Pimf – Memo

Heart Working Class/VÖ: 19.06.2015
Heart Working Class/VÖ: 19.06.2015

Der große VBT-Hype ist schon seit zwei Jahren vorbei und seitdem haben diverse ehemalige Teilnehmer des Turniers ihr Glück außerhalb des Battleraps gesucht. So richtig überzeugen konnte dabei leider bei Weitem nicht jeder. Mit Pimf versucht nun ein weiterer Ex-VBTler sein Glück. “Memo“ heißt sein Debütalbum, und die im voraus veröffentlichten Videos wussten großenteils zu gefallen und steigerten meine ohnehin schon nicht geringe Erwartungshaltung und, so viel kann ich schon vorwegnehmen, “Memo“ hat mich nur an wenigen Stellen enttäuscht. Ein Grund, weshalb dies so ist, stellt Pimfs sichere, aber im HipHop so seltene Mischung zwischen Coolness und Emotionen dar, welche keineswegs aufgesetzt wirkt. Dabei widersprechen sich diese zwei Attitüden beim 21-jährigen Rapper. Auch den Kontrast zwischen melodischeren Beats und HipHop meistert er meistens gut, denn schon im Intro macht er klar, dass er durchaus eine starke Verbindung zum Genre besitzt: „Auch wenn es etwas melodischer wirkt, bin ich komplett Deutschrap sozialisiert.“ (Pimf – “Intro“), oder “Ich sehe nicht so aus, aber ja ich bin Rap holla.“ Dies wird dann noch stimmig durch Samples untermauert. Allgemein werden diese auf dem Album stets sinnvoll verwendet und werten damit die jeweiligen Tracks auf.

 

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Der Track “Sillus & Jamal“ beschäftigt sich ebenfalls mit der HipHop-Thematik. Dort erzählt Pimf von zwei Männern, die die Kultur leben, indem sie kiffen und sprühen, doch Letzteres gefällt natürlich der Polizei nicht. Dazu meint der Ex-VBTler: „Nur weil sie HipHop leben, sind sie keine schlechteren Menschen.“ Diese Auseinandersetzung mit der so kontroversen Graffiti- und HipHop-Kultur stellt, weil es in sich so verdammt schlüssig ist, ein wahres Highlight des Albums dar, doch auch andere Hochkaräter befinden sich auf “Memo“. So erzählt er in “Philadelphia“ über das Gefühl, mal weit wegreisen zu wollen und vermittelt jenes derart gut, dass Gänsehaut eigentlich schon vorprogrammiert ist. So zeigt Marq Figuli, dass man ihn, wenn es um atmosphärische Produktionen geht, niemals unterschätzen sollte, doch die Lyrics harmonieren perfekt mit der genialen Vorlage des Producers:

Ich geh auf Nummer sicher, wenn ich kann
Jedes Jahr das selbe, Urlaub nur am Timmendorfer Strand
Denn was ich nicht kenn‘, find ich nicht interessant
Und diese Welt ist mir zu groß, ich fahr ein bisschen durch das Land
Ich will altbewährtes noch mal wiederholen
Das ist Bett, Schlaf und Rock’n’Roll, ist zu gemütlich hier
Doch eines Tages hab ich genug Geld gespart
Ich pack meinen Mut in einen Koffer und ich geh nach Philadelphia“ (Pimf – “Philadelphia“)

Dies alles wird dann noch durch eine simple, aber effektive Ohrwurmhook abgerundet. Als produktiver Rapper hat man oft wenig Zeit und diese ewig langen Nächte verarbeitet er in “Auf Achse“ und gemeinsam mit Mortis auch auf “Schlaflos“. Dies alles weiß durchaus zu überzeugen, auch wenn Mortis Bridge am Ende nicht so richtig mit dem restlichen Track harmonieren mag.

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Wie auf den meisten Alben überzeugt auch hier nicht alles, denn auch auf “Memo“ tauchen manchmal schlechtere Seiten auf. So gefühlvoll Pimfs Debütalbum auch ist, an mancher Stelle befindet sich sinnlose Phrasendrescherei. In “Horizont“ überzeugt der melodischere Sound gepaart mit folgender Hook kaum:

Wir treiben bis zum Horizont
Wir treiben bis zum Horizont
Wir treiben bis zum Horizont
Die Erde ist ’ne Scheibe und wir fallen“ (Pimf – „Horizont“)

Allgemein schwächelt Pimf zu Ende hin ein bisschen. Nicht wirklich schlimm, doch trotzdem ein bisschen ärgerlich. So wissen viele Hooks zu überzeugen, aber zu Ende geht auch auf dieser Ebene ein bisschen die Qualität verloren. Trotzdem bleibt ein starkes Debütalbum, dass zwar durchaus seine Schwächen mit sich bringt, doch die starken Songs überwiegen trotz allem deutlich. Ein Debüt, welches in dieser Form aus der Masse der Ex-VBTler-Alben sehr heraussticht. 

(CS)

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