Ekstase mit Licht und Schatten // T-Ser live

T-Ser
T-Ser live im 21er-Haus – leider nur in Handykamera-Qualität.

Mit dem im Souterrain des traditionsreichen 21er-Hauses gelegenen Pop-Up-Club hat T-Ser einen interessanten Ort ausgewählt, um die Veröffentlichung seiner jüngsten EP „Gang oder gar nicht“ zu zelebrieren. Während ab Mitternacht stetig Besucher eintrudeln, startet der Salzburger DJ Enemy das erste Lituation-Event. Die Gäste zieht es dabei noch verstärkt in den terrassenförmigen Außenbereich des auffälligen Gebäudes, das zwischen dem Wiener Hauptbahnhof und dem Arsenal steht. Nachdem in der schicken Halle zunächst Acts wie Migos oder Three Six Mafia ertönen, legt T-Ser gegen zwei Uhr mit seiner Show los. Er bekommt auf der Bühne Unterstützung von etlichen Kollegen aus dem Divmond-Music-Umfeld. Erwartungsgemäß wird sein als Frage getarnter Aufruf – „Who is ready to turn da fuck up!?“ – mit euphorischem Gegröle quittiert.

Leider erweist sich der Sound als suboptimal. So erscheint das Mikrofon von T-Ser im Zusammenspiel mit den übersteuernden Boxen viel zu leise, weshalb die Texte zunächst nur schwer zu verstehen sind. Nachdem er sein Set mit dem EP-Intro „N.W.A.“ startet, entschuldigt sich der Rapper auch für die „störartigen Rückkoppelungen“. Die technischen Turbulenzen ebben zwar mit Fortdauer der Show ab, doch ganz rund wirkt der Sound nie. Höchste Priorität hat aber ohnehin das Pushen der Crowd, schließlich ist der Auftritt als Clubgig konzipiert. Tiefgründige Nummern à la „Hustle Hard“ oder „Affirmative Action“ sollte man sich in dieser Nacht also nicht erwarten, sie wären neben den mit verstärktem Autotune-Einsatz gespielten Club-Bangern sowieso deplatziert.

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Im Turn-up-Modus bietet der Wahl-Wiener die acht Nummern der soeben releasten, komplett von Jerry Divmond produzierten EP, dar. Dazwischen wirft er immer wieder Free-Tracks ein, die er in den vergangenen Monaten herausgebracht hat. Zeitweise lässt er dabei sein außerordentliches Talent aufblitzen, doch letztendlich feiert T-Ser mit seiner Crew in erster Linie eine Party, bei der allem Anschein nach nur nebenbei gerappt wird. Einige der Bühnenkollegen mutieren temporär zu Featuregästen. Prograss-Rapper Delinquent überzeugt etwa durch eine engagierte und technisch saubere Performance. T-Ser meint dazu anerkennend: „You actually killed that shit!“ An dieses Level kommen die restlichen Gastmusiker nicht heran. Ce$ar, bekannt aus dem „Marijuana„-Video, fällt bei der Darbietung von „Guapo“ hauptsächlich durch gejohlte Laute auf, was stark am Nervenkostüm nagt. Auch Geburtstagskind Young Divmond schreit energiegeladen, aber eben in wenig versierter Manier ins Mikrofon. Dadurch lässt sich die Divmond-Gang jedoch nicht aus der Fassung bringen – die Beteiligten hüpfen munter herum und sorgen für Heiterkeit. Zumindest auf der Bühne, denn die ausgelassene Stimmung greift nur phasenweise auf die Crowd über.

Fazit: Da die Releaseparty von „Gang oder gar nicht“ als Clubshow konzipiert war, ist T-Ser seinen Auftritt ziemlich ekstatisch angegangen – das Feiern hatte offenbar die höchste Prioriät. Seine Bühnenkollegen konnten in zwar in qualitativer Hinsicht kaum zur Show beitragen, haben sich jedoch voll verausgabt und stets versucht, die Besucher zu motivieren. Komplett überspringen wollte der Funke aber nie, was zum Teil auf den dürftigen Sound zurückzuführen ist. Eine durchwachsene Show also, die in eine ausgelassene Fete eingebettet wurde.

Am 10. Juni ist T-Ser im Rahmen von „20 Years The Message Magazine“ erneut live zu sehen.

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