Eine traditionell erstklassige Show // Talib Kweli live

Talib Kweli
Talib Kweli in der Grellen Forelle by Moritz Nachtschatt

Etwa zwei Wochen nach einem suboptimal abgelaufenen Konzert in Antwerpen hat Talib Kweli in Wien die Möglichkeit, bei weitaus besseren Rahmenbedingungen für eine vorweihnachtliche Bescherung zu sorgen. Die Grelle Forelle ist noch nahezu menschenleer, als das temporär zum Trio geschrumpfte Support-Quartett Huhnmensch & der Böse Wolf die abgedunkelte Bühne betritt. Da DJ Stanley Stiffla krankheitsbedingt ausfällt, ersetzt ihn Rapper und Produzent Emil F. an den Decks. Die drei tierischen Lokalmatadoren möchten der Mini-Crowd unbeirrt mit ihrer kürzlich releasten EP „Tiere sind cool“ einheizen – wie ein Dönerspieß dem geopferten Federvieh. Nachdem bei den ersten Tracks pure Tristesse herrscht, lockert sich die Stimmung erstmals bei „Fuck The Mall“ auf, wobei interessanterweise auch kurz das Instrumental zu „I Can Do No Wrong“ von Guilty Simpson & Apollo Brown zum Vorschein kommt. Es folgt mit „Stadtkind“ und „Fritteusen aus der Zukunft“ weiteres EP-Material, ehe Huhnmensch („Beton„) und der böse Wolf („Hackebeil Hank“) Solo-Nummern bingen. Zum Abschluss des routinierten Auftritts besudeln alle Beteiligten gemeinsam die ominöse „Seestadt“. Während Emil F. noch einige US-Tracks auflegt, widmen sich seine animalischen Freunde dem offensiven Plattenverkauf.

Huhnmensch & der Böse Wolf

Im Zuge einer kurzen Pause füllt sich die Grelle Forelle rasant und Talib Kwelis DJ fängt im richtigen Moment mit einem kleinen Set an, ehe die Rap-Legende aus Brooklyn die Bühne betritt. Kweli sorgt noch für leichte Adjustierungen im Tonbereich und findet letztlich neben einer hervorragend abgestimmten Soundanlage auch ein motiviertes Publikum vor. Seine Show startet mit den Tracks „Listen“ und „Rocket Ships“. Dem gut gelaunten Rapper fällt schnell auf: „Yeah, here in Vienna you like that hardcore shit.“ Nach dem furiosen Start wird es jedoch ruhiger, denn Talib Kweli widmet sich anschließend – unter anderem mit „Never Been In Love“ – sanfteren Tönen. In weiterer Folge legt er häufig Pausen zwischen den einzelnen Tracks ein, die er für medleyartige Sequenzen nützt. Einige davon dienen als Hommagen – etwa an J Dilla und Phife Dawg – andere widmen sich dem „Oldschool-Shit“ sowie einigen Wegbegleitern wie Madlib oder Mos Def.

Talib Kweli

Talib Kweli genießt die Zeit auf der Bühne sichtlich und bekommt vor allem für seine Reflection-Eternal-Tracks wie „In This World“ immer wieder reichlich Zwischenapplaus. Der MC interagiert stetig mit dem Publikum und zeigt darüber hinaus, dass er auch als Comedian Talent hätte. Neben zu leise beziehungsweise falsch mitgegrölten Parts fällt ihm auch eine besonders freizügig auftretende Besucherin auf, die er in sympathischer Manier veräppelt. Als Highlight des Abends holt er mit Rapadura einen brasilianischen Gast auf die Bühne, der ihn bei einer portugiesischsprachigen Hook unterstützen soll und Sprachbarrieren zum Trotz trocken kommentiert: My langauge is music“. Gemeinsam reißen die beiden für einen Track ab, der Bühnengast kann dabei auch seine Rap-Skills unter Beweis stellen und erntet verdienten Applaus. Es folgen Black Stars „Definition“, „Lonely People“ und eine ausgedehnte Reggae-Einlage. Der Abend neigt sich langsam seinem Ende zu und Talib Kweli verabschiedet sich mit „Get By“. Nach lautstarken Forderungen einer Rückkehr kommt der Rapper der Bitte nach und sorgt mit „Going Hard“ sowie „The Blast“ für den Schlusspunkt.

Fazit: Obwohl sich seine Europa-Tour langsam dem Ende zuneigt, wirkt Talib Kweli – zumindest auf der Bühne – noch immer ziemlich fit und motiviert. Er liefert einen abwechslungsreichen, energischen Auftritt, ohne sich ganz zu verausgaben und profitiert dabei von den günstigen Rahmenbedingungen. Danke an Beat The Fish für das Booking von Talib Kweli, sein Besuch hat sich wieder einmal gelohnt.

Weitere Fotos vom Konzert:

Huhnmensch & der Böse Wolf

Huhnmensch & der Böse Wolf

Huhnmensch & der Böse Wolf

(c)M.Nachtschatt-4614

Talib Kweli

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Fotos: Moritz Nachtschatt
Text: Simon Nowak

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