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Austro Round-up Kayo

Austro Round-up (KW 11/20)

Während Veranstaltungen bis auf Weiteres auf Eis gelegt werden müssen und viele Menschen im Musik- und Kunstbereich um ihre Existenz bangen, zeigen sich die radikalen Einschnitte aufgrund der Pandemie vorerst nicht im Output der hiesigen Acts. Wie in den Vorwochen sind einige Videos erschienen womöglich genau die richtige Ablenkung in diesen schwierigen Zeiten.

Samt – Phönix

Seit einigen Jahren aktiv, aber vor allem im Osten Österreichs bisher weitgehend unterm Radar geblieben ist Samt. Der in Hohenems lebende Rapper entspringt der Crew Next2Blow und veröffentlichte am 13. März mit „Phönix“ seine neue EP – den Nachfolger der 2017 erschienenen EP „Schwarz auf Weiß“. Der Mundartrapper präsentiert sich selbstreflexiv und hörbar emotional. Er hat auf den fünf neuen Tracks einiges zu verarbeiten – allen voran die „letzten 13 Monate, die mein Leben maßgeblich geprägt haben, wie er sagt. Dabei rappt er etwa über persönliche Schicksalsschläge, Depression, eine Drogenvergangenheit und den damit verbundenen Reifeprozess. Die Beats kommen von Sebastian Hoffmann. Zum Intro ist kürzlich ein Video erschienen, das dank der Präsenz des MMA-Kämpfers Ivo Cuk martialischen Charakter hat.

Kayo – Himbeeren

Ein Titel wie „Himbeeren“ ist vorm Hören wohl bei kaum einem anderen Rapper so aufschlussreich wie bei Kayo, wo der Silbendreher zum „(in der) Bim hean“ aufgelegt erscheint. Denn Schüttelreime sind das Fachgebiet des Linzer Rappers, der nicht zuletzt dank dieser Vorliebe zu den versiertesten Reimern der österreichischen Rap-Landschaft zählt. Die „Limericks“-Reihe startete er 2005 noch als Teil von Markante Handlungen, nun führt er sie mit „Himbeeren“ solo in die vierte Runde. Ausgestattet mit einigen gelungenen Neukreationen, die er im Video manisch in seine Schreibmaschinen einklopft, liefert er den ersten Vorboten auf ein neues Album. Über seine Social-Media-Kanäle ruft Kayo derzeit zu weiteren Schüttelreimen auf. Wer bis Freitag einen postet, kann unter anderem ein Exemplar der vergriffenen Vinyl-Single von „Limericks Pt. 2“ oder den Schreibmaschinentext aus dem Video gewinnen.

Def Ill – Pandemie (Zeltstädte 4)

Geschlossene Grenzen, Ausgangsbeschränkungen und teils starke Anstiege von Fallzahlen wie Todesopfern – dass die derzeitige Lage in Europa für alle beschissen ist, muss nicht näher erläutert werden. Anders sieht es mit der Situation für Menschen in Kriegsgebieten und viele Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen aus. Diese müssen nach wie vor unter entsetzlichen Bedingungen in Flüchtlingscamps ausharren, was aufgrund der jüngsten Entwicklungen fast gänzlich aus dem öffentlichen Fokus gerückt ist. Grund genug für Def Ill, per „One Take Show“ einen neuen Teil seiner „Zeltstädte“-Reihe aufzunehmen: „Wie viele Menschen leben immer in Quarantäne?“, wirft er etwa in den Raum. Auch darüber hinaus hat der Linzer einiges loszuwerden – neben einigen Kommentaren zur Pandemie und den getroffenen Maßnahmen rappt er gewohnt emotional gegen Sexismus, Haarspalter-Zerwürfnisse innerhalb der Linken und weitere gesellschaftliche Auswüchse an.

Arkan45 – Flugzeuge

Dass der Flugverkehr aufgrund der derzeitigen Umstände weitgehend stillgelegt ist, hält Arkan45 nicht davon ab, einen Track über „Flugzeuge“ zu veröffentlichen. Auf einem Klavier-Beat von BRN_HRD rappt der in Berlin lebende Vorarlberger in gewohnt melancholischer Manier über Akzeptanz, Kummer, Krisen und dreckige Fassadenwelten. Das Video passt sich der Message an und untermalt tiefgründige Wortkunst mit Schwarz-Weiß-Ästhetik in einer tristen, unverhältnismäßig kleinen Großstadtlandschaft. „Immer wenn ich abends von der Flut träume / Sind in meiner Stadt die Sterne nur paar Flugzeuge / Ich will raus doch seh nur Zäune / Denn in meiner Stadt sind Sterne nur paar Flugzeuge“.

