Mut zum Anderssein: Vetements x Reebok

Vetements

Der Hype ist real: Vetements

Der Schönheitsbegriff ist ein zutiefst subjektiver – und ob dieser auf die Kollektionen des Pariser High-Fashion-Labels Vetements zutrifft, gilt als umstritten. Weite Jogginganzüge, kombiniert mit Latex-Overknees, Hoodies in Übergrößen mit Gothic-Schriftzügen (beziehungsweise mit jenem der Polizei) oder Baggyhosen, die mit einem Hauch von Sado-Maso-Studio kombiniert werden. Nein, schön ist das nicht. Aber unfassbar aufregend, was das Team rund um den Maison Margiela und Louis Vuitton erprobten Deutsch-Georgier Demna Gvasalia, das nun auch Unterstützung von Ex-Margiela-Designerin Nina Nitsche bekommt, kreiert. Mit unerschrockenem Mut zur Hässlichkeit und einem Faible für post-sowjetische Gefühlswelten, deren Geist über die Kollektionen schwebt, schaffte Gvasalia nicht nur den Sprung an die Modespitze. In Gvasalia will die Modewelt vielmehr gar ihren neuen Messias gefunden haben. Einem, dem zugetraut wird, in der schnelllebigsten aller Branchen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Mit seinen Arbeiten als neuer Creative Director von Balenciaga konnte er diese hohen Erwartungen bisher ebenso erfüllen wie mit seinem Stamm-Label Vetements, das sich mittlerweile sogar eine Absenz bei der Pariser Fashion Week leisten kann.

Ein besonderes Charakteristikum von Vetements besteht in ausschweifenden Kooperationen mit anderen Labels. Zuständig dafür Demnas Bruder und Vetements-CEO Guram Gvasalia. Für die Haute Couture Paris im Juli 2016 präsentierte Vetements Zusammenarbeiten mit 18 (!) verschiedenen Labels – angefangen von Alpha Industries über Levi’s bis hin zu Reebok. Nachdem die Kombination aus Reebok-Jogger (mit dem alten Logo) und Manolo-Blahnik-Overknees für große Furore sorgte, kollaboriert Vetements ein weiteres Mal mit dem urprünglich britischen Sportartikelhersteller. Objekt der jüngsten Zusammenarbeit: der Reebok Pump Supreme. Der Grundgedanke von Vetements, verfestigt im Reiz, vorgefertigte Muster zu dekonstruieren, kommt auch in dieser Kollaboration zum Vorschein. Mit einem Ergebnis, das durch ungewöhliche Schlichtheit besticht. Keine Frage, Vetements hat hiermit alles richtig gemacht. Wie auch Reebok, ein Unternehmen, das sich gerade in der Umstrukturierung befindet und mit Vetements sicher die Umsätze ankurbeln kann. Dürfte auch der Mutterfirma Adidas gefallen. Wer sich diesen Sneaker sichern will, sollte den Dover Street Market in New York, London oder Tokio aufsuchen. Das nötige Kleingeld ist natürlich Voraussetzung – Anderssein hat schließlich seinen Preis.  

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