Familiäre Atmosphäre & “ein erlesenes Publikum” // Skero live

Skero

Skero im spärlich besuchten Flex Café

Zugegeben, ein kalter, verregneter Sonntagabend verleitet nicht unbedingt zu einem Konzertbesuch. Dann doch eher zur ritualisierten, das Wochenende beendenden TV-Routine mit Tatort, Im Zentrum, Fußball oder American Football. Ein weiterer demotivierender Faktor sind die gelinde gesagt etwas hoch angesetzten 20 Euro für den Eintritt, schließlich spielt Skero auch regelmäßig bei Events wie dem Donauinselfest oder dem Popfest Wien, die gratis besucht werden können. Dennoch kommt es überraschend, dass bei seinem großen Solo-Auftritt selbst das kleine Wiener Flex Café erschreckend leer ist und höchstens 50 treue Heads erschienen sind.

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Gegen 21 Uhr findet sich der ohne Voract auftretende Skero mit der äußerst dürftigen Besucherzahl ab und bewegt sich Richtung Bühne. “Ein erlesenes Publikum”, merkt er mit einem schelmischen Grinser an. Skero bekommt Unterstützung von DJ Chrisfader und spielt zunächst vor allem Tracks seines im vergangenen Jahr erschienenen Albums “Der Riese im Glashaus“. Der groß gewachsene Rapper bringt schon früh “Kopf im Gnack“, wobei er auch in etwas holpriger Manier den Part des zweiten Riesen Monobrother übernimmt, der „für irgendwas lernen muss“. Das Lulatsch-Image passt an diesem Abend besonders gut, schließlich reicht der Kopf des falschen Wieners fast bis zur Bühnendecke. Beim Springen ist also Vorsicht geboten. Auf “Halli Galli” folgt “Dekadance“, wobei sich die Stimmung endgültig auflockert. Leider fehlt Featuregast Crack Ignaz aufgrund eines Termins, doch Skero wagt sich überraschend souverän und mit einem ambitionierten Versuch, den Salzburger Dialekt nachzuahmen, über seinen Part. Einige Besucher können sich dabei das Schmunzeln nicht verkneifen.

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Der “Künstler” widmet sich nun vermehrt seinem Solo-Debüt “Memoiren eines Riesen”, wobei er den Start seines Charterfolges “Kabinenparty” ordentlich verhaut. Angeblich spielt er den Track gar nicht oft live. Immerhin klappt es im zweiten Anlauf – nach einem kräftigen Schluck Wieselburger – besser. Skero betont anschließend, dass er “ned nur dumme Songs” macht, worauf ein Besucher mit “sondern a blede” kontert. Nach ausgedehntem Gelächter sowie dem Song “Stur” leitet das ehemalige Texta-Mitglied mit der Frage, wer denn aller suizidverdächtig ist, auf “Wien Suizid” ein. Schnell wird klar, dass es auch Featuregast Kamp nicht an den Donaukanal geschafft hat. So bleibt auch mit zunehmender Fortdauer des Auftritts die Frage offen, wer denn der einige Tage vor dem Konzert angekündigte Special Guest sein soll. Wer, wenn nicht Crack Ignaz, Monobrother oder Kamp? Etwa Chrisfader? Eine herbe Enttäuschung, die man natürlich nicht dem sympathischen Tiroler DJ anlasten darf.

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Skero ist dennoch sichtlich bemüht, das Beste aus der Situation zu machen. Er präsentiert sich aktiv, gut gelaunt und findet es „schee, dass do seids“. Zwar schleichen sich im Laufe seines Konzerts immer wieder Fehler ein, doch die familiäre Atmosphäre und die passende Dosis Schmäh und Selbstironie lassen diese schnell wieder vergessen. Gegen Ende des Konzerts kündigt Skero ein Video zum Track “Pistenkanone” an, das am Mittwoch im Schikaneder seine Premiere feiern wird. Nach etwa einer Stunde verlässt er schließlich die Bühne, um noch einmal kurz für “Gfrei Di” und den Texta-Klassiker “Nachtmensch” zurückzukehren. Die Crowd fordert zwar weitere Zugaben, doch Chrisfader sorgt für das endgültige Ende des Auftritts: “Mia san leer und spün sicher koa Nummer zwoa Mol. Desch wär jo whack. Ihr miassts auf a Texta-Konzert gehn”.

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Fazit: Ein durchwachsener Abend, was jedoch nur bedingt an Skero selbst liegt. Schließlich hat er eine sehr persönliche Show abgeliefert und damit für gute Laune sowie eine angenehme Atmosphäre in der kleinen Crowd gesorgt – Sympathie statt Quantität. Abgesehen von der schwachen Besucherzahl hat auch das mangelnde Rahmenprogramm für einen fahlen Beigeschmack gesorgt. Ohne Voract sowie den angekündigten Special Guest war der hochpreisige, gut einstündige Auftritt von Skero einfach zu dünn.

Weitere Fotos vom Konzert:

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Text: Simon Nowak // Mitarbeit: Valentin Gatol // Fotos: Niko Havranek

 

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