Podcast Session N°131 – Der Redaktions-Jahresrückblick

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Illustration: Florian Appelt

Alle Jahre wieder. – Halt, stimmt nicht. Das erste Mal überhaupt treffen sich einige “TheMessage“-Mitglieder zum (völlig subjektiven) Plausch über das Jahr 2015. Ich freue mich sehr, heute in der Podcast Session Ausgabe Nummer 131 Wanja, Colin, Jeremie und Simon zu begrüßen.

Wir wünschen einen guten Rutsch ins neue Jahr.

(taktiker)


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Shownotes:

00:58 – Lüge, nicht die ganze Redaktion ist da
01:07 – Colin ist noch nicht bereit
01:18 – Aber die Schalte nach Wien steht
01:48 – Colin ist jetzt auch dabei!
02:29 – Wie kommt ein Hamburger (Colin) zu TheMessage?
03:05 – Laas Unltd. war sein erstes Review
04:23 – Genickbruch.com was is’n das?
06:15 – Wanja ist edHardygirl14. Warum nur?
08:00 – Neue themessage.at-Homepage in der Mache
08:55 – Wanja will auch releasen, aber nichts mit HipHop
09:00 – googlet: die Schönbrunner Gloriettenstürmer
10:05 – Weihnachtsfeier bei The Message
10:32 – Jeremie, Servus
11:21 – Hipwoch Campusradio
12:43 – Statt Zivildienst für TheMessage schreiben
13:01 – Bewirb Dich doch
13:52 – Der Simon, ein Neuling. Hallo
15:07 – Sendemast-Interview, das war er
15:55 – Nepumuk – Genozid ist toll.
16:31 – Simon schrieb auch schon für Dailyrap
17:10 – Jeremie und Wanja waren bei R.A. The Rugged Man
17:34 – Merke: Ist die Decke niedrig, wird das Konzert bombastisch
18:44 – Just for The Record mit Mr. Green folgt. Interviews ebenso
19:44 – Jeremie besuchte auch ein Yung Hurn-Konzert
20:35 – Cloud Rap, das Thema
21:33 – Kunst auf einer ganz anderen Ebene
22:17 – Ist das so was wie Moneyboy?
22:46 – Sie sind alle anders. Auch Lgoony zum Beispiel
22:54 – Crack Ignaz darf nicht fehlen
23:12 – Young Lean ist auch nochmal ganz anders
23:25 – Welches Publikum besucht solche “Events”?
24:51 – Wie geht man als Redakteur auf Konzerte?
25:37 – Man trinkt weniger
26:05 – Zurück zu Cloudrap
27:38 – Verrückte Leute im Interview
30:00 – Was man in Hamburg zu Cloud Rap sagt
31:20 – In Wien gibt’s noch mehr als Moneyboy
32:39 – TheMessage und das Ananas-Ding
33:23 – Musikbewertung… Sinnvoll?
35:23 – Puff Daddy ist zurück
36:35 – Colins Album des Jahres 2015 kommt aber von jemand anderem
38:09 – Credibil der Storyteller
38:51 – Appletree is back
40:00 – Dreistil Freestyles
42:12 – Veranstaltungen organisieren ist nicht ohne
42:46 – Amirbeatz ist engagiert. Cooles Interview
44:15 – Taktiker mag Dekadance
45:05 – Wanja mag Kendrick Lamar
46:11 – Grime-Szene (London Suburbs)
47:25 – To much reviews for the head
49:00 – Colin mag Antilopengang
50:06 – Mac Miller läßt Herzen höher schlagen
52:14 – Colin hat hohe Erwartungen an Prinz Pi
53:10 – Joey Bada$$ war ein Live-Monster
54:50 – Simon wurde enttäuscht von ASD
55:40 – aber freut sich auf mehr von Muther Manufaktur

Kleiner Rückblick aller Beteiligten:

Wanja Bierbaum (edHardygirl14)

Ein krasses Jahr für HipHop – ob im deutschsprachigen Raum wie auch international. Es kamen fast zu viele gute Releases, um sie hier alle aufzuführen. Doch meine größten Highlights aus den USA waren wohl Yelawolf, Sadistik x Kno, Boogie, Oddissee, Kendrick und Nickelus F & Shawn Kemp. Wobei die Briten dieses Jahr auch saftig mit JME, Little Simz und Danny Seth geliefert haben – obwohl das Kwabs-Album eher eine Enttäuschung war. Die Rückkehr der FFM-Azzlackz-Rappers Hanybal hat mich extrem positiv überrascht, was neben den 187 Straßenbande Releases (Obststand bleibt mein Favorit! FREE LX!) und Xatars „Baba aller Babas“ zu meinem Lieblingsalben des Deutschen-HipHop-Jahres gehört. Die größte Überraschung war für mich persönlich aber Crack Ignaz – die Kirsche auf dem Sahnehäubchen kam dieses Jahr aus Österreich.

