1. Wiener HipHop-Ball – Pionierarbeit oder Widerspruch?

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Herrengasse, 1. Bezirk, Wien. Hier soll im Palais Niederösterreich am Samstag der erste Wiener HipHop-Ball stattfinden. Wer das Ambiente kennt, weiß, dass es eine großartige Ball-Location ist. Wer HipHop kennt, wird sich aber fragen, was – abseits der superreichen US-Rapper – diese Dekadenz mit HipHop zu tun hat. In den sozialen Medien werden die Diskussionen immer lauter und die Lager spalten sich von “Wie kann man nur?” bis zu “Geniale Idee!”. Wir haben Sajeh Tavasolie, der Initiatorin und Organisatorin des Balls, eine Handvoll grundlegender Fragen zum vermeintlichen Oxymoron HipHop-Ball gestellt. Die Antworten fallen teilweise überraschend aus.

Interview: Julia Gschmeidler & Wanja Bierbaum
Fotos: Mekades & Friends

The Message: Wien und HipHop haben nicht unbedingt die längste und auch nicht die innigste Geschichte. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Sajeh Tavasolie: Wir sind mit HipHop in Wien aufgewachsen, da lag der Gedanke nicht allzu fern, diese beiden Kulturen zu vereinen.

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Ball-Veranstalterin Sajeh Tavasolie / Foto: Stefan Joham

Es tut sich wieder mehr in HipHop-Österreich. Ist für euch ein Revival des HipHops in Österreich spürbar bzw. warum denkt ihr, dass die Zeit für einen HipHop-Ball schon gekommen ist?
Schon? Unserer Meinung nach ist sie schon längst überfällig. Wenn nicht jetzt, wann dann?!

“Es gibt kaum Nervenderes als deutschen Hip-Hop,” hat Samir Köck in „Die Presse“ dieses Jahr im Zusammenhang mit dem Auftritt von Snoop Dogg, MoTrip und Zugezogen Maskulin geschrieben. Was würdet ihr ihm entgegensetzen?
Wie bekannt, lässt es sich über Geschmäcker streiten.

Und wird es auch deutschen, aber vor allem österreichischen HipHop und Rap zu hören geben am Ball?
Auf jeden Fall. Sowohl Yasmo & die Klangkantine als auch die Mizgebonez werden die Stage im VIP-Bereich rocken. Im International Floor steht alles unter dem Motto: We keep it global! Somit wird auch Deutschrap präsent sein.

HipHop entstand im größten Teil aus der schweren Geschichte der afroamerikanischen Kultur. Wo seht ihr Parallelen zur prunkvollen Ballhauptstadt Wien?
Es ist nicht unsere Ambition, Parallelen zu ziehen. Der Wunsch ist es, das als gegensätzlich Geltende zusammenzubringen.

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Wie steht ihr zum Akademikerball?
Offensichtlich, kulturell dagegen.

Warum?
Weil es unsere Absicht ist, mit dem 1. Wiener HipHop-Ball, dem Brechen alteingesessener Traditionen, dem Vereinen zwei unterschiedlicher Kulturen Raum zu schaffen – Raum für ein schon längst überfälliges Miteinander.

Graffiti, Streetart, Breakdance und auch HipHop sind auf den Straßen geboren. Wie seid ihr auf die Wahl einer so „edlen“ Umgebung gekommen?
Ein Kunstwerk erhält nicht in erster Linie durch seinen Rahmen seinen Wert, sondern durch seinen Geist. Mittlerweile ist es unumstritten, dass Graffiti/Streetart und Breakdance in unserer Gesellschaft als wertvolle Kunst wahrgenommen werden und einen „edlen“ Rahmen mehr als verdient.

Gab es vonseiten der Vermieter des Palais NÖ Bedenken, weil es eine HipHop-Veranstaltung ist?
Absolut nicht. Im Gegenteil, sogar diese unterstützen uns sehr bei den Vorbereitungen.

Wie würdet ihr den HipHop-Ball in die Geschichte des Wiener HipHops einordnen?
Pionierhaft.

Euer Dresscode ist zwar dem HipHop angepasst, aber trotzdem sehr strikt. Glaub ihr, dass ihr damit einen Haufen „lockerer“ HipHop-Fans verschreckt?
Wir sind keine Fans von stereotypischen Normvorstellungen. Auch ein Jay-Z läuft nicht ständig in „lockeren“ Trainingsanzügen herum.

Was ist eure Definition eines „urbanen Walzers“?
Der urbane Walzertanz ist ein Remix aus dem klassischen Walzer mit Streetdance, begleitet von den Melodien beider Musikwelten.

Es werden fünf bis sechs Personen geehrt, die sich für die österreichische HipHop-Szene engagieren. Nach welchen Kriterien werden diese Ehrungen vergeben?
Wir ehren Personen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum, die in den vergangenen Jahren viel zur Weiterentwicklung des HipHops beigesteuert haben.

Mit einem Eintrittspreis von über hundert Euro ist der Ball kein billiges Unterfangen. Wie waren die Resonanzen auf den Preis? Die VIP-Karte kostet immerhin so viel wie drei Tage Splash.
Splash ist kein Ball und somit nicht geeignet für einen Vergleich. Ausgehend von den mitwirkenden Künstlern, dem Palais, den Programmhighlights und dem Service, scheint uns der Preis sehr angemessen zu sein und laut dem Stand des Ticketverkaufs, unseren Gästen auch.

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