Lobotomien auf sich hat, veranschaulicht auch das Video – der brachiale neurochirurgische Eingriff, um psychische Erkrankungen zu behandeln, scheint unmittelbar bevorzustehen.

Slav – Renne Locka

Mit „Renne Locka“ liefert Slav wieder einmal neuen Sound. Dass der Rapper sehr wandlungsfähig ist, hat er bereits mit seiner jüngsten EP „Cons u me“ gezeigt, die einem Kunstprojekt von Silva Flandez nachempfunden wurde. Die neue Single bewegt sich musikalisch zwischem britischem Grime, amerikanischen Drill und französischem Trap. Nur, dass der Pole aus Wien diese Genremischung nutzt, um seinen ganz eigenen Sound zu finden. „2020 New Era“ ist nicht nur eine gute Zeile, um dieses Jahr zu beschreiben, sondern auch seine musikalische Entwicklung. Nur der erwähnte „Dreistreifenjogger“ erinnert an Altes wie „Tristrip“ und ist schon fast zu einem Markenzeichen des Rappers geworden. Das Musikvideo zu „Renne Locka“ ist Polen entstanden. Zwischen Blocks und Asphalt schüttet Slav Wodka auf den Boden, trägt Streifen über Checks und liefert einen Song, zu dem nach der Coronakrise einige Partygäste abgehen dürften. „Renne Locka“ hat den Rapper aufs Cover der „Deutschrap Untergrund“-Spotify-Playlist katapultiert und auch in der „Deutschrap Brandneu“-Playlist findet er sich wieder. Doch vor allem in der Wichtigsten ist er vertreten natürlich jener vom Austro Round-up.

Lent – Moonrocks

Eigentlich hatte Lent ein „krasses Musikvideo“ geplant. Nur leider hat Covid-19 dem Rapper wie so vielen anderen Künstlern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Trotzdem hat sein neuer Song „Moonrocks“ eine visuelle Untermalung bekommen, denn Fans und Kollegen sind zur Hilfe geeilt und haben Lent private Videos geschickt. Darunter zum Beispiel auch KeKe. Der Song liefert typischen Lent-Sound. Leicht unverständlicher Mumble-Rap mischt sich mit hohen, spacigen Autottune-Melodien. Der Beat kommt wie gewohnt von Damian Beats.

Julian – 17

„17“ ist die erste Solo-Single von Julian, der zuvor bereits zwei Songs mit dem 19-jährigen Enzo veröffentlichte. Julian selbst ist offenbar nochmal um zwei Jahre jünger, wie neben dem Titel auch eine Zeile verrät. Viel zu sagen und vor allem aufzuarbeiten scheint er trotzdem schon zu haben. „Mein Kopf war ein Film und deshalb bin ich heute ein Rapper“, heißt es auf dem schnell gerappten Track, der sich zwischen persönlichem Storytelling und selbstbewusst-arrogantem Representen ansiedelt. Inhaltlich geht es dabei um seine private, durchaus intime Story, den Rausch und die Girls. Der Beat kommt von 7even, Mix und Master von PMC Eastblok.

Wal de Mar – Slow

Während Wal de Mar im Video zu „Slow“ durch karge Steinwüsten und dürftige Flora vor dem Nichts flieht, macht sich im Track seine Sehnsucht breit nach Liebe und Freiheit und Nähe inmitten von Einsamkeit. Ein vom produzierter, reduzierter Downtempo-Beat mit Synthesizer-Elementen schafft im Song einen guten Ausgleich zum mitschwingenden Schwermut, könnte Wal de Mar zu einem runden Gesamtwerk verhelfen. Oftmals liefert Auotune in ähnlichen Konzepten eine gute Metapher, hier raubt der extensive Einsatz dem Track leider ein wenig die Tiefe und Bedeutung.

