8 österreichische Rapper über 2016 // Rückblick

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2016 stand wieder ganz im Zeichen der Ananas. Foto: cc by 2.0/Anthony Quintano

Immer wenn sich das Jahr zu Ende neigt, beginnt der große Rückblicke-Marathon: In Zeitungen, Magazinen, TV-Shows und natürlich auch auf vielen Online-Plattformen lassen Journalisten das Jahr Revue passieren, zeigen noch einmal auf, was vielleicht ob der vielen Ereignisse bereits vergessen wurde. Weil wir es aber eher langweilig finden, wenn immer nur aus Journalisten-Sicht berichtet wird, haben wir ein paar österreichische Rapper gebeten, uns ihre fünf musikalischen Highlights aus 2016 zu verraten. Die Antworten sind teils ähnlich, aber teils auch komplett differenziert ausgefallen. Ein englischsprachiges Comeback-Album wurde dabei übrigens am häufigsten als Highlight markiert. Welches das ist und was von den Künstlern selbst im kommenden Jahr zu erwarten ist, erfahrt ihr in unserem ganz speziellen Jahresrückblick.

Flips Top 5 Releases 2016

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Flip im Video zu „Kopfhelikopter“

Rapper und Produzente Flip muss man eigentlich nicht mehr vorstellen. Der Linzer prägt seit 20 Jahren die heimische Musiklandschaft – mit Texta, aber auch alleine wie mit seinem Producer-Album „Reflections“. Im Zuge des heuer veröffentlichten Texta-Album „Nichts dagegen, aber“, das ausschließlich auf heimischen Samples basiert und sich textlich um die österreichische Seele dreht,  haben wir Flip im Frühsommer auch interviewt – über Konflikte beim Zusammenwirken mit den anderen Texta-Mitgliedern, das neue Album und das Gestalten von Theaterstücken. Darüber hinaus erzählt er, warum Gaudi-Rap in Linz nicht funktioniert und sich die „Young Generation“ an Rappern unzureichend politisch engagiert. Hier nachzulesen. Nach seinem musikalischen Jahr gefragt, hat Flip so geantwortet: Heuer war zwar ein irgendwie durchwachsenes HipHop-Jahr meiner Meinung nach, aber ein paar dicke Dinger waren für mich doch dabei. Habe jetzt mal aus den diversen Genres und Regionen fünf Kandidaten rausgepickt:

A Tribe Called Quest  We got it from here …thank you for your Service
Die Überraschung des Jahres. Erstens, dass überhaupt noch ein Tribe-Album kommen würde hat ja eigentlich niemand auf de Rechnung gehabt, noch dazu, nachdem Phife im März gestorben ist. Und zweitens ist es auch ein wirklich geiles und gelungenes Album geworden, von den Beats, den Rhymes, den Features und dem Gesamtsound. Würdig und recht. Andere wertvolle Beiträge lieferten Schoolboy Q, Kendrick, Kanye mit Bauchweh, De La Soul, Ab-Soul, Chance the Rapper und Kaytranada.

Anderson Paak Malibu
An obvious Choice. Eigentlich reicht hierfür ein Wort: „fresh“. Geiler Sänger, geile Produktion, unerwartete Gäste (The Game, Schoolboy Q) und neben Solange das R&B-Album des Jahres. Und dann war da ja auch noch Nx Worries. Ansonsten hat Beyoncé delivered, Phonte & Eric Roberson mit „Tigallerro“ ist das underrated Album des Jahres, BJ the Chicago Kid ist am richtigen Weg und Frank Ocean hat mich leider nicht so erreicht, wie ich mir das gewunschen hab. Ansonsten hab ich heuer fast mehr R&B als HipHop gehört. Ich werde alt.

Elzhi Lead Poison
Das Indie-Lyricism-Album des Jahres. Es hatten sich ja wilde Gerüchte um Elzhi gerankt, nachdem die Kickstarter-Kampagne zwei Jahre ohne Album abgelaufen war. Dann kamen Berichte über Drogen und Depressionen und dann Anfang des Jahres doch endlich sein Album. Beats von 14KT, Oh No, Bombay und Elzhi mit Flows und Lyrics, die seinen MC-Status als einer der most Underrated mehr als untermauert haben. Das war auch tight: Danny Brown, Ugly Heroes, Smoke DZA & Pete Rock, Beneficience, Masta Ace, DITC, Reks.

