GENETIKK wie immer: „Spicy Tuna“ // Audio

Gewohnheitstiere im negativen Sinne: GENETIKK
Gewohnheitstiere im negativen Sinne: GENETIKK

Als GENETIKK 2010 ihren Free-Release „Foetus” in den Untiefen des Internets platzierten, ahnten sie wohl selbst nicht den Hype, der sie in den nächsten Jahren erwarten sollte. „Foetus“ war ein starkes Mixtape, das textlich, technisch und musikalisch zwar unausgereift, aber sympathisch und eigenständig wirkte und schnell auf ungemein positive Resonanz gestoßen war. Im Saarland könnte ein neuer Wind bezüglich Straßenrap wehen, waren sich so ziemlich alle einig. Weil Elvir Omerbegovic der Wirbel um GENETIKK nicht verborgen blieb (und er ein geschickter A&R ist), holte er die beiden zu Selfmade Records. Über das Düsseldorfer Label folgte 2012 der Release von „Voodoozirkus”, dem vielleicht besten GENETIKK-Album.

Ein für die Zukunft nicht zu revidierendes Urteil, kochten GENETIKK auf den folgenden Alben ihr bewährtes Rezept immer auf ein Neues auf. „D.N.A.“ war sogar noch ganz nett, aber „Achter Tag“ künstlerisch belanglos bis ärgerlich. Weiterentwicklung ist das Zauberwort – und für Rapper Karuzo, der mittlerweile stark hemmend auf die Fähigkeiten seines Produzenten Sikk wirkt, ein Fremdwort. Da wären nicht nur seine limitieren Skills als Rapper, sondern seine zwanghafte Vorstellung, unbedingt „Kunst“ in allen Belangen kreieren zu müssen. Inhalt null, Hauptsache cool. Dass dafür ein tägliches Studium der Hypebeast-Seite nicht ausreicht, sollte eigentlich klar sein. Andererseits stört sich kaum jemand an der grausamen Aneignung der A$AP-Mob-Ästhetik. Somit machen GENETIKK (oder Marketingfuchs Elvir Omerbegovic) alles richtig. Die Verkaufszahlen sprechen schließlich eine eindeutige Sprache,  die Konzerte sind ebenfalls gut besucht. Aus dieser Perspektive wären GENETIKK/Selfmade Records geradezu töricht, etwas an dieser Strategie ändern zu wollen. Und deswegen klingt der neue Track „Spicy Tuna“ genau so, wie man sich einen GENETIKK-Track vorstellt. Das Talent, drei Minuten lang inhaltslosen Quatsch von sich zu geben, ohne rot vor Scham anzulaufen, muss Karuzo zweifelsfrei attestiert werden – mit Maske sind diese Emotionen allerdings leicht zu kaschieren.

„Spicy Tuna“ besticht daher durch einen einfallslosen Möchtegern-RZA-Beat, der den Raps trotzdem meilenweit überlegen ist. An das pseudo-künstlerische Element hat Karuzo natürlich gedacht, werden auf „Spicy Tuna“ zahlreiche Namen von renommierten Rockbands eingestreut, um die Zielhörerschaft mit einem breiten musikalischen Horizont zu beeindrucken. Der zudem Einfluss auf das Logo des Artworks nimmt, das ganz im Stile Metallicas gehalten ist. Vielleicht handelt es sich dabei sogar um eine Hommage. Ein Mysterium, welches sie infolge der Promophase zu ihrem kommenden Album bestimmt ausgiebig thematisieren werden. Statements der Marke „James Hetfield und Lars Ulrich haben mein Leben verändert!“ böten sich dann an. Vergleiche mit Lars Ulrich, der seine großen Tage als Musiker hinter sich hat (Stichwort „St. Anger“), können tatsächlich gezogen werden. Welch Zufall!

Am 22. Juli spielen GENETIKK am HipHop Open Austria in Wiesen.

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