Simon Huber (SH)

2015 sind, nach ein bisschen intensiverer Recherche, so unglaublich viele gute Alben und EPs erschienen, die irgendwie zwischenzeitlich in der Flut an Releases und persönlichen Umstrukturierungen in meinem Leben untergegangen sind. Wie erwartet haben mich die Releases von Cr7z („7 Weltmeere“), Fatoni & Dexter („Yo, Picasso!“), Morlockk Dilemma („Der eiserne Besen 2“), Audio88&Yassin („Normaler Samt“), Prezident (& Kamikazes) („Handfeste“ EP und „Leiden oder Langeweile“), Zugezogen Maskulin („Alles brennt“), Gold Roger („Räuberleiter“), Beppo S. & Peter B. („Still&heimlich“) und Johnny Rakete („Das Leben, das Universum und der ganze Rest“) am meisten überzeugt. Darüber hinaus würden wahrscheinlich alleine die Releases aus dem Sichtexot-Umfeld den Rahmen sprengen – „Nepuman“ von Luk&Fil, das Soloprojekt von Nepumuk namens „Genozid in a-Moll“, sowie „Mit Kanonen auf Spatzen schießen“ von eloQuent & Hulk Hodn sollten an dieser Stelle genügen.
Meine persönlichen Überraschungen des Jahres waren K.I.Z. („Hurra die Welt geht unter“), LGoony („Grape Tape“), Schote („Neue Bars Sued“ EP) und Mase („Der Spliffmeister“).
Ebenfalls hörenswert: Keno – Paradajz Lost, Juse Ju – Angst & Amor, SVRL – Morbus Vintage, Mister Jones & bumblino – Arm, aber glücklich, Zetta & Der Benman –  Beton Asphalt, High Risk Area – HRA LP, Torky Tork & doz9 – T9, dude26 – Zimmer26, GALV – Ogyarre, Futschis –  Beats und Bratfanne, Grim Inc. –  Grim Inc, Scu –  Der alte Mann und das Flair, LUX –  L.U.K.A.S., Grasime & Nino El Dino – P L A T Z, Nugat – Beats x Beer x Green EP, yano2d &versone – Erker

Jeremie Machto (JM)

Mit Jahresende beginnen die Jahresrückblicke und somit auch die (vor allem bei Künstlern) allseits beliebte Einordung/Namensgebung/Schubladisierung des Erlebten. Dies passiert natürlich ausschließlich, um alle Künstler über einen Kamm zu scheren (Witz), aber auch um Geschehnisse greifbar und für Außenstehende verständlich zu machen. Somit lässt sich für mich das Jahr in drei Strömungen/Subgenres unterteilen, die es musikalisch für mich besonders geprägt haben.

Erstmals möchte ich auf eine Strömung eingehen, die dieses Jahr – auch den Mainstream – dominiert hat und wohl am leichtesten „einzuordnen“ ist – auch wenn hier durch den steigenden Einsatz von Selbstironie die Subgenre-Grenzen verschwimmen: Straßenrap. Dieser war sowohl kommerziell sehr erfolgreich, aber auch künstlerisch offenbarten sich uns dieses Jahr einige Geniestreiche. Für mich (das heißt persönlich = subjektiv – WARNZEICHEN) war einer der Lichtgestalten ganz klar XATAR. Er ist das, was SSIO letztes Jahr war, in weniger textversiert, aber um einiges imposanter. Auch die Erfolge und Produkte der 187 Straßenbande können in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben.

Etwas schwerer einzuordnen ist da eine Fraktion, die mit treffenden Punchlines, Wortwitz und politischen Inhalten mein HipHop-Jahr 2015 geprägt hat. Ich nenne das Genre – als Mittel zum Zweck – grob: „linkspolitisch-unkorrekter Conscious-Rap“. Vertreter, die mit ihren jeweiligen Alben dieses Jahr Maßstäbe gesetzt haben sind Zugezogen Maskulin (mit „Alles Brennt“), Audio 88 & Yassin (mit „Normaler Samt“) und natürlich die Urväter des Ganzen: KIZ (mit „Hurra die Welt geht unter“).

Nun kommen wir zur letzten Strömung, in der sich die verschiedenen Charaktere in ihrer Schublade überhaupt nicht vertragen. Aber gut, dass mir einer von ihnen bei Arte-Tracks eine passende Definition liefert: „ein Ästhetik/Sound-Gewülst“, von der Lügenpresse prompt als „Cloud-Rap“ bezeichnet, wobei der eigentliche Cloud-Rap kaum etwas mit der Musik derer zu tun hat, die hier gemeint sind. Aber wer ist denn nun gemeint? Konkret für dieses Jahr sind es Lgoony und Yung Hurn. Im erweiterten Sinne noch Crack Ignaz, wobei diese drei Charaktere – und überhaupt alle in diesem Kosmos bzw. Gewülst – so verschieden sind und so verschieden(e) Musik machen, dass man sie kaum vergleichen kann. Und genau das ist das Interessante an allem, was in diesem Bereich stattfindet: Es ist schwer (be)greifbar, was daran jetzt cool ist oder nicht, für manche ist es das gar nicht. Dabei ist dieses Gewülst wie eine gute Pointe: Wenn man sie erklären muss, dann funktioniert sie nicht. Und derjenige, dem man sie erklären muss, sollte die Finger davon lassen (und aufhören rumzuheulen).

Ob diese ausgewählten Begriffe für die vermeintlichen „Subgenres“ jetzt halten, sei dahingestellt. Die Frage nach zusammenfassenden Begriffen für einen gewissen Künstler- oder Soundpool wird sich immer wieder stellen, bei Jahresrückblicken ist sie ganz nützlich. Sonst hätte ich hier einfach alle Namen von Künstlern, die ich gefeiert habe, hier aufzählen müssen wie Ali As, Fatoni & Dexter, Kendrick Lamar, MoTrip, Mac Miller, Nekfeu, Figub Brazlevic + alle oben genannten und noch ganz viele mehr, an die ich mich nicht erinnere. Denn egal, was oder wie man über dieses Jahr berichtet, eines ist sicher: Wir haben Unmengen an fettem HipHop serviert bekommen! 2016 kann kommen.

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