Weiblicher Deutschrap-Takeover // Videos

Besonders viel Aufmerksamkeit ist diese Woche Rapperin Pilz zuteil geworden, die – früher noch mit Schafskopf maskiert – gegen den amtierenden DLTLLY-Champion Nedal Nib beim Tapefabrik-Festival in Wiesbaden gebattlt hat. Pilz, für die es das erste Live-Battle war, ist derartig gut vorbereitet, dass sie zwei von drei Runden für sich entscheiden kann. Mit dem Gegenwind, der ihr seit der Veröffentlichung des Videos entgegengebracht wird, fühlte sie sich jedoch gezwungen, öffentlich zu den Beleidigunen Stellung zu beziehen. Vor allem die Aktion, dass sie sich in der zweiten Runde ein Kopftuch aufgesetzt hat und verbal auf Klischees der muslimischen Religion eingegangen ist, ist vielen sauer aufgestoßen. „Die Liste an Menschen, die mich ernsthaft tot sehen wollen, steigt. […] Wenn jemand damit ein Problem hat, dass solche Inhalte im Battlerap stattfinden, dann ist das völlig in Ordnung und ich respektiere das vollkommen. Der eigene Glaube und die persönliche Schmerzgrenze sind, genau wie die Würde eines jeden Menschen, unantastbar. (…) Man kann mir sagen, dass man es als falsch empfindet und meinetwegen kann man mir sagen, dass man mich deshalb komplett scheiße findet. Aber man kann den muslimischen Glauben, der das Thema Liebe und Respekt intensiv behandelt, nicht verteidigen, in dem man mir so ekelhafte Nachrichten schreibt, die zu 98% aus Hass und Schimpfwörtern besteht“, schrieb sie auf Facebook. Ob dieselben Leute, die jetzt derartig untergriffig auf Pilz reagieren, dies auch bei einem männlichen Rapper getan hätten, ist fragwürdig. Wie ausfällig und ordinär Männer übrigens ein reines Female-Battle kommentieren, ist derzeit beim Video von Madame Chaot und Yori zu lesen.

Maul halten Wixer, fick dieses Frauenrap-Stigma,
darf ich nur, weil ich Titten hab, nicht dreckig spitten?
Alter fick dich. Ich meine fick dich, bitte.

Eine, die definitiv nichts von Geschlechtsidentitäten im Rap hält, ist Antifuchs. Selbstbewusst rappt sie auf einem Beat von Rooq darüber, dass HipHop nicht nur für Männer ist und macht klar, dass sie nicht zum Kochen, Putzen und Waschen da ist, sondern dafür, dass man mit dem Kopf nickt. („Was Frauenrap?! Mein Gebiet nennt sich Deutschrap“) Mit „Leisefuchs“ zeigt sie – wie auch schon auf „Wie ein Mann“ – wie hart es noch immer ist, als Rapperin in der von Männern dominierten, sexualisierten HipHop-Szene zu bestehen. Da Antifuchs im September eine Releaseparty in Hamburg angekündigt hat, dürfte wohl noch mehr Material in Arbeit sein.

Du glaubst nicht, dass man dich brechen kann
Doch, glaub mir, mit einem Lächeln, Mann
Du bist Haustier, ich bin Raubtier
Und ich guck‘ grad, was ich heut fressen kann

Irgendwie sollte es bisher nicht so klappen mit einem Live-Auftritt von SXTN in Österreich. Den Auftritt am HipHop Open vergangenen Sommer in Wiesen mussten sie kurzfristig absagen, der Tourstopp von Frauenarzt vorigen Herbst in Wien, wo die beiden Voract gewesen wären, wurde gecancelt. Heuer soll es aber funktionieren: Im Rahmen ihres neuen Albums „Leben am Limit“, das am 2. Juni erscheint, gehen Juju und Nura auf Tour, die sie auch am 23. Oktober nach Wien ins Flex Café und tags darauf in den Posthof Linz führt. Auf der ersten Single ihres Albums geben sich die beiden gewohnt selbstbewusst, sparen nicht mit vulgären Ausdrücken und Seitenhieben auf die männerdominierte Rapszene. Sie sind wieder da!

Und in der Nacht hab ich von Yüksel geträumt
In meinem Traum war ich türkisch, er deutsch
Er war auf der Hüpfburg, aber ganz allein
Irgendwie tat er mir leid

Viel ruhigere und nachdenklichere Töne gibt Sookee von sich, wenn sie auf einem Beat von Danger Dan und Riffsn über die Grenzen kindlicher Vorstellungskraft rappt. Warum ist der Sitznachbar Yüksel auf einmal so fremd geworden? Wie entwickelt man seinen eigenen Charakter unter der Obhut von Nazi-Eltern? Wie kann man als Kind am eigenen Willen festhalten? All das thematisiert die Berliner Rapperin auf „Hüpfburg“, der dritten Videoauskopplung nach „Q1“ und „Queere Tiere“ aus ihrem aktuellen Album „Mortem & Makeup“ – in einem für Deutschrap bisher einzigartigen Video mit Pappmaché-Menschen. Am 12. Mai ist Sookee übrigens live in der Grellen Forelle in Wien zu sehen.

Haiyti liefert dieses Jahr konstant Output – nach ihrer Powerwoche, in der sie die „Jango“-EP und „White Girl mit Luger“ releast hat, folgte kürzlich ihr neues Mixtape „Follow mich nicht“. Bewegte sich die Rapperin mit der „Toxic“-EP in Richtung Emotrap, so könnte man sagen, sie wechselt mit ihrem aktuellen Video auf die Screamotrap-Spur. Textlich hält sie sich kurz und prägnant, der Beat kommt von AsadJohn, der auch bei der letzten EP als Produzent fungierte. Nicht nur Reifen sind bei ihr am Durchdrehen, auch die Rapperin selbst zeigt sich pretty-loco. Back auf der Motorhaube, die ein wiederkehrendes Element in ihren Videoproduktionen darstellt, zeigt sie in ihrem neuen Video „I’m Pretty But I’m Loco“ ihre energetische Performance, die sie in der Vergangenheit auch in Wien schon live unter Beweis stellte. Abseits von den Bagel Brothers in Hamburg-Eimsbüttel ist Haiyti am 10. Juni in Wien bei der 20-Jahr-Feier von The Message zu sehen – gemeinsam mit Trettmann, Juicy Gay und vielen mehr.

Zwar kein Deutschrap, aber straight outta Vienna: Yourgirllacy mit neuem Video. YGL bereichert die heimische Musiklandschaft mit einem zweiten Musikvideo voller wavigem Soul. Sie verbindet wavige HipHop-Beats und stimmlichen Soul zu einer einzigartigen Mischung.

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