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Austro Round-up

Austro Round-up // Juli 2019

Im Juli sorgte Kid Pex mit der Gabalier-Abrechnung „Hulapolizei“ abermals für Wirbel, während Ansa unter seinem neuen Alter-Ego Jimmy Lässig auf Gitarre und Gesang setzt, dabei auf radiotaugliche Ohrwurmsounds zwischen Austropop und Rock abzielt. Die Tracks „Tiffany“ und „Wiener Señorita“ eignen sich als Belastungsproben für die Ohren. Brenk Sinatra kündigte den zweiten Teil seiner „Midnite Ride“-Instrumentalserie für Anfang September an. Abseits davon sind einige interessante Tracks und Videos erschienen.

BumBumKunst & Skero – Alles Bestens

Bei BumBumKunst & Skero und ihrem gemeinsamen Album wird es langsam konkret. Der ersten Vorab-Single „Clouds“ ließen sie im Juli „Alles Bestens“ folgen – und damit einen absoluten G-Funk-Sommerhit. Während so mancher kalifornische Kollege im Lowrider die Pazifikküste entlangfährt, cruisen die „Maasnbriada“ an den heißesten Tagen im Jeep-Cabrio von Linz in den Mühlkreis, um das Leben bei der idyllischen Resilacke zu genießen. Dem Songtitel gerecht wird auch der mustergültige Beat von BumBumKunst, der auf dem Sample „You Made A Change In My Life“ der Funk-Band The Bar-Kays basiert. Das dazugehörige Album erscheint am 29. August und soll ganz im Zeichen des Westcoast-Faibles der Mundart-Rapper stehen.

 Hunney Pimp – Bugaboo

Mit einer Zigarettenspitze in der Hand, Hut und Trenchcoat sitzt Hunney Pimp an einem Tisch. Darauf volle Aschenbecher, halb leere Whiskygläser, Karten und eine Pistole. Mit zigarrenrauchenden Männern in weißen Hemden wird gepokert, während Hunney Pimp rappt. Doch da sich die Wiener Musikerin ungern in Schubladen stecken lässt, folgt als Refrain ein melodischer Gesang, während sie im Video dazu auf einem rosa Blütenbett liegt. Irgendwann steht einer der Männer auf, Hunney Pimp folgt ihm in einen Club. Nach einem kleinen Tanz zücken beide zugleich ihre Pistolen und überfallen à la Bonnie und Clyde die Partygäste. „To be continued“ steht am Ende des Videos, in der Beschreibung zum Video wird es noch eindeutiger: „Neues Album ‚Chicago Baby’ coming soon“. Wenn das von Melonoid produzierte Album Ende des Jahres erscheint und die Vintage-Ganovenstory zur Fortsetzung kommt, dürfte Wien also doch noch zu Chicago werden. Musikalisch bleibt die Allround-Musikerin dem Mundart-Rap treu, ohne langweilig zu werden. Oder wie es ein YouTube-Kommentar unter dem Video beschreibt: „Versteh kein Wort aber lit“.

Da Staummtisch – DFN

Danke für nichts mit diesen Worten rechnet Da Staummtisch mit Türkis-Blau ab. Als Stimme(n) der enttäuschten Bevölkerung zerpflücken Roleee Solo, Freistil und Antrue die Regierungsarbeit von Kurz, Kickl und Co und implizieren mit dem Video, dass umgesetzte Maßnahmen wie der 12-Stunden-Tag, Reiterstaffeln oder 140Km/h-Teststrecken zusammen mit den Gesinnungen und Fettnäpfchen ihrer Urheber bestens auf der politischen Müllhalde aufgehoben wären. Der treibende Synth-Beat kommt vom Blumentopf-Veteran Sepalot. „DFN“ ist der erste Vorbote auf das neue Album „Zucker“, das im Herbst via Tontraeger Records erscheinen soll. Trotz der unmissverständlichen Botschaft der Single soll das fünfte Release des Quartetts letztlich als Ode an den Müßiggang, das Schöne im Leben und die Leichtigkeit des Seins dienen.