Retrogott & Hulk Hodn Sezession
Mein Deutschrap-Lieblingsalbum des Jahres. War nur auf der Tour erhältlich. Gleichzeitig auch eine der Rapshows des Jahres. Retrogott wird immer politischer und immer noch besser. Spielt mittlerweile in einer ganz anderen Liga als alle Deutschrapper da draußen. Deswegen auch nicht mehr so Hype wie vor Jahren, als MC Disstracks mit „schwule Rapper“-Attitüde ihre Fanbase begründeten. Schlangen sind immer noch gesprächig und deutsche Rapper bleiben mäßig.

Da Staummtisch Eldorado
So, beim Thema Ösirap bleib ich lokalpatriotisch und lege hiermit allen nochmal das Staummtisch-Album „Eldorado“ ans Herz. Dope Beats, dope Cuts, dope Rhymes. Reicht. Gut waren auch natürlich Kreiml & Samurai, Crack Ignaz & Wandl, Huhnmensch & Böser Wolf, Sterilone & Basement. Lauter „& Bands“. Interessant. Chakuza hat seinen Sound weitergetunt, Dame geht steil, aber an meinen Ohren vorbei, Raf ist mit Bonez jetzt wohl unfickbarer Rapstar geworden und T-Ser und Average werden nächstes Jahr hoffentlich zeigen, dass die junge Generation in Österreich nicht nur Autotune-MCs im Talon hat. Kein Diss an Yung Hurn. Der wird nächstes Jahr sowieso alle Kanäle füllen, don’t worry… Außerdem sind wir gespannt auf die Comebacks von den Waxos, Kamp und Schönheitsfehler.

Top 5 Liveshows:
Audio 88 & Yassin am HipHop Open, letzte Blumentopf-Show in München, Asher Roth, Artifacts, Hiob & Pierre Sonality und Camp Lo in der KAPU. Sind zwar sechs, aber eh wurscht, wir sind im postfaktischen Zeitalter, Baby!

Die besten 6 Releases für Monobrother

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Foto: Daniel Shaked

Vorweg: Monobrother aus dem Honigdachs-Camp hat sein neues Album für die zweite Hälfte 2017 angekündigt und reiht sich mit Kamp und Average somit in die Release-Riege für kommendes Jahr ein. Nach seinem letzten Album „Unguru„, das voll von Schmäh, ausgefallenem Wortschatz und Hang zum Suderantentum ist, hat Monobrother unter anderem mit Skero oder Kreiml & Samurai zusammengearbeitet und war auch immer wieder live bei diversen Honigdachs-Auftritten dabei. Ganz an die Regeln gehalten hat er sich übrigens nicht, hat er doch gleich sechs Releases ausgesucht, die für ihn 2016 herausgestochen sind. Aber wie Flip so schön sagt: „Sind zwar sechs, aber eh wurscht, wir sind im postfaktischen Zeitalter, Baby!

Prezident  Limbus
Für mich das mit Abstand beste Deutschrap-Album der vergangenen Jahre. „Der ewige Ikea“, „Melancholia“, „Fressfeind“ ist rauf- und runterrotiert dazu noch das Vorgängerprojekt mit den Kamikazes. Schon beneidenswert, was dieser Mensch so aufs Papier bringt.

Nino aus Wien Praterlied
Hymne und Soundtrack für die etlichen Abstürze zwischen Dezentral, Cafe Adria und Josys. Auch wenn sie gerade den halben Prater zupflastern, damit die High-Potential-Sneaker-Peppis von der WU nicht in den Gatsch steigen müssen, auch trotz Pratersauna und Vie I Pee, trotz verzweifelter Verschönerungsversuche und Aufwertungstendenzen, trotz Adamah und kolarik’schem Investitionswahn – Stuwerviertel muss stabil bleiben!

