Jahresvorblick der Redaktion // 2017

The Message - Ausgabe 1

20 Jahre The Message

1997 entstand aus einer Laune und Gestaltungsfreude in einem Wiener Keller die Idee eines HipHop-Magazins. Kurze Zeit darauf war die Namensfindung, geprägt durch Grandmaster Flash, abgeschlossen. Auf eine handkopierte Informationsbroschüre folgten ein Heft im Digitaldruck, eine erste Off-Set-Ausgabe und Partys, um die Hefte zu finanzieren. Denn Geld hatten wir alle nicht. Zwei Redaktionsbüros, die überwundenen Umbrüche, die mit der Digitalisierung der Musikbranche einhergingen, und 41 Ausgaben später besteht das Projekt THE MESSAGE noch immer. Diesen Frühsommer bereits seit 20 Jahren. Was ich mir von 2017 erwarte? Wir haben uns das hohe Ziel gesetzt, eine 42. Ausgabe zu bringen. Ein Jubiläumsheft. Klingt ambitioniert in Zeiten kleiner Budgets – aber wie hieß es mal? Wenn ihr wollt, ist es kein Traum. Dafür eben harte Arbeit. – Daniel Shaked, Mitbegründer und Herausgeber

Vorschau auf das Releasejahr 2017

vorblick2017

Darauf freuen wir uns: Neues von u. a. Kamp, Kendrick Lamar & J.Cole und Monobrother

Anstelle eines obligatorischen Rückblicks auf das vergangene Jahr 2016 wagt die Redaktion von The Message einen Ausblick auf 2017. Hier also eine Übersicht der Releases, auf die sich die Redakteure freuen:

Thomas Kiebl

Wenn ich meinen Jahresvorblick aus dem vergangenen Jahr noch einmal Revue passieren lasse, muss ich zugeben: Ich lag ziemlich daneben. M.I.A.s “A.I.M.” war magere Durchschnittskost, Ratking reduzierten sich auf ein Duo, veröffentlichten aber keine neue Musik, Kelela glänzte zwar als Model, ließ ihre musikalischen Ambitionen abseits eines Featureparts für Danny Brown und einer Clams-Casino-Zusammenarbeit aber etwas schleifen. Allerdings muss ich zu meiner Ehrenrettung einwenden: Kontra K und Bonez MC haben 2016 zwar nicht mit einem gemeinsamen Projekt, aber in anderen Konstellationen ordentlich abgerissen. Und Fler sorgte bereits im März für den Interviewmoment im Fremdschamsegment. Nostradamusfähigkeiten also doch noch irgendwie vorhanden. Mal sehen, wie mein Resümee zu den folgenden Projekten im Januar 2018 ausfallen wird.

#1: Roc Marciano – Rosebudd’s Revenge
Roc Marcianos Homie Ka legte mit “Honor Killed the Samurai” eines der besten Rapalben des Jahres 2016 vor. Wenig spricht dagegen, dass Roc Marciano mit dem lange angekündigten “Marci Beaucoup“-Nachfolger einen ähnlichen Erfolg verbuchen kann. Ich erhoffe gewohnt knüppelharte Beats und rasierscharfe Lyrics straight aus NYC.

#2: Arca – Reverie
Für 2017 hat auch Ausnahmeproduzent und Kanye-West-Influencer Arca ein neues Album mit dem Titel “Reverie” angekündigt. Bin in Vorfreude über kakophonische Klänge, die den Graubereich zwischen Lärm und Musik wunderbar ausloten werden. Die Kreation eines solchen Sounds ist ihm schließlich schon einige Male geglückt. Zudem könnte 2017 auch Björks “Vulnicura”-Nachfolger “Utopian” erscheinen, das gänzlich auf Beats des Venezolaners basieren soll. Wäre eine großartige Sache und potentieller Kandidat zum Album des Jahres.

#3: Jay Z – TBA
Jay Zs letztes, wirklich makelloses Album ist mittlerweile mehr als ein Jahrzehnt alt – und dennoch hat Jigga nichts an Relevanz für HipHop eingebüßt. Auf Geschäftsebene sind die Aussichten nämlich weiterhin glänzend wie eine Kollektion von Balmain. Oder anders formuliert: Jay Z entwickelte sich zu einer Marke, bei der die Fäden des Musikgeschäfts zusammenlaufen. Man darf gespannt sein, ob es Jay Z gelungen ist, bei der Fülle an Nebentätigkeiten sogar noch ein anständiges Rapalbum auf die Beine zu stellen. Immerhin soll das Werk nach Jermaine Dupri bereits fertig sein. Trotz Skepsis sollte man einen Jay Z nie abschreiben.

