Jay-Z: Decoded

Er hat nachgelegt. Das tut Jay-Z selten, normalerweise setzt er die Trends, bevor es andere tun. Diesmal hat er abgewartet, der Zeitpunkt konnte nicht besser sein. Zum Erstaunen vieler, ist das Buch so gar nicht, wie man sich eine Rapper-Biographie vorstellt. Keine Schießereien auf den erbarmungslosen Straßen New Yorks, keine „Rags to Riches-Geschichte“ und auch keine Sex-Orgien mit willigen Fans, über die er seitenlang berichtet.

Stattdessen erfüllt „Decoded“ ganz andere Pflichten. Es geht zum Beispiel auf den ewigen Kritikpunkt der Hip Hop-Kritiker ein, Hip Hop würde nur Worthülsen gebrauchen und heute keine Message mehr verbreiten: „Since rap is poetry, and a good MC is a good poet, you can’t just half listen to a song once and think you’ve got it. The point of those bars is to bang out a rhytmic idea, not to impress you with the literal meaning of the words“.

Eine zentrale Stelle in „Decoded“ ist die nüchterne Auseinandersetzung an der Kritik um den Gebrauch von Wörtern wie „Nigga“ oder „Bitch“, die Jay-Z auch von TV-Größen wie Oprah Winfrey zu hören bekommen hat: „And sometimes the words we use, nigga, bitch, motherfucker, and the violence of the images overwhelms some listeners. It’s all white noise to them ‚till they hear bitch or a nigga and then they run off yelling „See!“ and feel vindicated in their narrow conception of what the music is about. But that would be listening to Maya Angelou and ignoring everything until you heard her drop a line about drinking or sleeping with someone’s husband and then dismissing her as an alcoholic adulterer.“

Jay-Zs Biographie ist anders, als das übliche, maßlose Hip Hop-Geprahle, das seine Vorgänger in ihre Bücher verpackten. „Decoded“ ist eine intelektuelle Auseinandersetzung mit dem Genre Hip Hop, dem State of the Art und das was es einmal war. Das Buch, mit Andy Warhols Rorschach-Malerei als Cover, beinhaltet – außer auf dem Schutzumschlag – kein einziges Foto von Jay-Z. Es ist in seiner literarischen Umsetzung sehr subtil und ironisch gehalten – von „Bitches“ und „Bling Bling“ keine Spur. Es ist ein empfehlenswertes Buch über Hip-Hop; erzählt aus der Sichtweise des berühmtesten Rappers der Gegenwart.

(Toumaj Khakpour)

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