Kreiml & Samurai  Die Rückkehr des Untiers
Kommt ja jetzt nicht sehr überraschend. Für mich sicher die Ö-Scheibm des Jahres inklusive gebührender Aufmerksamkeit, was mich extrem freut für die Brudolfs. „Das alte Liedchen“ ist jetzt schon ein All-Time-Classic, außerdem sind fast alle Dachse auf der Platte vertreten. Seit sie draußen ist, war jeder Gig wie ein Familienausflug mit HipHop Open als Höhepunkt.

Waving The Guns
Erst vor Kurzem entdeckt und sofort Feuer und Flamme gewesen. „Endlich wird wieder getreten“, „DU“, „Keine Lieder über Liebe“. Zünftige In-die-Goschn-Musik aus Rostock. Freu mich aufs Album!

A Tribe Called Quest  We got it from here … Thank you 4 your service
Mit viel Skepsis gekauft, ohne vorher auch nur eine Nummer vom Album gekannt zu haben. Meine Befürchtungen wurden zum Glück nicht wahr. „We The People“ als absolutes Highlight. Bis jetzt noch immer nicht satt gehört.

Audio88 & Yassin Hallelujah
„Schellen“ und „Weshalb ich Menschen nicht mag“ sind wahrscheinlich die zwei klügsten Nummern überhaupt zur Rassismusdebatte. Die real/fake-früher-warn-die-so-untergrund-blabla-Beschwerden der HipHop-ÖVP wirken da umso lächerlicher.

Sonstiges: Sigi Maron, ewig schod! Mostheadz! Franz Fuexe! Alles von K Ronaldo! Die JerMC-Battles (Ich will ja nicht spoilern, aber bist du!)

Top-5-Konzerte:
1) Kreiml & Samurai + Dachsmeute am HipHop Open , 2) Prezident im B72, 3) Anderson.Paak am Frequency 4) Audio88 & Yassin in der Grellen Forelle 5) Mostheadz im Chelsea

Top 5 Singles 2016, ausgesucht von Average

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Foto: Philip Kottlorz

Um Average war es 2016 eher ruhig. Vor der Bundespräsidentenwahl im Mai kam ein Video, in dem sich der Linzer unmissverständlich für kulturelle Aufgeschlossenheit und ein reibungsloses Miteinander ausspricht, im Sommer folgte dann im Zuge der Fußball-EM eine passende Nummer gemeinsam mit Kayo. Nächstes Jahr wird das anders, wie Average selbst verrät: „Was von meiner Seite kommen 2017 kommen wird? Ganz, ganz viel neues Material. Guten Rutsch euch allen!“ Und weiter: „Hätte mich ein anderes Magazin als The Message um eine derartige Liste gefragt, würde die vermutlich internationaler ausfallen. Hier hab ich mich jedoch darum bemüht, meine Top 5 aus der heimischen Musiklandschaft aufzustellen. War aber auch nicht einfach, ist ja viel Gutes gekommen 2016! Hier ein Versuch.

Yung Hurn & Rin – Bianco
Darf wahrscheinlich in keiner Auflistung fehlen, ist halt ein Überhit. Das Instrumental könnte es durchaus in viele internationale Rankings schaffen: Beat 2016, Lex Lugner! Auch Yung Hurn und Rin schaffen es, da dope drüberzugehen, die Hook is schwer aus dem Ohr zu entfernen.

Alex The Flipper – Wonder
Wenn schon aufs Alpenland konzentrieren, dann darf man zumindest den Rapmikrokosmos verlassen, denke ich. Alex The Flipper, „Wonder“, definitiv österreichisches Highlight in 2016 von einem der größten Talente hierzulande. Granate!

Texta – Kopfhelikopter
Für mich einer der most underrated Songs dieses Jahr. Der Beat ist top, den Inhalt kann ja wohl jeder mitfühlen und generell ist der Song im Großen und Ganzen sehr stark. Sie können’s noch immer!

Da Staummtisch – Geh Zuwa
Das neue Staummtisch-Album ist eine Empfehlung meinerseits. Die Jungs bleiben sich treu und beweisen seit einem Jahrzehnt, dass sie zu den ganz Guten in Österreich gehören. „Geh Zuwa“ repräsentiert zwar nicht die ganze Platte, fügt sich aber gut ein. Ein Hit. Solltest du kennen, sonst sudern!