Hasan S. feat. Ceset – Känäkx

Auch bei Stonepark bahnt sich etwas an: Hasan S., der mit seinem Zwillingsbruder Hüseyin das Duo Rapterror bildet, veröffentlicht am 20. September seine EP „Die Einz – Kapitel II“. Mit dem ersten Vorab-Kapitel „Känäkx“ handelt das türkischstämmige Großfeldsiedlungs-Kid mit Augenzwinkern einige der gängigsten Vorurteile ab. Kein bahnbrechendes Konzept, aber gut umgesetzt: „Kein Semester auf der Uni, aber Doktortitel / In allem was die Cops verbieten / Nein Spaß, jetzt reicht’s mit Klischee / Im 3er-BMW ab zum Freitagsgebet.“ Ceset von Eastblok ergänzt mit einem türkischen Part, der Beat kommt von Ali Capone.

Fellowsoph – Between The Beats

Kürzlich noch als Teilnehmer bei einem Gstanzl-Battle in Niederbayern aktiv, geht es bei Fellowsoph nun wieder ums Rap-Kerngeschäft. Als Nachfolger der 2018 erschienenen „Ausblick“-EP ließ er Ende Juli die EP „Between The Beats“ folgen. Erneut setzt der Landstraßer auf Boombap-Produktionen, auf denen er für teils fließende Übergänge zwischen Representen, Battle-Lines, Selbstreflexion und moralischen Gesellschaftsfragen anno 2019 sorgt. Im Vergleich zu „Ausblick“ überzeugender gerappt, auch die abwechselnd von DJ Sticky und Chapter One produzierten Beats fügen sich gut. Als erste Auskopplung dient „Stephansplatz/Wienerwald“.


Afu-Ra & Def Ill – Unda mi Chainsaw (ls Ruffian Rugged)

Knapp ein halbes Jahr ist vergangen, seit Def Ill und der New Yorker Afu-Ra ihre gemeinsame Debüt-Single „Circus Tickets“ veröffentlicht haben. Seither konzentrierte sich Def Ill auf seine „Playtest„-EP, doch nach dem Release ist bei ihm vor dem Release. Eine EP des Linzers mit dem in Europa lebenden Afu-Ra soll noch im August erscheinen, der Titel „B4 – BringBoomBapBack“ ist selbsterklärend. Es brauche einen Gegenentwurf zur aktuellen Rap-Monotonie im Mainstream weniger Materialismus, Sexismus und Stereotype, dafür mehr Originalität und lyrische Finesse. Um ihre Ideale umzusetzen, konnten die beiden vorab über ein Crowdfunding-Projekt eine kleine Finanzspritze lukrieren. Der zweite Vorbote fällt düster aus, ausgestattet mit Kettensäge weiten sie die Jagd auf korrupte Politiker aus.

Bibiza & Cozy  – 305

Wie kann man besser das berühmt-berüchtigte Sommerloch füllen, als mit einem sommerlichen Good-Vibes-Track? Nachdem Bibiza im April sein Debütalbum „COPYPASTE“ veröffentlicht hat, holt er sich nun nach einer kleinen Release-Pause Cozy als Featuregast für den neuen Song dazu. Auf dem Track reflektiert Bibiza mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein die Geschehnisse der letzten Monate. Plötzlich zeigen Major- und Indie-Labels Interesse am jungen Wiener, doch er ist sich sicher: „Bleibe in meinem Camp solange ihr nicht so denkt wie ich denk’“. Und nach einer kleinen Auszeit am Meer, wo auch das Video gedreht wurde, fühlt sich dann alles schon wieder etwas leichter an. Durch Cozy wandelt sich der Song von einem typischen Representer-Track hin zu einem locker-leichten Sommerlied. „Meine Lehrer folgen mir auf Insta jetzt, keine Ahnung warum aber weirder Flex“. Die Kombination aus Storytelling und humorvollen Lines, die einfach gut klingen, machen „305“ zum potentiellen Sommerlied.

