Nordachsenkommando an der Elbe // MC Bomber & Shacke One live

MC Bomber
MC Bomber beim MS Dockville Festival, fotografiert vom Hamburger Fotografen Felix Wittich

MC Bomber ist auf Tour – und lässt Österreich mal komplett außen vor. Obwohl er Deutschland von Bremen bis München und auch die Schweiz auf seiner „Predigt“-Reise bespielt, schafft er es nicht in eine österreichische Stadt. Schade. In Hamburg ist die Show jedenfall ausverkauft, mehrere hundert Leute bahnen sich ihren Weg durch die katakombenartigen Labyrinthe im Waagenbau, einem ehemaligen Altonaer Waagenbau-Unternehmen unter der Sternbrücke. Das Macbook von DJ Ill O, der unter anderem auch schon Cuts für Morlockk Dilemmas und Hiobs „Kapitalismus jetzt“ gemacht hat, steht bereits provisorisch auf einem Becks-Kasten, als Support-Act Shacke One auf die Bühne springt und gleich mal loslegt. Mit Jacke in einem viel zu schlecht belüfteten Club hüpft der Berliner von einem Ende der Bühne zum anderen und bringt dazu mehrere Songs aus seinem Debütalbum „Stecks, Schmiers & Suff“ wie „Nettelbeckplatz“ oder „Der Hustle ist Hart“. Ohne viel Moderation zwischen den Songs spittet Shacke One einen Track nach dem anderen mit einem unglaublichen Flow, baut bei „Boss von der Panke“ ein A capella ein, und verkündet, dass er „Gangster Boogie“ mache. „Wat is schon dran an son Tach“ fragt sich Pint Eisenhart und tariert dabei perfekt das Verhältnis zwischen funkigen Beats und rohem Battlerap aus. Eine bessere Vorbereitung auf MC Bomber wäre nur möglich gewesen, wenn auch Westberlin-Kollege Mista Meta mit auf Tour gegangen wäre.

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Völlig unprätentiös schlendert schließlich MC Bomber auf die Bühne, mit Poloshirt und Handtuch um die Schulter sieht er eher aus wie ein BWL-Student am Weg zur Strandliege, denn als Unterschicht-Bärentöter des Prenzlauer Berges. Unaufgeregt, aber doch energisch spielt er hauptsächlich Nummern aus seinem Debütalbum „Predigt“, rappt über die „drei wichtigsten Dinge im Leben“ – feiern, fressen und fi*ken –, über Gewalt im Nahverkehr („Gewalttinder“) und die Gelassenheit der Seele („Missgunst und Neid„). „Ich hoffe, es sind keine Afrob-Fans im Publikum„, scherzt er und grüßt dabei Denyo, den er angeblich unter den Konzertbesuchern gesehen hat. Für den Flaschenpfandsammler-Track „Fleiß bei der Arbeit“ gibt es alle Mittelfinger für Menschen, die einer geregelten Arbeit nachgehen müssen, MCB erzählt lieber von seinem Berliner Lieblingsclub Sisyphos, dem kleineren und dreckigen Bruder des Berghains.

Für das letzte Drittel der Show gesellt sich schließlich noch Nordachse-Kompane Shacke One zu MC Bomber auf die Bühne, um die gemeinsamen Tracks wie „Taubensohn“ oder „Pullerschellenverteilas“ zu performen. Ching, Chang, Chong, da schnellen die Hände der Konzertbesucher durch die drückende Luft. Die zwei Berlin-Verliebten springen hemmungslos auf und ab, gestikulieren wild mit den Händen, heizen die Stimmung im Publikum weiter an. Bierfontänen spritzen auf die Gewölbemauer, das fast ausschließlich männliche und durchaus ältere Publikum erfreut sich an der ungestümen Art der beiden Rapper. Das wird auch Proletik-Chef Frauenarzt gefallen, der nach dem Konzert mit Bomber am Merchandisestand steht.  Nach „Versteckt die Töchter“ aus dem gemeinsamen „Nordachse“-Tape ist aber Schluss. „Wir müssen einfach mehr produzieren„, meint MC Bomber. Unter lauten Zugabe-Chören kommen Shacke One und MCB ein letztes Mal auf die Bühne, um die „D’n’B“-Nummer „Der Waldgang“ aus dem älteren „P.Berg Battletape #3“-Mixtape zu droppen. Letztes Wort vom selbst ernannten Ayatollah: „Hamburg, ich liebe euch. Ihr seid meine Lieblingshanseaten.

Fazit: Ungezügelte Energie vonseiten der beiden Berliner Boombap-Battlerapper, die einen ein wenig an die Anfänge der deutschen Untergrund-Battlerap-Ära erinnert: rau, roh, dreckig und manchmal ein wenig holprig im Flow. Obwohl man sagen muss, dass flowtechnisch Shacke One seinem Nordachse-Partner um einiges voraus ist: Vor allem a capella hat er gezeigt, dass er mit seinem gnadenlosen In-die-Fresse-Punches mit teilweise humorvollen Anleihen auf G-Funk-Beats zur Top-Liga der Live-MCs gehört. Auch das Publikum war feurig, textsicher und von den basslastigen Beats getrieben. Wenn nur der Sound besser gewesen wäre …

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Text: Julia Gschmeidler // Fotos: Felix Wittich
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