Apollo Ansa & Sunny Brown – A Wos!

Dann hot a gschrieben: komm wir mochen jetzt a Mixtape über Beats von dem Apollo Brown, obwoi i ned amoi gwusst hob wer des is“, rappt Sunny Brown auf dem „Outro„. Der, der ihn zu diesem Mixtape aufgefordert hat, war Apollo Ansa, auch bekannt als Ansa der Vamummtn. Gemeinsam mit Sunny Domingo aka Sunny Brown von den steirischen War Wolves hat Ansa Originalbeats von US-Großmeister Apollo Brown gesucht und Raps darüber aufgenommen. Ein heikles Unterfangen.

Aber eigentlich kann ja gar nichts mehr schief gehen, wenn man solche bombastischen Produktionen verwendet, wie Mr. Brown sie fabriziert. Auf die Frage im Message Interview, ob die beiden nicht mit Klagen von Seiten des Produzenten rechnen, antwortete Ansa ganz einfach mit: „Erstens einmal wird er es, wenn er es hören sollte, sicher phat finden.“ Eine gewagte Aussage, die man beim Hören des Musikstücks bald beurteilen kann. Denn neben den typisch egozentrischen Nummern im Vamummtn-Stil, prägen vor allem ernstere Thematiken das Stimmungsbild auf dem Mixtape, welches somit einen ganz anderen Charakter bekommt, als jeder Vamus-Fan sowie -Kritiker vielleicht erwarten würde.

Gleich nach dem Intro erzählt Apollo Ansa auf „Wildest Dreams“ wie er schon vor sechs Jahren an der Musik gezweifelt hat und alles hinschmeißen wollte, um dann trotzdem im gleichen Atemzug zu erwähnen, dass jeder, der nicht so weit gekommen ist, die „Fresse“ zu halten hat. Beim nächsten Track namens „Zum Glasl“ erinnert man sich wahrscheinlich an Vamummtn-Hits wie „Des Festl Gestan“ oder „Schwabs Weg. Doch es kommt ein wenig anders. Auf einmal hört man Zeilen, in denen festgestellt wird, dass man kein gutes Vorbild sei und niemanden zum Vorglühen anstiften will. Das klingt wohl etwas gereifter als noch auf „Rap is (k)a Ponyhof„. Auch im darauffolgenden Song „Lonely & Incomplete“ gesteht der Ansa: „Jetzt hättst wen braucht, du worst zu jedem a Orsch, scho scheiße wies lauft, aber die Zeit draht si ned zruck.“ Um diese Aussage mit der österreichischen HipHop Szene zu kombinieren, heben die beiden wieder einen kritischen Aspekt auf „Net Atrogn“ hervor: „MCs verherrlichen Drogen und Gwolt a wennsas ned so manan, MCs checken des vielleicht, aber die Fans nehmen des ernst“. Trotzdem wird leider kurz darauf postuliert, dass sowieso die ganze Szene „scheiße“ sei, genauso wie Jams, auf die die zwei sowieso nicht gehen. Das Ganze schaukelt sich bei „Du & I“ noch weiter auf, als Sunny Brown rappt: „I bin großes Kino, du bist C-Movie mit Untertiteln, frog mi ned um a Feature, na wir kumman ned zom, mei Rap is Air Force One, deina Gummistiefel“. Das ist aber auch nur eine von den paar weniger starken lyrischen Begebenheiten neben dem Skit, dessen Sinn und Inhalt einem auch nicht ganz klar wird.

Der Rest des Apollo Brown-Tributes strotzt geradezu vor tiefgründigen Texten, private Themen werden zu den Schwerpunkten der Songs. „Grau“ ist nicht nur der Titel, sondern auch die düstere Atmosphäre auf der nächsten Nummer. Es geht um die plötzliche Vaterrolle, in die Sunny Brown vor zehn Jahren schlüpfen musste, und den schweren Unfall von Ansas Bruder, dessen Verlust er bis heute nicht verkraftet hat. („Hobs bis heit ned verkroft, oba ändern konn des kana mehr, Tränen san deswegen sötn gflossen, doch beim Schreiben dieser Strophen loss i’s laufen und mi foin, denk an neamd, jetzt huck i do und i rea“.) Schön, dass auch einmal sonst so unnahbar wirkende HipHop Musiker ihre Gefühle in Texten verarbeiten können. Passend dazu gesteht Ansa außerdem in „Ändats Wos?“ etwas, das man nicht von ihm erwarten würde: „Und warum steht mei Wagl vor da Tir? Bin i fett gfohrn? Echt org, ois Vurbüdfunktion is sowas echt orm.“ Einsicht ist ja bekanntlich der erste Schritt zur Besserung, die gleich darauf anfokussiert wird: „Echt schod, vielleicht wird’s longsom Zeit si zu ändan, kennt jo vü mehr passiern ois nur a Blechschodn.“ Um dem ganzen Mixtape jetzt noch ein wenig Gesellschaftskritik zu verleihen und endlich aus der Schublade der Proll-Rapper zu gelangen, stellt Sunny Brown auf „Flower Power“ fest, dass er die Regierung „orsch“ findet und nicht versteht, warum Leute im Winter in der Kirche schlafen müssen, während andere vom Solidarisieren und Engagement sprechen, obwohl sie im Endeffekt ja doch nur davon profitieren wollen.

Obwohl das Fladern von Beats unter vielen Künstlern kritisch betrachtet wird, war es im Falle von „A Wos!“ eine weise Entscheidung. Die ästethischen Produktionen von Apollo Brown kombiniert mit dem Mundart-Rap der nachdenklicher gewordenen Rapper stellt eine durchaus interessante und angenehme Mischung dar, die sich auch Skeptiker mal anhören können.

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Hier die Gegenüberstellung der Tracks von Ansa & Sunny mit den Original-Beats:

01. Intro – The Monster, Album: Make Do Instrumentals
02. Wildest Dreams – Wildest Dreams, Album: Make Do Instrumentals
03. Zum Glasl – Drinking Life, Album: Made Do Instrumentals
04. Loney & Incomplete  – Potatoes (ft. Torea), Album: Dice Game
05. Net Atrogn – Gold Medal, Album: Make Do
06. Props Kriagts Net – Odds aint’t fair, Album: The Reset Instrumentals
07. Draufgehn – 11th Hour, Album: Clouds
08. Babylon Skit
09. Du & I – Statistics von The Left, Album: Gas Mask (mit Bobby Blue Band Sample)
10. Grau – Never in a Million Years, Album: Clouds
11. Ändats Wos?- Tao Te Ching, Album: Clouds
12. Drive By Music – How We Live von The Left, Album: Gas Mask
13. Schuidig – Proven Guilty, Album: Make Do
14. Flower Power – Real Detroit von The Left, Album: Gas Mask
15. Outro – Choices, Album: Clouds

(JG)

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