Suff-Life, neu interpretiert // Suff Daddy & The Lunch Birds live

Suff Daddy & The Lunch Birds (Fotos: Niko Havranek)

Mittwochabende im B72 bleiben einem meist als gute, aber mäßig besuchte Konzerte in Erinnerung. Scheinbar braucht es etwas Besonders abseits der üblichen HipHop-Konzerte, um die Leute zum Fortgehen zu bewegen – das wurde am gestrigen Mittwochabend überraschend geschafft. Produzent Suff Daddy hat eine kleine Liveband, bestehend aus Hendrik Stiller von The Ruffcats am Keyboard und TrommelTobi vom Kollektiv Long Lost Relative am Schlagzeug, um sich geschart, während er sich selbst an Synthesicer und MPC austobt. Eine Kombination, die es in der Form eher selten zu sehen gibt (im Interview mit DJ Werd gibt es genauere Infos zum Entstehen des Projekts). Während ein Gespann aus Rapper und Liveband bisweilen schon Einzug auf dem Splash!-Festival gefunden hat oder bei manchen Künstlern gar nicht mehr wegzudenken ist, stehen Produzenten eher selten im Rampenlicht.

Nachdem zuvor Trishes, unter anderem bekannt durch den Radiosender FM4, die bereits versammelte Menge etwa eine Stunde unterhält, betritt Suff Daddy mit seinen Lunch Birds und einem Haufen Equipment überpünktlich die Bühne. Was gleich beim Intro auffällt, ist die bessere Soundqualität im B72, was vermutlich an der geschlossenen Türe liegt. Bereits jetzt ist die Location ziemlich voll und die Crowd wirkt motiviert und gespannt auf den Abend. Erfreulicherweise spielt das Trio nicht nur Tracks vom aktuellen Album “Birdsongs”, sondern performt auch Beats aus der mittlerweile recht umfangreichen Diskografie von Suff Daddy und seinen Nebenprojekten wie den Betty Ford Boys. Als eines der Highlights kann besonders der überraschende Auftritt von The Unused Word hervorgehoben werden, die erst tags zuvor als Supportact bei Akua Naru war. Nach über 1,5 Stunden und einer Zugabe in Form von “Über Liebe“, einem der bekanntesten Beats von Suff Daddy, endet das Konzert auf ähnlich unscheinbare Weise, wie es angefangen hat und die Besucher scheinen vollends zufrieden.

Fazit: Man merkt, welch eine Arbeit hinter dem Projekt steckt. Drei professionelle Musiker interpretieren die Diskografie Suff Daddys neu, analog und live, ohne dabei etwas vom Flavour der Originalwerke zu nehmen, sondern ihnen eine eigene Note zu verleihen. Dass Suff Daddy kein Mann der großen Worte ist, war schon vorher bekannt. Das merkt man an den obligatorischen Einwürfen zwischen den Tracks – er lässt lieber die Musik für sich sprechen und das kann er definitiv. Das Publikum ist für einen Mittwochabend außerordentlich zahlreich und motiviert, was auch bei einem Eintrittspreis von 20 Euro nicht selbstverständlich ist.

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