#4: Casper – Lang lebe der Tod
Eigentlich hätte die neue Casper-Platte “Lang lebe der Tod” schon 2016 erscheinen sollen – aus produktionstechnischen Gründen wurde diese aber auf 2017 verschoben. Kein Problem, solange die Verzögerung keine Tool-Maßstäbe annimmt ist alles im grünen Bereich. Musikalisch darf man sich wieder einiges erwarten, geht Casper mit dem “Hinterland“-Nachfolger verstärkt in die Industrial-Ecke. Dies bewies schon der Titeltrack, der mit einem “Das weiße Band” x Zoran-Bihać-Video überzeugt. Musikalisch erwarte ich einen wilden Mix aus Gesaffelstein, Coldcut und Wolf Eyes, der vielen zu sperrig sein wird – mich aber gänzlich abholen würde. Bin richtig gespannt.

#5: SOHN – Rennen
Der Wahl-Wiener SOHN schickt am 13. Jänner endlich den lange erwarteten “Tremor”-Nachfolger ins “Rennen” – der passenderweise auch “Rennen” heißt (Wortspiel war beabsichtigt). Die Vorab-Singles, bei denen unter anderem auch Milla Jovovich mitwirkte, hinterließen bereits einen guten Eindruck. Einem gediegenen Indie-Post-Dubstep-Electronica-Entwurf mit starkem R’n’B-Einschlag steht eigentlich nichts im Wege.

Special Mentions: Chelsea Wolfe, Chino Amobi, Code OrangeConverge, Erykah Badu, Ester Rada, Julien BakerKedr Livanskiy, King WomanLaure Le PrunenecLiana Bank$, Miss RedNine Inch NailsPretty Lights, Sampha, Schönbrunner Gloriettenstürmer, SlowdiveTaylor Swift, “Trainspotting 2“, Wiegedood, Young M.A.

Daniel Shaked

Was musikalisch auf den Teller kommt, so halte ich es wie jedes Jahr komplett frei. Denn wie bereits 2015 und auch das vergangene Jahr bewiesen haben, kann man einige Sachen einfach überhaupt nicht antizipieren. Wer hätte gedacht, dass sich nach mehr als zehn Jahren D’Angelo nochmals in elektrische Frauenland wagt (2015) oder jedermanns Liebelingsrap-Crew A Tribe Called Quest zum Ausklang 2016 ein neues Album hinlegen? Run  The Jewels überlegen sich entgegen der Verlautbarungen den Fans doch an Weihnachten 2016 statt 2017 das lang ersehnte Album “RTJ3” zu schenken. Prognosen sind daher für mich ebenso lau und unseriös wie die Beteuerung einer konstruktiven Zusammenarbeit unserer Bundesregierung. Daher ziehe ich es vor, ein weißes Blatt Papier vor mir zu haben und dieses zu beschreiben, wenn die Zeit reif ist. Na gut, ein paar Wünsche werde auch ich äußern. Zaghaft und sehr vorsichtig warte ich auf Neues von Kamp. Spruchreif scheint noch nichts, aber die eine Taube soll es angeblich einer anderen geflüstert haben, munkelt man. Freuen würde ich mich auch über frische Arbeiten von Monobrother, dessen kritische Beobachtungen in Textform einen wichtigen Input leisten. Zudem sehne ich mich nach dem Tag, an dem das gemeinsame Album von J.Cole und Kendrick Lamar veröffentlicht wird. Aber dafür warte ich gern auch noch fünf Jahre, wenn es was Ordentliches ist – wovon ich ausgehe. In Zeiten von Videosingles und digitalen Gratis-Tsunamis hantelt man sich von einem guten Song zum nächsten. Mich beschleicht das Gefühl, dass es immer schwieriger zu sein scheint, gute Alben abzuliefern.
Nur zu gerne lasse ich mich von den vielen talentierten jungen Acts überraschen. Musik und die Beschäftigung damit ist immer auch eine Reise – und auf Reisen passieren die ungewöhnlichsten Dinge, wenn man im All-Inclusive-Hotel nicht aufs nächste Gratis-Buffet wartet. Ich freue mich auf alle Neuentdeckungen, gleich welchen Genres, Releases mit Herz und Seele und vor allem – wie auch schon im vergangenen Jahr – all die fantastischen Live-Shows. Da sind wir ja 2016 verwöhnt worden, begann es doch mit dem denkwürdigen Konzert von Anderson .Paak im Porgy und endete mit Moshpits bei Crack Ignaz und seinen astronomischen Freunden in der Arena. Bitte liebes 2017er-Musikjahr, sei ebenso gnädig mit uns und beschere uns nur Gutes. Noch besser wäre vielleicht vermessen.

edHardygirl14

Die weihnachtliche Überraschung “Run The Jewels 3” von Killer Mike und El-P hat mir für den Vorblick etwas den Wind geraubt – gefreut habe ich mich natürlich trotzdem! Nach einem fantastischen Musik-Jahr bleiben nicht allzu viele Releasedates offen, dafür habe ich in meinem Kopf eine relativ solide Wunsch-Releaseliste, die ich euch hier einfach einmal vorspinne.

