Ground(Hip)Hopping – DLTLLY 1st Birthday

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Fotos: Lisa-Marie Witting

„Don’t Let The Label Label You“ feiert Geburtstag! Ein Jahr besteht die Acappella-Battleliga in Deutschland nun schon. Hinter dem Erfolg stehen die beiden UK-Rapper Jolly Jay & H2O. Inspiriert von der britischen Battleliga „Don’t Flop“, haben sie nun auch in Deutschland Acappella-Battles weitgehend etabliert und leisten damit ihren Beitrag zum Popularitätsgewinn von Rap in Deutschland. Die Youtube-Videos weisen eine Vielzahl an Klicks auf -und Qualität ist bei dem schnellwachsenden Event ein wichtiges Kriterium.

„Bei uns werden die Writing Skills unter Beweis gestellt. Ein guter MC muss gut schreiben können.“

Ein Event, das ich aufgrund des örtlichen Unterschieds normalerweise nur über meinen Computerbildschirm verfolgen kann. Doch diesmal nicht. Der sehr vergängliche „Oida-da-muss-ich-hin“ Gedankengang blieb zu meiner eigenen Überraschung nicht nur ein kurzer Begeisterungsschub. Aufgrund des Hammer-Line Ups entschied ich mich kurzerhand, einen Flug zu buchen.  Der Vergleich zu einem kleinen Mädchen, das kurz davor ist, den Stars seiner Lieblingsserie zu begegnen, ist hier nicht zu weit gegriffen. So viele bekannte Gesichter, die man teilweise seit Jahren über den Bildschirm verfolgt (z.B. bei Rap Am Mittwoch). Die Location – sehr Berlin typisch – in einem Innenhof eines Backsteinhauses in Wedding. Eine sehr gemütliche, fast schon familiäre Stimmung herrschte schon vor Beginn der Battles im Club. Diese Atmosphäre wurde durch den Zeitpunkt der Veranstaltung begünstigt, denn die Battles fanden nicht etwa spätabends statt, sondern untertags – großes Plus! Bei der einführenden Cypher zeigte sich ein gewisser Qualitätsunterschied zu unserer Rapgemeinde. Auch hier sah man bekannte Gesichter wie z.B. Master Marv & Hansen, die gekonnt ihre Freestyleskills unter Beweis stellten. Und dann war es endlich so weit: Die Menge richtete ihre Aufmerksamkeit auf die Mitte des Raumes, denn was DLTLLY von vielen anderen Battles unterscheidet, ist, dass die Konfrontationen nicht auf der Bühne stattfinden. Jolly Jay & H2O erklären dies so: „Wenn möglich, setzten wir die beiden MCs mitten im Raum gegeneinander so, dass sich um sie ein Menschenkreis bildet. Dies zeugt eine intime Atmosphäre, wie bei früheren Street Battles.“

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Viel zu viele Worte will ich gar nicht über die Battles verlieren, denn die Spannung soll ja noch vorhanden sein, wenn die Videos auf dem DLTLLY-Youtube Kanal veröffentlicht werden. Eins kann ich aber vorwegnehmen: die Stimme vom Chief ist in echt genauso ohrenbetäubend wie in den Videos. Ganz umkommentiert kann ich die Ereignisse dieses besonderen Tages aber nicht lassen. Mit dem ersten Battle, George Midas vs. RV wurde schon der Ton für den restlichen Tag angegeben. Gut durchdachte Punchlines, teilweise sehr konzeptuell gestaltete Runden von George Midas, legten die Messlatte für die nächsten Battles richtig hoch. Nur die Probleme mit den Funkmikrofonen verursachten beim ein oder anderen (und vorallem den Veranstaltern) besorgtes Stirnrunzeln. Doch hier bewiesen die MCs ihrerseits absolute Professionalität und Stimmvolumen, denn das Battle (und auch alle restlichen des Abends) wurde einfach ohne Mics ausgeführt. Die Crowd bedankte sich im Gegenzug mit äußerster Disziplin und Stille. Das anschließende Battle zwischen dem jungen Bdad und Juskah kam nicht ganz an das Niveau des Eröffnungsbattle ran. Doch unterhaltsam blieb es trotzdem. Es gab im Grunde kein einziges schlechtes Battle. Die einzigen richtigen Enttäuschungen waren Rino Mandingo & Johnny Rakete. Merklich unvorbereitet und unter ihrem tatsächlichen Niveau, präsentierten sich die beiden im 2on2 gegen die hochamüsanten und zum Schreien komischen Onkel Oktomusch & Die Zwetschge.

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Für eine positive Überraschung sorgten (Überraschung!) Nedal Nib & Doktor Dave. Ich muss zugeben, dass ich diesem Battle anfangs recht skeptisch gegenüberstand, doch die beiden beeindruckten mit witzigen und durchdachten Lines. Vor allem die zweite Runde von Doktor Dave war eines der Highlights des Abends. Auch der in der Jury Sitzende SSYNIC stimmte damit überein und meinte, dass er live selten so viel gelacht hätte, wie bei Daves zweiter Runde. Bong Teggy & Papi Schlauch glänzten beide mit guter Leistung und sorgten für die knappste Entscheidung des Abends. Man kann’s nicht oft genug sagen: die Qualität war richtig richtig hoch. Kaum Chokes, viel Real-Talk, aber auch reichlich Mütter & Freundinnen wurden gef***t. Auch Mos Probs anwesende Verlobte (die unter dem Namen „Rapunsell“ selbst rappt) musste unter dieser Tradtion leiden. Denn im englischsprachigen Battle des Abends nahm sich Mos Probs Gegner, Nils w/ Skills, kein Blatt vor den Mund. Religion & Freundin des Gegners wurden gekonnt degradiert und auch ein paar Tipps zur bevorstehenden Hochzeit wurden gegeben. Aber  das soll nicht heißen, dass Mos Prob nichts entgegenzusetzen hatte. Es fand ein heftiger Schlagabtausch statt, den die Anwesenden zumindest zur Hälfte verstanden.

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Jack Dragon & Buddi lieferten sich einen Showdown, in dem es humorvoll darum ging, wer jetzt eigentlich der richtige Asiate sei. Für den Abschluss sorgten Merlin & Schote. Die Jury, die bis dahin einen richtig guten Job gemacht hatte, fällte bei diesem letzten Battle eine strittige Entscheidung. Die Reaktion der Crowd bei der Urteilsverkündung bewies mir, dass ich mit meiner Gefühlslage nicht allein dastand. Damit ging ein raptechnisch glanzvoller Abend zu Ende. Respekt an die Jungs von Don’t Let The Label You und alle Teilnehmer: Das war Top-Notch Battlerap. Und nochmal zur Erinnerung: Alle Videos werden demnächst auf dem DLTLLY Youtube Kanal hochgeladen (und genug Material, um sich bis dahin mit der Materie zu befassen ist allemal vorhanden). Ein kräftiges Happy Birthday von Wien nach Berlin!

(JM)

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