Wasser am Siedepunkt // Mick Jenkins live

mick jenkins

Mick Jenkins spreads love @ Grelle Forelle.

In der abendlichen Kühle tröpfeln langsam immer mehr Menschen in Richtung Grelle Forelle. Den Startschuss vor der noch lückenhaften, teilweise ob Halloween geschminkten Crowd macht der neuseeländische Wahl-Berliner Noah Slee – mit einer Melange aus souligen und elektronischen Samples mit teilweise Baile-Funk-Elementen und solchen, die schon fast zu oft verwendet wurden, geht seine musikalische Reise etwas holprig voran. Noah schraubt einen Quilt aus bekannten Stücken wie Kendrick Lamars “Bitch, Don’t Kill My Vibe”, Frank Oceans “Thinking About You” und Flumes Remix von “Hyperparadise” zusammen, wobei sein Gesang leider oft nicht ganz am Punkt ist. Das mag in Zeiten von Chance The Rapper und D.R.A.M. gut auf Platte funktionieren, ist jedoch live eine ganz andere Challenge.

noah slee

Nach einem kleinen Luftholen betritt Mick Jenkins inklusive Drummer und DJ die Bühne. Über die fantastische Anlage der Forelle beginnt Jenkins mit einem Opener, der nicht mächtiger sein könnte: “Jazz“. Nach “Dehydration” und “Spread Love” vom aktuellen “The Healing Component“-Album hat die Stimmung ihren Höhepunkt erreicht – und dort bleibt sie. Durch den Druck, den die Live-Drums hinter die ohnehin schon fetten Beats legen, bleibt den Ohren keine Pause. Als dankbare Geste fliegt sogar ein kleiner J für den DJ auf die Bühne. Ansonsten ist die Devise: Drink more water!

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Der fast zwei Meter große Jenkins führt sympathisch mit bassiger Stimme durch seine Setlist. Zwar befinden sich – wenn man den Rufen Glauben schenken kann – sogar Fans im Raum, die seit dem “Mickstape” down mit dem Rapper aus Chicago sind, jedoch weist die Liste aus fantastischen Songs einige klaffenden Lücken auf. Mit “Perception” gibt es zwar einen kleinen Geschmack von der “Wave(s)”-EP, aber meine persönlichen Highlights “Alchemy” und das Kaytranada-assisted “Your Love” fehlten schon sehr. Mit “Jerome”, das auf Platte mit einem Feature-Part von Joey Bada$$ veredelt wurde, erreicht das Konzert seinen Höhepunkt – aber wo ist “Drowning“? Ernsthaft, er spielt die Lead-Single zum aktuellen Album nicht? Das ist eine harte Nuss. So bleiben auch viele Konzertbesucher vor der Bühne stehen, als das Licht schon angegangen ist. Er muss doch wiederkommen?! Tut er nicht.

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Fazit: Mick Jenkins gehört jetzt zu den Großen, so viel steht fest. Seine charakteristisch tiefe Stimme und sein einnehmendes Wesen – gekoppelt mit einer fantastischen Show – macht die eingefleischten Fans merklich glücklich. Und wer noch kein Fan war, ist es mit Sicherheit jetzt. Ein nahezu perfektes Konzert, das von kleinen Lücken in der Setlist und einer fehlenden Zugabe nur kaum merklich geschmälert wird. Der Herr des Wassers hat selbiges zum absoluten Siedepunkt in der Forelle gebracht – eine kochende und enorm begeisterte Menge hat dankbar mitgespielt.

Ein Interview mit Mick Jenkins findet ihr in Kürze auf themessage.at

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Fotos: Marlene Rosenthal // Text: edHardygirl14

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