Gerappte Coolness von Huhnmensch und der böse Wolf // Review

huhnmensch
Fear le Funk // VÖ 25.05.2016

Tiere sind cool – und die Exemplare Huhnmensch und der böse Wolf (Interview HIER) gehören unbestreitbar dazu. Seit seiner ersten Kollabo „Wolfmensch und der böse Huhn“ ist bekannt, dass das Quartett gut harmoniert und so war es nur eine Frage der Zeit, bis die vier sich für eine ganze Platte zusammenraffen. Schon an der „Promo“ für die Platte bemerkte man einen Unterschied zu vielen anderen österreichischen „Untergrund“-Erzeugnissen: Die EP wurde tatsächlich beworben!

So viel zur oberflächlichen Betrachtung von „Tiere sind cool“. Inhaltlich zollen die drei Rapper (Huhnmensch, Emil F., der böse Wolf) und ihr DJ (Stanley Stiffla) zu einem großen Teil der Stadt Wien Tribut, dem Wohnort der Protagonisten. Das tun sie aber natürlich nicht wie Drake es mit Toronto tut, sondern mit einer typischen österr(ap)eichischen Bescheidenheit. Diese Regionalität ist auch der große Trumpf der Platte. Mit Tracks wie „Fuck the Mall“ wird durch das Bild des Betonklotzes in Wien-Mitte der Kommerz und Konsum angeprangert, ohne in abstrakte, belehrende oder gar klischeehafte Äußerungen zu verfallen.

„Fuck the mall, Fuck the mall, ich geh da nicht mehr hin/
doch ehe du dich versiehst, steckst du wieder mittendrin!“
(„Fuck the Mall“)

Die drei Rapper verteidigen ihr Revier gegen das „Loblied der Münze“. Die Stadtmauern des dritten Bezirks sind offenbar schon markiert worden. Auch der Solo-Track von Böser Wolf, „Stadtkind“, und vor allem der plattenabschließende Track „Seestadt“ – zu dem es eine The-Message-Videopremiere gibt – schlagen in die gleiche Kerbe. Kommt man von hier, ist alles, was die Jungs erzählen, absolut nachvollziehbar und macht Spaß.

Aber eben nur, wenn man aus Wien kommt oder sich in gewissem Maße mit der Stadt auskennt. Somit könnte der große Trumpf der Platte im Umkehrschluss auch zu einem Negativpunkt werden, da die mögliche Hörerzahl, die sich mit dem Gesagten identifizieren kann, somit begrenzt bleibt. Andererseits können Tracks wie „Stadtkind“ genauso auf andere Städte übertragen werden und „Fuck the Mall“ als Konsumkritik ist sowieso universal begreifbar.

„Was? Wien hat keine furchtbare Luft/
Ich stell‘ mich an den Gürtel, wenn ich einmal durchatmen muss.“
(„Stadtkind“)

Zudem besteht die EP nicht nur aus diesen drei Tracks. Das Plädoyer für die vermeintliche Coolness der Tiere beginnt wie jede gute Argumentation logischerweise mit einer These beziehungsweise der „Charles-Darwin-Antithese“. Und so machen sich die Tiere auf den Weg: von der Schlachtbank nach Aspern und wieder zurück. Nach der Aufforderung in Richtung Hörer, sich Popcorn zu holen, kann dieser sich im weiteren Verlauf der Platte österreichischen Rap auf höchstem Niveau anhören. Einziger Mangel ist, dass man die Rapper manchmal nicht zur Gänze versteht. Was man versteht, kann sich jedoch hören lassen. Sonst kommt das alles supersmooth rüber, die Beats sind fett, die drei Rapper harmonieren und über Reimtechnik und Punchlines brauchen wir gar nicht zu diskutieren. Auf dem sehr starken „Der eigene Stand“ darf auch Kollege Fant ins Rudel einsteigen und von der finanziellen Unabhängigkeit als Imbiss-Betreiber mitträumen.

„Das hier ist Kebab-Rap, scheiß auf’s Release-Date
Wien lebt! Solang‘ Fleisch sich am Spieß dreht!“
(„Der eigene Stand“)

Fazit: Damit, was die „drei vermenschlichten Hühner“ mit dem „Star der Rotkäppchensaga“ da zusammen zwischen Seestadt und „The Mall“ zusammengebraut haben, errappen sie sich locker ihren „eigenen Stand“ im durchwachsenen Österrap-Dschungel. Mit ihrem unkomplizierten Wiener-Rap und der DIY-Einstellung gepaart mit dem erfrischenden – weil seltenen – Maß an Professionalität schaffen sie es, aus der Österrap-Blase auszubrechen und machen einfach eine richtig gute Deutschrap-Platte.

3,5 von 5 Ananasse
3,5 von 5 Ananas
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