Spoken Word meets Jazz // Yasmo & die Klangkantine live

Alle Fotos von Alexander Gotter

Nach dem ausverkauften Konzert von Yasmo & die Klangkantine im Konzerthaus Wien im Februar, folgt der zweite Streich der Band im Saal des WUK. Als Vorband bringt die Wienerin Soia eine angenehme Stimmung in die Location. Die Sängerin spielt unter anderem Songs wie „Roaming Deer“ und „Habibi“, zu dem die Idee übrigens auch im WUK entstanden ist, wie sie erzählt. Generell schlägt die Performance eher in Richtung Soul, was einen Großteil des Publikums nicht so ganz anspricht, der Konzertraum ist gerade mal halb gefüllt.

Was sich schlagartig ändert, als Yasmo & die Klangkantine die Bühne betreten. Die achtköpfige Klangkantine, in der Instrumente wie Saxophon, Trompete, Posaune, Drums, Keyboard, Bass und Gitarre den Takt vorgeben, beginnt ihr Intro. Yasmo begrüßt die Menge mit „YKK“, dem ersten Song des gemeinsamen Albums „Yasmo & die Klangkantine“.

Weiter geht es mit „Kein Platz für Zweifel“, einem Song aus den Zeiten von Yasmos Solokarriere. Und spätestens bei „Eigentlich kein Hip Hop“ wird auch dem Letzten klar: Das ist kein typisches HipHop-Konzert. Die Texte orientieren sich an Spoken Word und Soziologie-Vorträgen. Nicht verwunderlich, denn Yasmos Wurzeln liegen beim Poetry Slam. Sie bleibt sich selbst treu, auf der Bühne wirkt sie sehr authentisch. Die Band spielt Jazz, wodurch sie nahtlose Übergänge zwischen einzelnen Songs schafft. Live ist das Verhältnis zwischen Text und Musik gut ausgewogen, niemand wird in den Hintergrund gedrängt. Zudem erhält jedes Instrument im Laufe der Show ein eigenes Solo. Das Konzept kommt beim Publikum definitiv an.

Nach dem Song „#YasmoHatGesagt“ meint diese auch: „Ich werd heut so viel Publikumsinteraktion machen, weil ihr so laut und so viele seid und das ist total schön“. Versprechen gehalten, die Interaktion funktioniert. Abwechselnd werfen sich Yasmo und die Crowd „1000 Liebe“-Rufe zu. Die Pausen zwischen den Songs nützt Yasmo für kurze Aufrufe, Appelle an die Moral und Hilfsbereitschaft und erkundigt sich regelmäßig, ob es den Leuten eh noch gutgeht. Yasmo weiß, dass jeder hin und wieder auch schlechte Tage hat und widmet „Einen dieser Tage“ allen, denen es manchmal so geht. Tanzstimmung bringen dann wieder „Zwei“ und „Heute bin ich unsterblich“.

Neben „Es ist Musik“, „Phönix“ und „Weit weit weg“, finden zusätzlich auch Lieder aus den Jahren vor der Klangkantine Platz. So zum Beispiel der Track „Ich“, der aus Yasmos 2011 veröffentlichtem Album „keep it realistisch“ stammt.  Als Teil der Band steht auch Yasmo ihr eigenes Solo zu. „Mein Instrument ist ja Text und Stimme“, stellt sie klar und performt eine Slam-Version von „Die Gretchenfrage“. Damit stellt sie einmal mehr unter Beweis, dass sie „mehr als die Frauenquote“ repräsentiert. Danach bekommt auch noch Miss Lead ihren Slot, eine Rapperin aus London und ihr wütenderes Alter Ego.

Politischer Aktivismus ist für Yasmo & die Klangkantine wichtig, so viel wird klar. Mit „Wer hat Angst vorm weißen Mann“ kommt die Anweisung ans Publikum, gegen white Privilege vorzugehen, „wir müssen daran arbeiten, auch wir Privilegierten, weils ein Scheiß is“. Als Yasmo mit „Rouge“ das letzte Lied ankündigt, kommen „buh“- und „oh“-Rufe aus dem Publikum. Sie versucht, mit einem „1000 Liebe“ die Menge aufzuheitern, die Reaktion ist aber ein eher grantig gerufenes „Liebe“. Die Zugabe startet schließlich mit „Baby“, nur begleitet von Gitarre und Trompete. Es gibt noch ein Selfie mit der Menge, ein „viel 1000 Liebe an euch, oida und einmal noch tanzen“ und schließlich rundet „Noel“ als endgültiger Song den Abend ab.

Fazit: In einer knapp 90-minütigen Show bringen Yasmo und ihre Klangkantine 20 Songs bzw. Texte unter, viel Gefühl und vor allem viel Moral. Dabei machen die Musiker keinen reinen HipHop. Auch keinen reinen politischen HipHop. Eher eine Art Spoken Word, vermischt mit einer großen Portion Jazz, Blues, etwas Soul und einer Handvoll Soziologie-Vortrag. Muss man mögen. Yasmo ist mit ihren Texten eindeutig im Poetry Slam beheimatet, die Klangkantine schaffte es jedoch, Generegrenzen immer wieder zu sprengen. Wer hierher gekommen ist, um Rap zu sehen, findet wohl eher mäßig Gefallen. Dieser Mix ist definitiv nichts für jedermann, schart aber dennoch eine beachtliche Fangemeinde um sich. Und das Konzept kann vor allem live beeindrucken. Grundsätzlich also eine recht solide Leistung.

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