Mac Miller huldigt seiner Göttin auf Albumlänge // Review

mac miller The divine feminine
Mac Miller – The Divine Feminine (Warner Bros./VÖ: 16.09.2016)

Gott sei Dank gibt es Ariana Grande! Ein Satz, den man wohl nicht von vielen HipHop-Heads erwarten würde. Hat man jedoch vor Kurzem ins MacMiller-Album reingehört und in seiner Engstirnigkeit einen kleinen Platz für Romantik (und ein bisschen rosaroten Schmalz) gefunden, dann kann dieser Satz in Bezug auf „The Divine Feminine“ schon mal geäußert werden.

Seit er 15 Jahre alt ist, bringt der Pittsburgher mit relativer Konstanz Musik raus. Mit mehr oder weniger großem Erfolg, aber immer mit einem gesunden Stand an Relevanz. Den Durchbruch brachte ihm 2010 sein Mixtape „K.I.D.S.„, es folgten weitere Mixtapes, Alben, sogar eine Fernsehsendung und leider die szenetypischen Drogenexzesse, die ihn gefährlich nahe an den Abgrund brachten. Über diese Phase seines Lebens spricht er in einer ziemlich interessanten Mini-Dokumentation von The Fader, die das Phänomen Mac Miller weitaus verständlicher und nahbarer macht.


Zwar nahm der Konsum auf sein Privatleben Einfluss und sorgte für skurrile bis verstörende Home-Videos im Netz, seiner Musik tat das Ganze jedoch ziemlich gut. Ohne all diese Erfahrungen wäre es ihm weitaus schlechter gelungen, sich vom Image des weißen Wohlfühl-Vorstadt-Schulhof-Rappers zu entfernen und zu einem ernsthaften und respektablen Künstler zu werden. Plus: Das Mixtape „Faces“ und das hervorragende letzte Album „Good A:M“ wären nie passiert und vor allem hätte er nicht die emotionale Reife, sein aktuellstes Werk in dieser Form zu präsentieren: „The Divine Feminine“ ist eine Liebeserklärung auf Albumlänge, eine zehn Track starke Eloge, in der eine Arie an Ariana der nächsten folgt. Da ist es nur fair, dass die Besungene auch die einleitenden Worte des Albums über ihre exquisiten Lippen gleiten lässt. „The Divine Feminine, an album by Mac Miller“ flüstert sie erotisch ins Mikrofon. Gefolgt von der wunderschönen Klavier-Melodie, wird „Congratulations“ zum herzergreifenden Einstand eines Albums, das in weiterer Folge kaum an Emotion verlieren wird. Beim Hören muss einem klar sein, dass sich an der Themenlage nicht viel bis gar nichts verändern wird. Man muss sich auf das Album einlassen, so wie Mac Miller sich auf seine „Göttin“ einlässt. Heißt jedoch nicht, dass man auf gute Punchlines oder gar „Quotables“ verzichten muss.

Well, you can’t go away girl, I’mma need you
Play your games like they my ticket to an Ivy league school
Won’t get Hall of Fame dick from a minor league dude
I just eat pussy, other people need food

So wie auch im zweiten Track und dem eigentlichen Aufhänger des Albums: Gemeinsam mit dem großartigen Anderson .Paak (der die Hookline „I can’t keep on losing you“ eigentlich im Bezug auf den Tod geschrieben hatte), liefert Mac Miller einen poppigen Instant-Hit, der schon in der Promophase für ordentlich Zug sorgte und die Vorfreude aufs Album ziemlich hochgehen ließ.


Auch der anschließende Track „Stay“ lässt vermuten, dass Mac Miller hier ein tatsächlich herausragendes Album gelungen ist. Zum Schmunzeln bringen außerdem Lines wie „You’re so complicated, I swear that pussy’s Grammy-nominated“, die nicht offensichtlicher auf Ariana Grande zugeschnitten sein könnten. Zum kleinen Dämpfer wird jedoch der Track „Skin“, der trotz absoluter Smoothness nicht gefallen mag. Das ist aber – so sehr ich mich bemühe – der einzige Song, der für mich kein Replay-Potential hat. Wobei anschließende „Cinderella“ trotz (oder genau wegen?) der Ty-Dolla-$ignHook eines der Negativ-Highlights markiert. Gleich danach folgt aber der für mich stärkste Track (mit Njomza in der Hook) „Planet God Damn“, in dem Mac Miller auch den meiner Meinung nach besten Part des Albums rappt. Es ist nicht zu leugnen, dass das Ganze oft recht kitschige Formen annimmt, trotzdem ist es beeindruckend, wie Mac Miller (wie auch das ganze Produzententeam hinter „The Divine Feminine“) ein derart ausgelutschtes Thema so erfrischend gestalten kann. Und auch wenn es mal zu schmalzig oder gefühlsschwanger wird: Wer kann’s ihm verübeln, der Typ ist halt verknallt! Das letzte Drittel des Albums ist neben dem bereits Erwähnten gepflastert mit hochkarätigen Features: Auf „We“ gibt sich CeeLo Green die Ehre, Ariana Grande tritt neben ihren zahlreichen Beiträgen (einige Backing-Vocals und die einfache Tatsache, dass sie sowohl Grund, Motivation als auch Inspiration für „The Divine Feminine“ darstellt) auch ganz offiziell für das naheliegende Duett „My Favorite Part“ ans Mikro. Interessanterweise ist „My Favorite Part“ auch einer der wenigen Songs, bei denen Mac Miller — zwar äußerst kurz aber doch — etwas anderes als seinen Herzschmerz thematisiert.

It’s been a while since I’ve been sober
This life can be so hard, I’d rather talk about you

Für den krönenden Abschluss sorgt das Meisterwerk „God Is Fair, Sexy, Nasty“ mit Kendrick Lamar, welches mit einem Piano-Interlude von Robert Glasper und einem herzerwärmenden Bericht von Mac Millers Großmutter endet.

Fazit: Wer sich auf “Good A:M“ für Tracks wie „Ros“ besonders begeistern konnte, wird das Album lieben. Wer nach „Donald Trump“ aufgehört hat oder den weniger liebestrunkenen Mac Miller präferiert, sollte dabei bleiben. Für alle, die dazwischen das Interesse verloren haben, aber mit Mac Miller älter geworden sind, sollten sich zu Gemüte führen, was der junge Mann aus Pittsburgh mittlerweile fabriziert. Kann sich lohnen – solide 3,5 Ananas.

3,5 von 5 Ananasse
3,5 von 5 Ananasse

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