Kerosin95 – Hass

Damit auch nach dem Pride Month die wünschenswerte Gleichberechtigung der Liebe aller Geschlechter zelebriert wird und nicht in Vergessenheit gerät, sorgt der neue Song von Kerosin95. Dieser widmet sich dem Umgang mit Hass in Bezug auf queerfeindliche Situationen. „Dein ganzes Gelaber, ständiges Jammern / Ein großes Theater, dein Kopf ein Desaster /Der Stolz er erdrückt dich, das Anabolikum wirkt nicht / Glaubst du hast nen Panzer, doch bist ziemlich durchsichtig“. Ein starker Song, der die LGBTQ-Community bestärkt, sich über den unbegründeten Hass anderer zu stellen. Generell möchte die Musikerin Kathrin Kolleritsch, die derzeit unter anderem als Drummerin bei der Band My Ugly Clementine aktiv ist, unter dem Alter Ego Kerosin95 ein Zeichen gegen Sexismus und für eine Sichtbarmachung queerer Identitäten setzen. Folglich definiert sie sich bei ihrem Rap-Projekt nicht als Frau.

Emirez & Pireli – Dzeko

„Edin Džeko ist für uns Bosnier so wie hier Mozart, Falco und Herbert Prohaska zusammen“, streicht Emirez gegenüber The Message die Bedeutung des Stürmers im Balkanstaat heraus. Da erscheint es schlüssig, dass er und Pireli als glühende Fans der bosnischen Nationalmannschaft einen Song für ihn aufgenommen haben. Dieser bezieht sich vor allem auf die charakterliche Zuschreibung, immer hart an sich zu arbeiten, Rückschläge wegzustecken und weiterzukämpfen. Anfang Juni haben die beiden Wiener das Nationalteam zum EM-Quali-Auswärtsmatch nach Turin begleitet Džeko schoss zwar das 0:1, konnte Bosnien aber nicht vor einer Niederlage bewahren. In diesem Rahmen ist auch das Video entstanden, das neben Auszügen des Fanmarsches einige Eindrücke aus der norditalienischen Stadt beinhaltet.

Lady Ill-Ya – Abstand

Anfang Juli veröffentlichte Lady-Ill-Ya mit „Abstand“ ihr Debütalbum. Die 12 Tracks sind über einen Zeitraum von fünf Jahren entstanden und allesamt von G-Luc produziert. Die Wiener Rapperin bezieht sich neben dem Frausein und bis heute gegenwärtigen Sexismus-Problemen auf weitere Hürden und Freuden aus ihrem Alltagsleben. Dabei streicht sie mehrmals ihre Entschlossenheit heraus, eigene Meinungen durchzusetzen. Der Flow sticht positiv heraus, während der zeitweise überspannte Stimmeinsatz ein wenig anstrengend werden kann. Das Album ist über das von Schoko MC geleitete Label Dritter Stock Records erschienen. Mit der „Wien“-Hommage folgte nach und „Bevor ich rappte“ und „Mich interessiert’s nicht“ kürzlich die dritte Videoauskopplung.

Ael Deen & Tizudemjay – Leftlane

Ael Deen und Tizudemjay fühlen sich wie auf der linken Spur, der Überholspur also. „Fahr am Limit, ich bin immer auf der Leftlane / Überroll’ alle Hater, keiner kann mich bremsen“. Bereits im März arbeiteten die beiden Musiker auf „Swayze“ zusammen, einzelne Solo-Releases von Tizudemjay folgten, ebenso wie Ael Deens EP „11:12“. Während sich dieser auf der genannten EP musikalisch noch eher ruhig verhielt, geben die beiden nun auf „Leftlane“ ordentlich Gas. „Für dich würd’ ich alles tun / Breche Kiefer, Gesetze und Tabus“.

Text: Simon Nowak & Chiara Sergi

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