#1: Killer Mike – R.A.P. Music 2
In gewohnter Run-The-Jewels-Manier liefert Großmeister El-P auch die Beats für den zweiten Teil des Rap-Epos’ von Killer Mike. Das Schöne dabei: Man wird an dieser Front selten enttäuscht – politische Texte à la Crème auf brachialen Beats, was will man mehr. Und ja, das Album ist wirklich für 2017 angekündigt.

#2: Kendrick Lamar & J. Cole – TBA
Ich glaube langsam fast, dass es nur noch eine Marketing-Masche ist, dass vor jedem TDE-Release wieder von der Elite-Collabo-Platte fasziniert wird – siehe Ab-Soul. Aber der magisch Hype um Kendrick und Cole stabilisiert sich ganz, ganz langsam zu einem Status, wo die Jungs die meiste Arbeit damit haben, ihr Niveau zu halten. Deswegen wäre das Album wohl ein feiner Move.

#3: DJ Premier & Royce da 5’9” – Phryme 2
Zwei fantastische Musiker, eine fantastische Platte – der erste Teil des Duos hat bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen. Und nicht nur das lyrische Können von Royce und die pipifeinen Beats von Premo, sondern auch die Feature-Gäste waren genau nach meinem Geschmack. Der zweite Teil soll, laut Royce, ein textliches Feuerwerk werden und er hat es sich nehmen lassen, The Game, Eminem und Kendrick um Feature-Parts zu bitten. Fehlen nur noch Tech N9ne und Logic und ich bin vollends zufrieden. Nein, Scherz, die ersten drei tun’s natürlich auch.

#4: Stormzy TBA
Man kann ihn nicht mal mehr als Newcomer bezeichnen, aber ein Album fehlt immer noch: Stormzy liefert nur in kleinen Prisen, dafür lassen diese auf ein unfassbar fettes Album schließen. Sein Konzert im Flex war übrigens definitiv mein Konzert-Highlight des Jahres!

#5: Gorillaz – TBA
Vor Kurzem habe ich mir mal wieder die Doku über die virtuelle Band angeschaut. Und ob 2001 oder 2017, ich bin gespannt, was die crazy Jungs da wieder auskochen.

Special Mentions: Klar, Jay-Z, Eminem und Yelawolf dürfen mich gerne überraschen – sowie auch alles von den $uicideboy$ und aus dem High-Focus-Camp. Wiley, Oddisee und Curly haben schon ein Release-Date und auf Zack De La Rocha hoffe ich seit circa zehn Jahren. Und ich bin auf Wiens Reaktion auf EDWIN gespannt. Aber das lasse ich hier einfach mal so im Raum stehen.

Julia Gschmeidler

#1: Trettmann – TBA
2016 war definitiv das Jahr von Trettmann. Mit seinem unverwechselbaren Sound der “Kitschkrieg”-Trilogie avancierte er zu einem der Lieblinge der deutschen HipHop-Szene. So vielschichtig wie seine Themen (Turn-up im Club, Rassismus, Neustart im Leben), so abwechslungsreich auch die Beats, die vom Produzenten-Kollektiv Kitschkrieg kommen. Diesem bleibt er auch 2017 treu. Heuer wird sein Solo-Album sowie eine gemeinsamen EP mit Megaloh erscheinen, mit dem er schon bei den Tracks “Wer hat die Hitze” und “Was solls” erfolgreich zusammengearbeitet hat.

#2: Shacke One – TBA
Der Berliner Nordachse-Kumpan von MC Bomber scheint diesen gerade ein wenig zu überholen. Live gibt  es kaum jemanden, der Shacke One flowtechnisch das Wasser reichen kann. Beim gemeinsamen Konzert mit MCB in Hamburg haben zwar beide einen energiegeladenen Auftritt absolviert, aber besonders Shacke One hat gezeigt, wie man standesgemäß rohen und präpotenten Battlerap auf G-Funk-Beats und Oldschool-Samples spittet. Auch sein letztes Album “Stecks, Schmiers und Suffs” hat so einige Perlen zu bieten. Eine Freude, dass sein Label für Sommer 2017 eine neue Soloplatte angekündigt hat.

#3: Kamp & Fid Mella – TBA
Kamps langjähriger Spezi Prinz Pi hat es in unserem Interview im Sommer bereits angekündigt: Von Kamp wird es ein neues Album geben, produziert vom Südtiroler Beatbastler Fid Mella, der normalerweise mit Brenk Sinatra oder solo an Konzept-Instrumental-Alben arbeitet. Nach einer Kollabo von Kamp mit Mädness 2014 folgt nun also endlich der lang ersehnte neue Streich des auch in Deutschland noch immer thematisierten Wiener Rappers. Wenn nur ein paar Nummern darauf so groß sind wie auf dem 2009 erschienenen Album “Versager ohne Zukunft” wird auch das neue Werk ein Meilenstein in der österreichischen Rapgeschichte und über Landesgrenzen hinaus für Furore sorgen.