Appletree – Skifahrer
Abgesehen davon, dass das Video zu dem Track in meiner Stadt gemacht wurde, gehört dieser Song ziemlich sicher in diese Liste. Unglaublich dopes Instrumental, doper Apple, der drüberfährt. Außerdem kann man nur hervorheben, dass nicht nur Skifahrer aus Österreich kommen. Siehst ja an dieser Liste!

Fünf Highlights 2016 für Young Krillin

young krillin

Young Krillin entsprang dem Hanuschplatzflow um Crack Ignaz, PIF PAF und Konsorten. Sein Stil lässt sich im Trap einordnen, mit einer ordentlichen Prise Selbstironie und Rap-Klisches. Sein Swag-Rap ist mittlerweile auch in Deutschland angekommen und hat dank des Movements eine stabile Fanbase bekommen. Das BergMoneyGang-Mitglied nutzt die Gunst der Stunde und hat diesen Sommer sein “Salamanderschnops”-Tape zusammen mit HPF-Rapper und Produzent Aloof: Slangin releast. Die Video-Premiere zu “Das Piff ft. FKN SKZ” gab es hier bei uns zu sehen. Im kommenden Jahr wird es eine gemeinsame EP mit FKN SKZ und dem Produzenten 101 geben, aber auch ein Solo-Release ist geplant, für das schon einige Tracks fertig sind. „Was danach kommt, weiß nur Gott tho„, kommentiert Young Krillin seine Pläne.

The Unused Word – 5 (the balance)
Kann ich jedem ans Herz legen, der auf alternativeren R&B steht. Teilweise wunderschön sanft, teilweise extrem catchy.

Hunney Pimp – Zum Mond
Ich feier die Kombination aus ruhigem Rap und echtem Gesang (nicht Rapflow-Singsang) extrem.

Trettmann – Kitschkrieg
Skyline“ war einfach einer der stärksten Songs heuer und auch insgesamt ist das eine Top-EP.

Hasan.K & Gringo – Gringo City
Für mich mit Abstand das beste Straßenrap-Album heuer. Gänsehaut.

Fid Mella – Å
Einfach ein perfektes Instrumental-Album. Hab das teilweise 10-mal am Stück hintereinander gehört.

Top-5-Konzerte:
Ich hab‘ 2016 gar nicht genug Konzerte gesehen, um eine Top 5 zu erstellen, aber wer nie enttäuscht hat, sind Scheibsta und die Buben. Ich hab‘ sie heuer glaub‘ ich 3-mal gesehen und kann das auch jedem weiterempfehlen.

Kreimls Top 5 Releases 2016

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Kreiml (li.) bei der Schweinehund-Releaseparty im Jänner. Foto: Niko Havranek

Gemeinsam mit seinem Schweinehund-Partner Samurai hat Kreiml Anfang des Jahres das Album „Die Rückkehr des Untiers“ releast – auch zu finden unter Monobrothers Highlights von 2016. Darauf wird gesudert, was das Zeug hält und die Suchtmittel sind das Zentrum in einem Leben, in dem das Versagen aussichtslos ist. Für kommendes Jahr haben die beiden Wienzeile-Mitglieder auch schon wieder was Neues angekündigt. Im Honigdachs wird gewerkt!

SSIO – 0,9
Ich hab‘ nur wenige Releases aus Deutschland dieses Jahr gehört. „0,9“ ist jedenfalls sehr fett geworden und hat bei mir vor allem den Anfang des Jahres immer wieder begleitet. Das Konzert in der Grellen Forelle war top.

Mostheadz – Direkt aus der Brennerei
Fette gemeinsame Live-Shows und fettes Release über den Dachs werden in Erinnerung bleiben.

Voodoo Jürgens – Ansa Panier
Bester Storyteller 2016.

A Tribe Called Quest  We got it from here … Thank you 4 your service
Mein Lieblingsalbum aus den Staaten das Jahr.