Sollte in gut zwei Monaten das Gröbste überstanden sein bisschen Optimismus tut gut , möchte Arkan45 am 29. Mai mithelfen, bei „23 Years The Message“ in der Fluc Wanne abzureißen.

Kerosin95 – 1,65

Vergangene Woche hat Kerosin95 einen Track auf die Welt losgelassen, dessen laute Botschaft unter den aktuellen Entwicklungen fast zu ersticken droht. In gewisser Weise ironisch, steht der Song doch genau fürs Gegenteil auch wenn er in den eigenen Reihen durchaus Aufmerksamkeit und Support erhält. Kerosin95 liefert uns eine starke, nachvollziehbar wütende und umso zuversichtlichere Power-Hymne. Mit „1,65“ verleiht Kerosin nicht nur sich selbst sondern der LGBTIQ-Community eine kräftige Stimme. Der Track, so fasst es Kerosin zusammen, „ist für alle Menschen, die beim Händchen halten bespuckt werden. Denen Schimpfwörter oder sexualisierte Gewalt nachgerufen wird. Die beim Kuscheln im Park angegafft werden. Die sich in der U-Bahn küssen und angewiderte Blicke zugeworfen bekommen. Das ist ein Ego-Boost Track, um solche Situationen zu überstehen„. Und was für ein Ego-Boost.

Ms Def – Swipe Right

Auf einem soften Beat von Mantra rappt und singt die Oberösterreicherin Ms Def über die moderne Swipe-Kultur. Es ist eine Reflektion über die Beurteilung und den Umgang mit anderen Menschen auf Dating-Apps. Wo bleibt die Tiefe, wenn Menschen sich gegenseitig wie Katalogartikel aussortieren? Wie viel „echter Mensch“ steckt in einem Datingprofil? Und ist „ghosten“ mittlerweile ein Kavaliersdelikt? Mit solchen Fragen räumt die neue Single der Rapperin und Sängerin auf. Auch wenn Tinder-Dates dieser Tage hoffentlich auf Eis gelegt sind, trifft sie damit eine wichtige Thematik im Kern. Sie selbst sagt dazu: „Flashige Zeiten in jeder Hinsicht. Enjoy und bleibt’s gsund!“

Der-Con – Digital Nomad

Erst in der Vorwoche mit „Bangkok“ auf die für 03. April eingeplante „Contour“-EP mit Testa eingestimmt, liefert Der-Con nun den ersten Vorboten einer ebenfalls für Frühling eingeplanten EP namens „Soma“. Der Track „Digital Nomad“ bietet positive Vibes auf einem eingängigen Beat des UK-Produzenten Dubzta, das dazugehörige Video ist in Los Angeles entstanden. Alles wirkt fröhlich, heiter, die Leute scheinen das Leben zu genießen. Kaum ein paar Tage online, wirkt der Track über Freiheit, Respekt und einen globalen alternativen Lifestyle, wie ihn Der-Con bezeichnet, damit utopisch. In einem ausführlichen Beitext betont der Rapper – unabhängig von der momentanen Lage – seine guten Absichten hinter den reiseintensiven Aktivitäten. „I think the ultimate goal of these experiences and insights is to develop a new understanding of what it means to be part of a global society and to slowly stop thinking in nationalistic dimensions“, so ein Auszug.

Elis Noa – Still Nothing (Goddamn)

Kurz vor Veröffentlichung ihres Debütalbums „What Do You Desire?“ releasen Elis Noa nach „Nude“ den zweiten Vorboten. Mit den Tracks möchte das Wiener Duo, bestehend aus Elisa und Aaron, Genregrenzen sprengen, sich irgendwo zwischen Pop, R’n’B und Future Soul einfinden. Der neue Song dreht sich um Selbstwert, Wünsche, Zweifel und Reflexion. Dabei verzichtet Elisa auf das lyrische Ich, lässt die Zuhörenden in ihre Gedanken- und Gefühlswelt eintauchen und zeigt sich von einer sehr persönlichen Seite.

team128 – Einkommen

„Sag, wie komme ich an Geld ran? Du lebst auf dem Nacken deiner Eltern“, heißt es im neuen Track von team128. Passend zur aktuellen Zeit, in der Acts aufgrund der gesetzten Maßnahmen um ihr Einkommen fürchten müssen. Passend auch zur berechtigten Frage, die sich das team128 stellt, erstellte die im gleichen Dunstkreis verortete 808factory eine HipHop-lastige Spotify-Playlist, bestehend aus heimischen Artists. Ziel ist es, durch das Streamen dieser und ähnlicher Playlists (darunter fällt natürlich auch jene des Austro Round-ups) Acts online zu supporten, um ihnen in schwierigen Zeiten zumindest eine kleine finanzielle Unterstützung bieten zu können.

Text: Simon Nowak, Chiara Sergi, Francesca Herr & Mira Schneidereit

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