#4: Monobrother – TBA
Für mich zählt Monobrother ja zu den wortgewandtesten Rappern, die Österreich bis jetzt hervorgebracht hat. Gesellschafts- und Konsumkritik, so scharf wie manche Pfefferoni am Wiener Würstelstand, Ironie, so passend wie die Verspätung zur U4 und Wortschöpfungen, so unterhaltsam wie der Absturz in einem Wiener Beisl – niemand verbindet diese Elemente so gekonnt wie das Honigdachs-Mitglied. Sollen die guten Vergleiche ihm überlassen sein.

#5: Zugezogen Maskulin – TBA
Angekündigt haben Grim104 und Testo noch nichts, aber es wird heuer definitiv was Neues von den beiden kommen. Das hat das Label bereits verraten. Nachdem es im vergangenen Jahr keine neue Platte der Wahlberliner gab, bin ich besonders gespannt darauf, wie die zwei die gesellschaftlichen Entwicklungen der vorherigen beiden Jahre in ihren ironisch-kritischen Songs verpacken.

Weitere Highlights:
Jetzt aber wirklich: Average wird heuer sein eigentlich schon für 2016 angekündigtes Debütalbum präsentieren. Nach diversen Mixtapes, EPs und den Tuesday-Classics-Projekten mit Flip von Texta, beginnt mit dem neuen Album wohl eine neue Ära für den Linzer Musiker. Davor erscheint von der Antilopen Gang noch am 20. Jänner deren neues Album “Anarchie und Alltag”, auf dem hoffentlich wieder ganz viel politisiert wird. Der Hamburger Slowy, meiner Meinung nach einer der besten rappenden Geschichtenerzähler, hat für März sein neues Album “Undercover Blues” in Kooperation mit Produzenten 12Vince angekündigt. Der erste Track daraus verspricht definitiv schon viel. Auch in der ersten Jahreshälfte 2017 erscheint das neue Album von Gerard namens “AAA“, das er über sein eigens gegründetes Label Futuresfuture vertreibt. Außerdem freue ich mich auf das neue Album “Magic Life” (VÖ 17. Februar) von Bilderbuch, weil die Jungs einfach supersexy Sound machen. Und das Casper-Album “Lang lebe der Tod” ist sowieso jetzt schon ein Klassiker.

Simon Nowak

#1: Monobrother – TBA
Die Wiener Grantscherm mit Mostblock-Vergangenheit hat kürzlich ein neues Album angekündigt, das in der zweiten Hälfte des Jahres erscheinen soll. Das mittlerweile vierjährige Vorgängeralbum “Unguru” zählt für mich nach wie vor zu den besten Releases der Österrap-Geschichte, dementsprechend hoch sind meine Erwartungen an sein bereits drittes Solo-Werk. Es stehen bestimmt wieder tiefgreifende gesellschaftspolitischen Aussagen und kreative Wortschöpfungen am Programm. Weiters hat Monobrother das Potenzial, mit seinen finessenreichen, von Zynismus geprägten Lines auf hiesige Skurrilitäten, Fremdscham-Okkasionen und die fortschreitende Verdodelung hinzuweisen sowie auf willensschwache, rückgratlose Kompromissler einzudreschen.

#2: Kamp & Fid Mella – TBA
Auf “Der Anfang vom Ende”, dem Intro seines bisher einzigen Longplayers “Versager Ohne Zukunft“, rappte Kamp noch resignierend: “Nach dem Album ist dann Schluss mit Rap/das ist das erste und letzte, denn mir fehlt Hoffnung, wie auf meiner Beerdigung Gäste/Ich werd’ Call-Center-Hackler oder Folk-Sänger, mach mein Ding wie Paul Anka/und danach geh ich fort, wie der Danzer Georg.” Erfreulicherweise hat Kampinger diese Pläne nicht allzu zielstrebig weiterverfolgt, denn im Laufe des Jahres dürfte er neues Material auf Albumlänge herausbringen. Auf Instrumentals von Fid Mella muss das einfach gut werden.

#3: MC Eiht – Which Way Iz West
Zum überfälligen, vom Kaisermühlner Brenk Sinatra produzierten MC-Eiht-Album wurde schon mehr als genug geschrieben. Hauptschuldig für die Verzögerungen ist Executive Producer DJ Premier, der es in den vergangenen Jahren nicht geschafft hat, das Projekt zu finalisieren – er hat eben immer viel zu tun. Schade, dass dieses Album bei ihm offenbar nie die höchste Priorität hat. Vielleicht schafft er es ja bis Mai, zum 50. Geburtstag von MC Eiht. Oder irgendwann in diesem Jahr.