JerMc vs. Jack Dragon
Zwar kein Release aber trotzdem jedem, der die Written-Acapella-Battle-Szene verfolgt, wird der Name spätestens seit seinem Debüt bei „Dltlly“ gegen Jack Dragon ein Begriff gewesen sein. Vor Kurzem ein Hammermatch in Berlin abgeliefert. Hoff´auf weitere Massakers von JerMc.

Top 5 Konzerte:
K.I.Z. in der Arena
Kroko Jack beim Free Tree Festival
SSIO in der Grellen Forelle
Samy Deluxe am Donauinselfest
Monobrother beim Rap Against

Die Lieblingsplatten 2016 von Mosch

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Foto: Helena Wimmer

Mosch ist derzeit eigentlich mehr Produzent als Rapper, erst kürzlich hat er eine neue Instrumental-EP namens „7 the center“ veröffentlicht. Früher als Teil der HipHop-Formation Beatniks mit Mono:Massive und DJ Sight unterwegs, veranstaltet er jetzt einmal im Monat mit seinen Duzz-Down-San-Kollegen den Clubbduzz im celeste. Von diesem Wiener Label ist übrigens auch 2017 wieder viel zu erwarten: „Wir beginnen das Jahr gleich mit einer Überraschung, an die viele Heads schon nicht mehr so recht glauben wollten: Die Waxolutionists sind nach über acht Jahren wieder zurück mit einem Meisterwerk, das an die ganz großen Underground-Kracher á la „Smart Blip Experience“ nahtlos anknüpfen kann. Außerdem kommt PDF, der mit seinem letztem Album „Moos“ einen für Österreich untypischen Sound etablieren konnte, mit einer neuen Platte zu Anfang des Jahres zurück, die auf ein Neues zeigen wird, wie breit Duzz Down San auch 2017 aufgestellt ist und wie bestechend trotzdem die inhaltliche Qualität ist. Tsi und Prowax finalisieren gerade ein Beattape, damit wir endlich mal wieder eine Audiokassette releasen können und köcheln tut es bei Polifame, P.tah und The Unused Word, Restless Leg Syndrome und Von Seiten der Gemeinde. Es wird ein releaseträchtiges Jahr, so wie es aussieht.“

Oddisee – Alwasta
Bei Oddisee find ich die Entwicklung unpackbar gut. Stylemäßig zu einem unglaublich runden Album gereift, zeigt er sich in seiner Kunst wirklich angekommen. Lyrisch war er meiner Meinung eh schon immer top, aber jetzt baut er sich selbst auch noch die passende Unterlage, um das Ganze emotional auf den Punkt zu transportieren. Ich freue mich schon auf das neue Album, das schon wieder um die Ecke zu sein scheint. Work Ethics!

Sixfingerz – Endromidae
Sehr chilliges Instrumental-Album. Aus dieser Sparte Musik, die ich doch sehr viel höre, hat sich dieses Album am meisten bei mir eingebrannt. Dabei finde ich nicht mal zwingend jeden Track top notch, aber die Banger, die drauf sind, findet man 2016 nur noch schwer in dieser puristischen instrumentalen Leftfield-Romantik.

Atmosphere – Phishing Blues
Ich bin Atmosphere-Fan seit „Lucy Ford: The Atmosphere EP’s“ und auch wenn ich den poppigeren Sound der letzten Alben nicht immer feiern konnte, bin ich Slug auf Lebenszeit lyrisch verfallen. Umso mehr hat es mich gefreut, dass sich das Team auf „The Phishing Blues“ in meinen Augen auf seine Stärken, nämlich den doch soliden midwest HipHop-Ursprung zurückbesonnen hat.

Onry Ozzborn – Duo
Von Grayskul über Dark Time Sunshine bis hin zu seinen Solo-Projekten ist und bleibt Onry einer der umtriebigsten Künstler der amerikanischen Indie-Rap-Szene und nicht zuletzt wegen der filmreifen Video-Umsetzung von Duo muss er einfach mit in meine Top5-Liste. Zugegebenermaßen handelt es sich hierbei um ein recht sperriges Gesamtkunstwerk, aber wer es 2016 noch schafft, trotz aller Oberflächlichkeit sich in etwas hineinzuhören, wird definitiv belohnt.

