Young Krillin & Aloof: Slangin sippen „Salamanderschnops“ // Review

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Young Krillin & Aloof: Slangin – Salamanderschnops // VÖ: 27.7.2016 (HPF x BMG)

Vor zwei Jahren im August releaste HVNUSCHPLVTZFLXW-Mitgründer Young Krillin sein „FEEL ME B4 DEY KILL ME„-Tape, das unter anderem Yung Hurn eines seiner ersten Karriere-Highlights bescherte. Yung Hurn und Crack Ignaz sind nun in aller Munde, das neue Tape von Krillin und Aloof: Slangin findet hingegen kaum Beachtung (Liebe HipHop-Medien, ihr solltet wohl mehr The Message lesen). Sascha Ehlert, einer der wesentlichen Rap-Versteher unserer Generation, schreibt ironischerweise in der Juice von der „ewig zum Vergessen werden verdammten Based-Legende Young Krillin„, doch wenigstens fand Krillin in der HPF-Mini-Doku von Noisey einen angemessenen Platz. Auch mit Aloof: Slangin verhält es sich ähnlich – früher als Don Dada Rio unterwegs, bewegt sich Aloof schon lange im Rap-Mikrokosmos. Nach seiner “Ped¥gree“-EP war der logische nächste Schritt die Zusammenarbeit mit Krillin.

„Na, du derfst mi nix frogn, außer ob i Molly hob … jo i hob Molly do.“
– Aloof: Slangin, „Pferde RMX“

Schon der vermeintlich bedeutungsschwangere Titel des „Salamanderschnops“-Tapes spricht für sich: Sturmpercht heißt die St. Kolomaner Experimental-Alpin-Folk-Band, die im Schatten von Salzburg die Namens-Blaupause für Krillins und Aloofs Werk schufen. Der gleichnamige Titeltrack ist ein gelungener Auftakt für die verschwommenen Welten voller Piff und lila Cups, in die uns die beiden mitnehmen. Zwar lebt das Tape von eingängigen Schlagworten, kurzlebigen „I bims das“-Sager, die aus Internet-Thug-Kollektiven wie der BergMoneyGang nun ihren Weg aufs Splash! gefunden haben, sind glücklicherweise aber Mangelware. Vielmehr spielt „Salamanderschnops“ mit einer verzaubernden Prise österreichischem Charme, der nicht nur in den Texten, sondern auch in den Track-Titeln wie „Haazn & Henny“, „Flex ned“ oder „Parsch & Aigen“ (Salzburger Bezirke) evident wird. Was Yung Hurns „22.-Hieb-Slang“ an interessanter Klangfarbe mitbringt, kann der Salzburger Dialekt schon lange – nur weicher und freundlicher.

„Keine Gefühe mehr, oida ich brauch neue.“ 
– Young Krillin, „Sepia“

„Salamanderschnops“ bietet vielen eine Bühne: Die Produzenten Wandl, Lex Lugner, Genz (früher Zimmermann) und Asadjohn stechen hervor, wobei sich Hunney-Pimp-Hausproduzent M E L O N O I D immer stärker in den Vordergrund drängt. Auch Feature-Parts sind in einem angenehmen Ausmaß vorhanden: Mit Brown-Eyes White Boy und FKN SKZ bekommt das Tape BMG-Unterstützung und Pif PafKaräils Alter Ego, rappt für den HPF – sogar der Frauenarzt-Part passt überraschend gut ins Konzept, auch die Zeilen von Bambus sind nicht zu unterschätzen. Neben dem Berliner Proletik-Rapper liefert das Album einem Haufen junger, wegweisender Produzenten und Rappern eine Spielwiese, die sie bestmöglich nutzen: Die Influencer einer Szene, die mittlerweile viel größer ist als sie selbst.

Fazit: Aloof: Slangin und Young Krillin haben ihre Soundwelt gefunden. Zwar steht Krillin mehr im Vordergrund, doch gibt er Aloof genug Raum, um sich eindrucksvoll zu präsentieren – textlich als auch von Beat-Seite. Ein neuer HPF-Protagonist tritt ins Licht. „W.i.d.d.i.d.C.“, „Das Piff“, „Z-Ro“, „Flex ned“, „Geisel“ und „Haazn & Henny“ stechen als stärkste Tracks hervor, wobei letzterer einen Remix mit Hurn und Meilner vertragen könnte – zwei Künstler, die in der Fülle der Feature-Gäste überraschenderweise fehlen. „Salamanderschnops“ reiht sich zwar grob in die Reihen des sogenannten „Cloud-Raps“ ein, die musikalische Vielfalt des Tapes zeigt jedoch eindeutig, dass die beiden zu „based“ sind, um sich einem Trend anzuschließen, den sie selbst mitaufgebaut haben. Eigentlich nicht mehr erwähnenswert, aber speziell Young Krillin zeigt sich mit dem Release so viel realer als die Mehrheit seiner Deutschrap-Kollegen: Wer im Rollstuhl das Game aufmischt, hat tausendfach mehr Eier als alle Gucci-Bandana-Rapper des Planeten zusammen. Österreichischer Rap, wie er hierzulande kaum wertgeschätzt wird, nicht von den Medien, geschweige denn von der Szene. Und wenn „Salamanderschnops“ mit vier Ananas ein großartiges Album ist, dann nur, um Luft nach oben zu lassen für das nächste Release der Burschen.

4 von 5 Ananas
4 von 5 Ananas

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