#4: PRhyme – PRhyme 2
Weitaus entschlossener geht Premo an seine Projekte mit Royce da 5’9 heran. Für gemeinsame Platten mit dem Rapper aus Detroit hat er sich vorgenommen, ausschließlich auf Samples von je einem Künstler zurückgreifen – eine nette Herausforderung bei der Beatproduktion. Während das selbstbetitelte Debüt ausschließlich auf Werken von Adrian Younge basiert, soll sich der Nachfolger auf Originaltracks des weniger bekannten, aber ähnlich außergewöhnlichen Produzenten Antman Wonder stützen.

#5: Black Milk – TBA
Zu Beginn seiner Karriere häufig als musikalischer Schützling von J Dilla betrachtet, hat der Detroiter Produzent und Rapper Black Milk längst seinen charakteristischen Sound gefunden, den er stets weiterentwickeln möchte. Kürzlich hat er – wenn auch vage – ein neues Album und eine Tour für 2017 angedeutet. Wenn alles aufgeht, spielt der exzellente Live-Act im Laufe des Jahres mit einem frischen Release im Gepäck ein Konzert in Wien.

Special Mentions:
Freddie Gibbs x Madlib – Bandana
Oddisee – The Iceberg
CunninLynguists – TBA
Roc Marciano – Rosebudd’s Revenge
Gorillaz – TBA

Simon Huber

Da die von mir präferierten Künstler eher keine sechs Monate Promo machen, ich somit nur einen Bruchteil der anstehenden Releases erahnen kann und darüber hinaus mein letztjähriger Jahresvorblick im Nachhinein nicht unbedingt deckungsgleich mit den Alben war, die mich tatsächlich längerfristig begleitet haben, möchte ich mich an dieser Stelle nicht auf bestimmte Alben festlegen. Dass Leute wie Slowy, Morlockk Dilemma & Brenk Sinatra, Pierre Sonality, Curly oder Schote nächstes Jahr releasen werden, freut mich – jetzt schon Erwartungen zu schüren, liegt aber nicht in meinem Ermessen. Es wird genug gute Musik geben.

Stattdessen wünsche ich mir für das kommende Jahr insgesamt mehr Toleranz von allen Seiten und für Musik aller Art. Mindestens so schlimm wie Menschen, die den Begriff HipHop mit ihrer Musik missbrauchen oder auf jeden beliebigen Trend aufspringen, sind hängengebliebene Oldschoolfanatiker, die allem die Existenzberichtigung absprechen, was nicht wie HipHop von vor 20 Jahren klingt. Zeiten ändern sich, Trends kommen und gehen, man muss nicht alles davon gut finden. Aber man sollte damit leben können, das Geschmäcker verschieden sind und im Idealfall kein Problem damit haben, wenn Yung Hurn, Nas, Retrogott und Denzel Curry hintereinander in einer Playlist laufen – so unterschiedlich sind die nämlich gar nicht.

Darüber hinaus wünsche ich mir insbesondere für chartrelevante Deutschrap-Releases weniger peinliche Promophasen, dafür bessere Alben und “will, dass jeder Scheißrapper mit Premiumbox sich angesprochen und schlecht fühlt” (s/o LGoony). Außerdem bin ich gespannt, welches Comeback diesmal die Erwartungen nicht erfüllen kann (Mr. Schnabel, deine Chance!). Deutschsprachigen Medien empfehle ich eine ernsthaftere Auseinandersetzung mit österreichischer Musik – nicht nur, wenn “Newcomer T-Ser” (sic!) wieder zufällig einen viralen Hit eines viralen Hits landet oder irgendwas mit Crack Ignaz. Neue Releases von Kamp und Monobrother sollen kommen… ok, da setz ich meine Erwartungen dann doch noch ganz hoch. Ansonsten alles gucci, 1 love. (special s/o an die Schönbrunner Gloriettenstürmer. Macht mich stolz!)

Jérémie Machto

#1: Battle-Rap
2016 hat sich einiges getan im Battle-Rap, vor allem in Deutschland ist die Akzeptanz bzw. die Toleranz gegenüber Battles als Kunstform deutlich gestiegen. Die MCs werden kreativer, die Bars werden fetter und selbst Schemes stoßen nicht mehr auf vollkommene Unverständnis seitens des Publikums. Das kann 2017 munter so weitergehen, die ersten Matches, auf die man sich in Zukunft (im deutschsprachigen Raum) freuen kann, sind das nächste Dreistil-Match zwischen BX und Fate One, das RAM-Title-Match zwischen Mighty Mo und Ssynic, Robscure vs. Mars B und den Release des DLTLLY-Title-Matches zwischen Nedal Nib und Brian Damage.