Young Krillin & Aloof Slangin – Salamandaschnops
Young Krillin und Aloof Slangin haben ihr gemeinsames Tape Salamandaschnops dieses Jahr gedroppt und ich muss echt sagen, dass ich von der kompromisslosen Umsetzung begeistert bin. Diese fern verhallten Sax-Samples erinnern an frühe DJ-Krush-Tracks und sind zu dope, als dass man damit die breite Masse bedienen könnte. Aber das steht hier nicht im Fokus. Irgendwie ist diese ganze Generation so viel näher am abstract HipHop dran, als alles andere was wir hier in Österreich bisher zustande gebracht haben und das schätze ich sehr. Genauso wie die Menschen hinter diesem bunten Kollektiv, das den längst überfälligen Ruck in Österreichs totdogmatisiertes HipHop-Game gebracht hat. Swah.

Top5 Live-Momente
Ceschi – Wolkenvorhang/Rhiz
DJ Spinn – Blvze/Fluc
Mick Jenkins – Outlook Festival
Crack Ignaz & Friends – Arena Wien
Persian Empire – Clubbduzz/Celeste

Fozhowis Top 5 Releases von 2016

fozhowi

Wenn er nicht gerade für Rapper lesen Rapper auf der Bühne steht, steigt Fozhowi auch gerne mit Drk Poet und Def Ill in den Ring, um gegen whacke MCs, wankelmütige Produzenten, trendorientierte Clowns und Image-Rapper zu wettern. Mit ebendiesem Drk Poet sowie Alligatorman existieren die drei Hauptprotagonisten des “Voodoo Zoos”  seit nun mehr als zehn Jahren schon in der HipHop-Landschaft Österreichs, im März kommt dann neuer Output.

Mostheadz  Direkt aus der Brennerei
Wer das Erstlingswerk der Mostviertler „Auf CD“ kennt, wird erahnen können, warum dieses Album für mich heraussticht. Nicht nur, dass ich wieder für die Jungs als Haus- und Hofgrafiker bestellt wurde, ich bin auf „Direkt aus der Brennerei“ auch akustisch vertreten. (emotionale Bindung) Während der Arbeit am Cover hörte ich das Album mehrere Male durch (ca.10.000-mal) und ich würde es wieder tun! Warum? Es ist geil, macht mich stolz und, um es im Dialekt auszudrücken, „zahds ma jedesmoi an Grinsa auf, wenn i’s hea.“ Stoak.

Krank Spenca  Teifeskerl EP
Straight outta Strawa, hat mich Krank Spenca dieses Jahr schon einige Male überrascht. Zuletzt mit der Teifeskerl-EP, die mich nicht durch tiefsinnige Wortspiele oder super verschachtelte Technik überzeugt. Mich holt dieser Tonträger auf einer viel banaleren Ebene ab. Gerade Aussagen und die „delivery“ in meinem Heimatdialekt ist mir noch lange im Ohr geblieben. Unterlegt mit Beats aus den goldenen 90ern. Daugt!

Selbstlaut  In Theory you can hear me
Die jahrelange Freundschaft, diverse Feature-Tracks und mehrere Cover-Entwürfe verbinden mich mit Selbstlaut und seinem musikalischen Schaffen. Und hier könnte ich schreiben, dass die Texte direkt aus  der Seele kommen, die Instrumentals das Ganze stimmig machen und die Cuts alles abrunden. Das stimmt zwar, ist aber viel zu wenig. Beim ersten Anhören ist mir etwas passiert, das ich seit zehn Jahren nicht mehr erlebt habe. Mitten drinnen hat mich etwas getroffen, ganz tief. So Gänsehaut. Ich war derart ergriffen, sodass ich geheult hab‘ wie ein Schlosshund und es war wunderbar. Intense.

