Juse Ju – Übertreib nicht deine Rolle

juseju
VÖ: 17.05.2014

“Übertreib nicht deine Rolle“, fordert Juse Ju und vereint auf dem Cover seines neuen Werkes alle gängigen Rap-Masken-Modelle von Pferdekpf bis Pandaschädel. Jeder potentielle Hörer des kostenlosen Releases sollte sich vor dem Konsum dieser Musik bewusst sein, dass hier verdammt viel Ironie verwendet wird. Dazu wählt der Süddeutsche noch oft genug den direkten Weg, um seinen Inhalt zu präsentieren. Eine interessante Mischung, die man in dieser Form nicht regelmäßig zu hören bekommt.

Der Titeltrack stellt einen passenden Beginn hierfür dar. Gemeinsam mit Fatoni und Edgar Wasser wird aufgefordert, seine Rolle nicht zu übertreiben. Alle drei wissen dabei zu überzeugen und vor allem Juse Ju macht durch diverse amüsante Aussagen Spaß. Prinz Pi Fans könnten sich dabei jedoch nicht allzu wohl fühlen, wird ihr Idol doch ein, zwei Mal negativ erwähnt.

Positiv sind die meist harmonischen, nicht allzu auffälligen Beats, welche ein Oldschool-Gefühl verbreiten. Sarkastische Aussagen können sich durch jene musikalische Untermalung grandios entfalten. Genau deswegen ist es schade, dass in “Juse Ju ist tight“ dieser rote Faden ignoriert wird. Eine schwache Hook und Lyrics, welche das restliche Niveau nicht halten können, machen diesen Track zum Tiefpunkt des Albums.

Der freche Charme, den trotzdem beinahe jeder Song versprüht, macht vieles wieder weg. Trotzdem muss man dann eben genau diesem ankreiden, nicht genügend Konstanz erzeugen zu können, um für Höhepunkte zu sorgen. Ein gewisser Mehrwert geht teilweise verloren – ein allgemeines Problem des Genres – wodurch das Gefühl entsteht, “nur“ gutes Mittelmaß geboten zu bekommen.

Für kurzfristige Unterhaltung ist trotz allem gesorgt. So überzeugt die durchaus amüsante Auseinandersetzung mit Berlin aus Sicht eines Süddeutschen. Auch die kritische Betrachtung großer Musikkonzerne ist, obwohl sie keinen Innovationspreis verdient, stimmig. Rappen kann Juse Ju ebenfalls, doch keinesfalls so gut, dass er damit – neben der stark ausgeprägten Ironie – einen zweiten Stützpfeiler des Werkes kreieren könnte. Dieser fehlt, denn obwohl es dem Künstler gelingt, auf einer inhaltlichen Ebene Themen zu behandeln, verkommen jene durch Sarkasmus und Humor zu kurzweiliger – an wenigen Stellen sogar zu mittelfristiger – Unterhaltung. Sehr schade, wenn man das vorhandene Talent betrachtet.

Fazit: “Übertreib nicht deine Rolle“ stellt ein kurzfristiges Vergnügen dar, doch ohne dabei Inhalt missen zu lassen. Auf die vorhandene Problematik wurde schon eingegangen. Am Ende kann man von einem soliden Release sprechen, welches jedoch richtige Highlights missen lässt.

(CS)

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