#2 Tokyo Love Hotel und AMS-Tape – Yung Hurn
Bei all dem, was im vorigen Jahr bei Yung Hurn so passiert ist, fällt es schwer, am Laufenden zu bleiben, was da denn noch kommen könnte. Im Sommer wurde ein „Mafia der Liebe“-Tape mit Rin & Lex Lugner angekündigt. Mit der Trennung von Rin & LFE war das Projekt Geschichte, “Tokyo Love Hotel” heißt der willkommene Ersatz, der irgendwann mal droppen sollte/könnte/wird. Ebenfalls um den Sommer herum erwähnte Yung Hurn das „AMS-Tape“, das – so die damalige Aussage – ausschließlich von Drae da Skimask produziert wird. Sollte das stimmen, könnte das tatsächlich gefährliche Ausmaße annehmen, denn der kultivierte Hurn-Kenner weiß: Auf Beats von Drae da Skimask ist der Süssboy kaum zu stoppen und flowtechnisch in absoluter Bestform. Das beweisen die Strophen auf „Christus & Blitz“ und besonders „Grauer Rauch“ (= Deutschrap-Strophe 2016 btw.), die unbestritten zu seinen besten Strophen zählen. Davon wird es hoffentlich am 29. Jänner bei seinem ersten richtig offiziellen Wien-Gig im WUK was zu hören geben!

#3: Lomepal – TBA
Nach etlichen Mixtapes und EPs wird der Seigneur im Mai sein Debüt-Album veröffentlichen. Lyrisch bewegt sich Lomepal ganz weit oben im Pool der französischen MCs, musikalisch wird er immer mutiger und auch videotechnisch enttäuscht er selten. Die Kollabo mit Stwo auf “ODSL” ist eines der Highlights des vergangenen Jahres und es wäre eine absolute Überraschung (und Enttäuschung), wenn Lomepal nicht auch auf Albumlänge derart überzeugen kann.

Weitere Releases, auf die ich mich freue:

  • Vald – Agartha
  • Soufian – Allé Allé
  • Fatoni – TBA
  • 1995 – TBA

Sonstiges in der Rubrik „sollte-von-dem-was-kommen-dann-freu-ich-mich-sehr“: Monobrother, Kamp, Kreiml & Samurai, Zugezogen Maskulin, Mac Miller (Qualität des Albums abhängig von seinem Beziehungsstatus), Jazzy Bazz, Népal.

Max Cornelius (kornflakz)

#1 LX – TBA
Nach knapp einem Jahr Urlaub hinter schwedischen Gardinen meldete sich 187-Mitglied LX mit einem Auftritt auf dem 187-Festival zurück und war bereits Ende 2016 noch im Studio, um ein paar Parts zur 187-Allstars-EP bezusteuern. Darf man der eigens auferlegten Release-Taktung der Hamburger Glauben schenken, wird sich die Crew um Bonez, Gzuz, Sa4, Maxwell und LX keinesfalls auf ihren Lorbeeren ausruhen und die Fanbase konstant weiter mit musikalischem Obst füttern. Ob das nächste Werk von LX nun die Fortsetzung des Kollaboalbums “Obststand” mit Partner Maxwell wird oder ein eigenständiges Solo-Debüt, ist noch offen.

#2 Dave – TBA
Ein Mixtape, Klicks in Millionenhöhe und doch nur knapp 8000 Facebookfans machen den Londoner Dave zu einem der vielversprechensten Talente der englischen Grime-Szene. Mit nur 18 Jahren zeigt sich Dave musikalisch mehr als frühreif und schoss mit dem Release seiner “Six-Paths”-EP den Vogel ab, im positiven Sinne. Eine Mischung aus Selbstreflexion, jugendlicher Systemkritik, einer Liebe für Fußball und verhältnismäßig harmonische Grime-Bretter brachten Props von Stormzy, ein Feature mit AJ Tracey und einen Remix-Feature mit Drake. Vermutlich wird der Grime-Jüngling auch 2017 am Ball bleiben und ein weiteres Werk veröffentlichen.

#3 Kalim – TBA
Eines der krassesten Deutschrapalben 2016 bescherte definitiv AON-Signing Kalim mit seinem ersten Release “Odyssee 579“, welches trotz der hohen musikalischen Qualität nur auf dem 16. Platz der deutschen und Platz 64 der österreichischen Albumcharts platziert war und somit definitv zu wenig Aufmerksamkeit erhielt. Der auf dem Album vollzogene musikalische Stilwechsel gefiel nicht allen in der Fanbase, was natürlich Stimmen auf den Plan rief, die sich “den alten Kalim” zurückwünschten. Anscheinend rechnete der Hamburger bereits mit den gemischten Reaktionen und so kündigte dieser bereits auf Facebook ein bald erscheinendes Werk an, welches auch die kritischen Stimmen ruhigstellen werde. Dass Kalim auch noch Boombap kann, ist eigentlich so sicher wie das Amen in der Kirche – “Sechs Kronen” war schließlich Beweis genug.