Huhnmensch & der Böse Wolf Tiere sind cool EP
Die drei sympathischsten Penner, die dich um Kleingeld anschnorren, höchstwahrscheinlich von der Bühne aus. Nein, Spaß beiseite, ich kann jetzt nicht genau sagen, warum für mich dieses Release heraussticht. Darum versuche ich ein paar Gehirnflatulenzen zusammenzufassen, die mir beim Hören so gekommen sind. Wienerisch ist ja gar nicht so bekackt. Tiere sind cool! Warum ist da kein Kamp-Feature drauf? Mit denen würde ich 1 Würstelstand-Sauftour machen. Warum isses jetzt schon aus? Wann kommt die Fortsetzung? Jetzt hab‘ ich Bock auf Dosenbier.

Des Weiteren: Fid Mella „Å“ / Kreiml & Samurai „Die Rückkehr des Untiers“ / Young Krillin & Aloof „Salamanderschnops“/ Svaba Ortak „Enter tha Dragon“ und und und. Zum Beispiel Rubberbandits / The Unused Word / A Tribe Called Quest / Reflex & Kapazunda

Top 5 Konzerte 2016
Definitiv Galv im B72, ich hatte länger nicht mehr so viel Freude, jemandem beim Performen zu sehen.
Mostheadz Releaseparty Böllerbauer  Unique Energy
Doz9 & TorkyTork wieder B72, ich bin halt ein S&S-Fanboy.
Ich glaube, ich war 2016 nicht mal auf fünf Konzerten, und wenn ja, sind sie mir nicht in Erinnerung geblieben.

Jahresrückblick von MILE

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Foto: Daniel Shaked

Vergangenes Jahr legte Tiefparterre-Signing MILE mit “Apple Juice and Lemon Trees” ein beachtliches Debütalbum vor. Im Mai folgte mit “Prmse (Episode 1)” eine mysteriöse Videosingle: Bildaufnahmen von hektischen Nachtstunden, untermalt von einem gewohnt sphärischen Melik-Beat, der eine Einheit mit dem stimmigen Gesang des Grazers bildet. Mit “durchlebte Nächte, verrauchte Studios, das ein oder andere Gläschen Gin. Der Rest sind Vibes und Girls und nochmal Girls”, beschreibt MILE die Zutaten seiner Trap-Soul-Entwürfe. Die mittlerweile auch international auf Anerkennung stoßen, wie das MILE-Feature auf der US-Seite Afropunk beweist.

Top 5 International

Noname – Telefone
Die Musik dieser talentierten junge Dame aus Bronzville, Illinois, fühlt sich an wie ein perfekter Sonntagmorgen, begleitet von beruhigendem Vogelgezwitscher und frischen Semmerln mit Butter und hausgemachter Marmelade. Mit einer Stimme, die jede gefrorene Autowindschutzscheibe dahinschmelzen lässt, brilliert sie spielend leicht auf ihrem gefühlvoll, soulig produzierten Debüt-Album “Telefon“. Ein Versprechen für die Zukunft.

Frank Ocean – Blonde
Seit dem Release seines hochgepriesenen Albums “Channel Orange“ ist es still um den geheimnisvollen R’n’B-Singer/Songwriter geworden. Sehr still sogar. Die Musikwelt fragte sich, ob wir überhaupt jemals wieder von diesem außergewöhnlichen Talent hören werden. Als die meisten von uns schon die Hoffnung verloren hatten, kehrte er zurück. Nicht nur das, er hat uns mit “Endless“ und “Blonde“ beschenkt. Das Video zur Single “Nikes“ wirkt wie die Compilation des wahrgewordenen Hollywood-Alptraums, in dem bewusst wird, dass alles zu bekommen, was man sich gewünscht hat, eine Leere erzeugen kann, die nicht mehr umkehrbar ist.

6lack – Free 6lack
Wenn wir schon von Leere reden, 6lack befindet sich auf seinem Debüt-Album “Free 6lack“ im freien emotionalen Fall. Er verarbeitet hier auf elf Tracks seine dunkle Realität und lässt uns Teil dieses schwarzgefärbten Labyrinths werden. 6lack repräsentiert eine verlorene Generation auf der Suche nach sich selbst. Den Schlüssel zum Erfolg hat er bereits gefunden, uns bleibt zu hoffen, noch viel von diesem Schattenwesen gleichenden Künstler zu hören.