Pippa – Alles egal (feat. Nora Mazu)

Ganz so egal scheint Pippa doch nicht alles zu sein, widmet sie ihrer vermeintlichen Gleichgültigkeit immerhin einen eigenen Track. Im dazugehörigen Video zeigt sie sich antriebslos am Hometrainer, wo sie an einer Flasche Piccolo nippt, unbeeindruckt Tarotkarten anzündet und sich durch den ewigen Instagram-Loop eines immer wiederkehrenden Postings scrollt. Zusammen mit Nora Mazu, die in ihrem Rap-Feature auf die zwischenmenschliche Komponente eingeht, entpuppt sich das Video unter einem eingängigen Pop-Sound zu einer bis ins kleinste Detail durchdachten Gesamtkonzeption aus Glitzer und Pastell. Nicht egal ist übrigens auch die Coronakrise für Pippas anstehendes Release die Veröffentlichung der LP „Idiotenparadies“ wurde auf 28. August verschoben.

Samt – #Ned mit uns!

Erst kürzlich mit „Phönix“ eine EP veröffentlicht, hat Samt vergangene Woche mit einem neuen Track nachgelegt, um ein Anliegen loszuwerden. Den titelgebenden Hashtag „#Nedmituns“ bezieht der Vorarlberger Rapper auf seine Wut und sein Unverständnis gegenüber unnötiger Polizeigewalt. Konkreter Auslöser des Tracks war ein Polizeieinsatz in Nenzing, der bei der Verfolgung von mutmaßlichen Übertretern der Corona-Verhaltensregeln mit Schüssen – und fadenscheinigen Argumenten seitens der Beamten endete. In Vorarlberg schlug der Fall hohe Wellen, wie das Video verdeutlicht. So ist Samts Appell an die Menschlichkeit, den er als offenen Rap-Brief an die Polizei richtet, visuell mit einigen Zusendungen mit dem Hashtag „#Nedmituns“ ausgeschmückt.

Syc Tyson – Mein Mood

Die eingeschränkten Möglichkeiten aufgrund der aktuell geltenden Ausgangsbeschränkungen scheinen Syc Tyson nicht daran gehindert haben zu können, einen neuen Song zu veröffentlichen. Per Skype ließ sich schlussendlich der gesamte Release-Prozess arrangieren, wie der Wiener auf Instagram erzählte. In gewohnt lässiger Manier rappt er melodisch und punktgenau auf den von Vrich City produzierten Beat. „Mein Mood“ ist dabei der Beginn einer kleinen Releaseserie, denn im Drei-Wochen-Takt soll es weitergehen.

Weiteres

Edwin veröffentlichte mit „Lass sie reden“ den dritten Vorboten auf sein kommendes Album, diesmal mit Unterstützung von Hunney Pimp. Auch Seha Eks & Rice Master Yen lieferten mit „Neurosenstrauss“ einen weiteren Teaser auf ihre neue EP. Gewohnt schnell rappt Dr. Docs auf „Whip„, dem zweiten Vorboten auf sein kommendes „NoName“-Tape.

Palavra ist auf dem Track „Merveille“ auf französisch zu hören. Bruno & Pascal schielen nach einigen Quarantäne-Nummern mit „On The Radio“ auf Airplay, der Traurige Gärtner nutzt auf „Feuer“ den technoiden Sound zum Philosophieren über Süchte. Auf einer größeren Rap-Bildfläche präsentierten Chakuza mit „Schwarz Weiss„, Jonny5 & Pislik mit „Freddy Krüger“ und Money Boy mit „Yummy“ neue Singles mit Videos.

Weiters zeigten sich einige Produzenten aktiv. Mit „Sit Back and Listen“ gibt es den ersten Vorboten auf Flips Instrumentalalbum „Experiences“, das Anfang Juni über Beat Art Department erscheint. Kürzlich bereits mit „Dawn At The Souk“ angeteast, lieferte Mr. Käfer mit „Runaway“ eine entspannte Auskopplung des Projekts „Orientation„, das am 8. Mai via Melting Pot Music erscheint. Im Verbund mit dem US-Rapper Boogie Bang unter dem Namen Redeyeblue aktiv, produzierte der St. Pöltner e.kwality für den Track „hustle.“ einen feinen Kopfnicker DJ SPS unterstützt mit Scratches.

Ein interessantes „2 on 2“-Match hatten kürzlich die Grazer DNA & Ringelnatz gegen Falk & Khacoby, das es nun am YouTube-Kanal von DLTLLY nachzusehen gibt.

Text: Simon Nowak, Chiara Sergi, Francesca Herr & Mira Schneidereit

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