#4 Brenk Sinatra & Morlockk Dilemma – Hexenkessel EP 1+2
Relativ früh 2017, Mitte Februar, erfolgt das Release des Doppel-Kollabo-Album von Morlockk Dilemma und Brenk Sinatra. Die Arbeitsteilung ist klar, der Wiener Brenk kümmert sich um die musikalische Untermalung der atmosphärischen Texte des Berliners Morlockk Dilemma. Die erste musikalischen Zusammenarbeit der beiden verspricht laut Pressetext einen “atemlosen Trip durch die nächtliche Metropole, eine Ode auf den Moloch in zwei Akten”, der Fokus liegt dabei scheinbar wirklich auf der Schaffung eines in sich kongruenten Werkes inklusive rotem Faden und dem Ziel der Vermittlung einer ganz besonderen Stimmung. Die erste Videoauskopplung mit den beiden Songs “Kopfnuss” und “Der Sauresgeber” legt die Messlatte keinesfalls auf Kniehöhe an und bereitet Lust auf mehr.

Weitere Erwähnungen: Zwar sind derzeit noch keine Releases angekündigt, dennoch hoffe ich auf qualitativ hochwertige Releases aus den Häusern Top Dawg Entertainment und A$AP Mob. Höchstwahrscheinlich werden auch die $uicideboy$ ein neues weiteres Tape bringen, welches sich nahtlos in die Sammlung der bisher veröffentlichten unzähligen Werke einfügen wird. Der deutsche Straßenrap wird sich auch 2017 weiterhin im Spagat zwischen Alt und Neu befinden, so wird beispielsweise im Februar  der Plusmacher sein viertes Soloalbum “Kushhunter” an den Mann bringen und auch die KMN Gang wird man im kommenden Jahr nicht aus den Augen verlieren.

Emil Delivuk

#1: Österrap
Nachdem die beiden großen Wünsche meines Jahresvorblicks für 2016 letztendlich unerfüllt blieben, steht 2017 unter gänzlich anderen Vorzeichen. Monobrothers drittes Solo-Album erscheint – so viel darf als fix angenommen werden – in der zweiten Jahreshälfte. Kamp hat, nicht nur zur Freude der Wiener Szene, tatsächlich auch ein Album in der Pipeline. Es sollte dieses Jahr erscheinen. Die Vorfreude ist groß. Wenn der Rest des Dachsbaus sowie die anderen üblichen Verdächtigen auch fleißig und kreativ bleiben, kann eigentlich nichts schiefgehen.

#2: Antilopengang – “Anarchie & Alltag”
Bereits Ende Jänner legt die Gazellenbande nach. Der Langspieler “Anarchie und Alltag” folgt auf das überwiegend positiv aufgenommen Mixtape “Abwasser“. Inhaltlich erwarte ich nur graduelle Neuorientierung, in puncto Soundbild wäre eine Fortführung des auf “Abwasser” eingeschlagenen Weges schön. Mehr Drums, mehr in die Fresse.

#3: Trettmann – TBA:
Nachdem der Leipziger in 2016 im Alleingang klargestellt hat, wie geil Dancehall auf Deutsch sein kann, erwarte ich für das kommende Jahr weitere Heldentaten. Gerne darf er mir auch wieder andere Artists aus dem Sub-Genre Trap/Newschool/Afrotrap (you name it) schmackhaft machen! Kann er gut.

#4: High Focus:
Was immer die Briten ausbrüten, es wird meinen Kopf vermutlich zum Nicken zwingen. Das Cover von Leaf Dogs “Dyslexic Deciple” wurde bereits veröffentlicht, das zweite Solo-Album des Produzenten-Masterminds der Four Owls könnte ein großes werden. Außerdem erwarte ich einfach mal einen Tonträger von Ocean Wisdom. Bitte.

Helen Aksakalli

#1: Soufian – Allé Allé
Bereits in der letzten Jahresvorblick-Runde des vergangen Jahres ist Soufians damals noch unbekanntes bevorstehendes Projekt angesprochen worden. Sein Debüt soll den Titel „Allé Allé“ tragen und ist Ende diesen Monats endlich nicht nur mehr im Amazon-Einkaufskorb, sondern in meinen Händen.

#2: Capo – TBA
Er war viel zu lange weg und kehrt endlich wieder zurück ins Rap-Game. Nach „Hallo Monaco“ ließ sich Haftis Brudi zwar auf einigen Feature-Songs hören, doch eigene Tracks gab es seitdem nicht mehr. Das soll sich dieses Jahr ändern, denn das Album ist fertig: Augen und Ohren öffnen, Chabos.