Childish Gambino – Awaken, My Love!
Das Jahr 2016 verlief überaus gut für Donald Glover, auch bekannt als Childish Gambino. Er ist Gewinner des Emmy Awards als bester Schauspieler in der Kategorie Comedy für seine selbst entwickelte Fernsehserie “Atlanta“, hat die Rolle als Lando Calrissian für den kommenden “Han Solo“ Star-Wars-Film eingestreift und nebenbei eines der herausragendensten, experimentellsten Alben dieses Jahres veröffentlicht. Eine Omnipräsenz, die ihresgleichen sucht.

Chance The Rapper – Coloring Book
Es scheint, als würde alles zu Gold, was dieser Mann aus Chicago berührt, er ist wahrlich „Blessed“ und das hört man auch. Sein Werk “Coloring Book“ hat die Jury der Grammy’s dazu bewogen, zum ersten Mal seit Einführung dieser bedeutenden Award-Show ein Streaming-Only-Projekt als bestes Rap-Album des Jahres zu nominieren. Er hat damit die Chance, Geschichte zu schreiben. Chance The Rapper ist die Leitfigur einer immer stärker werdenden Front aus Independent Artists, die nach und nach neue Wege finden, unsere Musikindustrie zu revolutionieren.

Top 5 Österreich

Leyya – Butter
Es gibt wenige Bands, die es schaffen, modern und zeitlos zugleich zu klingen, Leyya reiht sich zweifellos in diese Kategorie ein. Das Duo besticht durch organische Produktionen, die gekonnt Synth mit analogem Handwerk verbinden, ein Sound, der sich anfühlt, als hätte jemand die Popmusic der 60er ins Raumschiff von Space Odyssee gepackt und einmal rund um die Galaxie geschickt. “Butter” ist ein weiteres Kind dieser wunderbaren Symbiose, ausgesandt, um die Rezeptoren der stetig anwachsenden Fangemeinde in Samt zu umhüllen.

Monophobe, Dandario & Jimmy Pé – Shizukesa
Ein Track, so entspannend und entschleunigend wie die Meditation eines hohen Zen Priesters, hier trifft hohe Kompositionskunst auf gediegenes Understatement. Die drei Protagonisten haben es geschafft, erhebende Melancholie zu kreieren, die sogar dem letzten Zyniker unter uns Freudentränen ins zufrieden lächelnde Gesicht zu zaubern vermag.

LIIA – Cocaine
Der Klang ihrer Stimme scheint auf die lieblichste aller Arten die gesamte Last unseres Daseins auf seinen Schultern zu tragen. Eine Schwere, die man förmlich spürt. Sie verleitet uns dazu, die eigenen Arme auszustrecken und dieses Gefühl in ewigen Trost betten zu wollen. LIIA und ihr Producer ”nothandsome” lassen mit ihrem Track die Zeit, in einem Sog aus rauchigen Erinnerungen der Vergangenheit, stehen. Wien, du bist gesegnet mit großen Künstlern.

LGoony – Heilig
Es scheint, als wäre es LGoony endgültig gelungen, die Avantgarde in den Cosmos des Cloud Rap zu implementieren. Aufwühlend auf eine Weise, wie nur ein Rapper, entstammend aus dieser Subkultur, zu vermitteln im Stande ist. LGoony hat ein gesamtes Genre auf eine neue Stufe der Evolution gehoben, diese Tatsache alleine macht ihn heilig.

Motsa – Colours feat. David Österle
Den Schlusspunk setzt der Virtuose unter den Wiener Synthkomponisten. Motsa hat dieses Jahr live brilliert, mit “Petricolour” sein eigenes Label gegründet und zur Zelebrierung des eingeschrittenen Weges in die künstlerische Freiheit eine EP releast, deren Niveau den musikalischen Zenit der vergangenen zwölf Monate darstellt. Motsa schafft es mit jedem seiner Werke, neue Höhen zu erklimmen und Sphären zu erreichen, die davor als unmöglich galten.

Im Jänner sind dann wieder wir dran und geben euch einen Überblick über die heißesten Releases im kommenden Jahr.

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