#3: UFO361 – Ichbin3Berliner
Während die Leute reden und reden arbeitet UFO361 schon an seinem dritten Mixtape. Ichbin1Wiener und freu mich auf Ichbin3Berliner.

#4: Remoe – TBA
„Verbring zu viel Zeit für Musik, keiner weiß wo ich bleibe“ – Newcomer Remoe will den Fokus auf sich lenken und veröffentlichte 2016 sein Mixtape „Fokus“. Pünktlich zu Neujahr ein neues Facebook-Update: „Mixtape Nummer 2 kommt schon im April!“.

Adriana Juric

Wenn ich das musikalische Jahr 2016 vor mir Revue passieren lasse, kann ich eigentlich nur zufrieden und gesättigt in das neue Jahr starten: Selbstverständlich erwarten uns 2017 ebenso viele Überraschungen beziehungsweise lang ersehnte Releases, die vielleicht sogar das Jahr 2017 in musikalischer Hinsicht prägen werden. Meine persönlichen Favorites mal in einem kompakten Überblick:

#1: SAM – Kleinstadtkids
Das Warten hat nun offiziell ein Ende. Nach fast drei Jahren ist auch irgendwann meine Geduld am Ende. Doch die Vorfreude ist umso größer! Straight Outta Ochsenhausen heißen die Brudis uns in ihrer Nachbarschaft willkommen und besinnen sich scheinbar wieder ihren Wurzeln. Was sich bei den Jungs in den vergangenen Jahren so verändert hat, werden wir hoffentlich ausführlich und in einer musikalisch-lyrisch reiferen Ausform zu hören bekommen. Da ich selbst den Kleinstadtkid-Lifestyle im Herzen immer mit mir trage, erhoffe ich mir natürlich viele Throwback-Storys und noch mehr Liebe und Bezug zur Heimat. Ich hab Bock!

#2: RIN – TBA
Rin
ist einer meiner absoluten Favoriten auf dieser Liste: Jedes Rin-Feature und jeder Rin-Song ist meiner Meinung nach ein absoluter Hit beziehungsweise entspricht musikalisch sowie künstlerisch für mich den Sound von morgen! Egal ob mit Yung Hurn in “Bianco” oder mit Shindy in “Halleluja”, Rin hat mich 2016 mit seinen Features mehr als begeistert. Nach der “Mafia der Liebe”-EP mit Yung Hurn, seiner “Genesis”-EP, zahlreichen Features und natürlich der Trennung vom Independant Label Live From  Earth, erhoffe ich mir für 2017 natürlich eine innovativ-romantische (Rin-typische) Solo-Platte.

#3: Bausa
Zuallererst: Teaser von Track/Musikvideo-Auskopplungen sind einfach nur nervig. Vor allem, wenn sie einem so gut gefallen, dass die Spannung ins Unendliche steigt und die Nerven schon langsam aber sicher blankliegen. Ob es nun eine EP, ein Mixtape oder doch ein Album sein wird, sei mal dahingestellt: Ich freue mich einfach auf eine reine Bausa-Platte, mit Tracks in voller Länge, Bitte!

#4: Goldlink
Goldlink
verbindet elektronische Elemente sowie Funk, Jazz und typische HipHop- und R&B-Bausteine zu einem eigenen und neuartigen Future-Bounce-Sound, der mich seit „The God Complex“ täglich auf meiner Playlist begleitet. Lediglich mit einer Remix-Version seines „And after that we didnt talk“-Mixtapes, das 2015 erschienen ist, konnte mich Goldlink das vergangene Jahr über hinhalten. Und wieder kann ich nur hoffen, dass 2017 ein riesen Goldlink-Studio-Album auf der Jahresordnung steht.

#5: J.Cole x Kendrick Lamar
Die üblichen Verdächtigen. Fast wöchentlich wird man an die königliche Kollabo der beiden erinnert. Sagen wir’s mal so: Je länger die Jungs auf sich warten lassen, desto höher werden die Erwartungen seitens der Fans sein. Also bevor ich hier weitere Wünsche und Erwartungen äußere, wäre es für alle Beteiligten das Beste, wenn „DAS“ Album dieses Jahr noch erscheint. Nicht so viel nachdenken, einfach droppen!

Special mentions:
Jay-Z – TBA (Da es wirklich mal wieder an der Zeit wird.)
SOHN – RENNEN
YOUNG M.A
STORMZY – TBA (Er hat schon längst seinen Newcomer-Status abgelegt – jetzt fehlt nur mehr die Debüt-Platte)
Gorillaz – TBA
Oddisee – The Iceberg
T-Ser (Auch hier bin ich der festen Überzeugung, dass 2017 durchgestartet wird!)
Soufian – Allé Allé

Deine Message dazu: