Fettes Brot – Ein Konzertbericht

Fettes Brot gehören seit 20 Jahren zu den Konstanten der deutschen Popmusik: ihr kürzlich veröffentlichtes siebtes Studioalbum schaffte es so wie fast alle vorangegangenen Alben in Deutschland, Schweiz und selbst in Österreich in die Charts. Dabei gelingt den drei Hamburgern ein erstaunlicher Spagat zwischen eher sinnbefreiten Texten, elektronischer Tanzmusik und politischer Message sowie der Verbundenheit zur HipHop Kultur. Davon konnte man sich auch letzten Freitag in einem fast ausverkauften Wiener Gasometer überzeugen …

fettes brot im gasometer

Im Publikum ist ein bunter Mix von 16- bis gut 40-Jährigen zu finden, Geschlechterverhältnis 50:50.  König Boris, Björn Beton und Dokter Renz betreten bereits gegen 21 Uhr die Bühne und wirken am Anfang des Konzerts noch etwas geschlaucht. Schließlich spielten sie ja am Vortag noch in Dresden. Im Laufe des fast zweistündigen Konzerts leben sie aber auch dank ihrer vierköpfigen Liveband immer mehr auf. Dabei dominiert nicht weiter verwunderlich das Repertoire aus dem aktuellen Album mit dem programmatischen Titel „3 is ne Party“, wobei die beiden bisherigen Videoauskopplungen „Echo“ und „Kannste kommen“ auch beim Wiener Publikum die größte Popularität genießen dürfen.

Das neue Album erinnert in der Livedarbietung sowohl soundtechnisch als auch textlich stellenweise stark an die aktuellen Deichkinder, stellenweise wird man für diesen Gedanken dann wieder gestraft. Klar ist aber, dass man die breiten Massen nicht verachtet, sondern sie zum Mitsingen bringen will. Natürlich gelingt das der eloquenten Livebesetzung auch in Wien. Nachdem die Akkustik, wie für das Gasometer gewöhnlich maximal durchschnittlich ist, ist dieser Umstand auch von Vorteil: denn sofern man die drei Rapper nicht versteht, kann man noch immer den zahlreichen Mitschreienden Aufmerksamkeit schenken. Auch sonst machen Fettes Brot zum wiederholten Male deutlich, dass sie Teil des besseren deutschen Pop sind. Sie spielen dabei in einer Liga mit den Fantastischen Vier, den Ärzten oder Seeed und füllen und vergnügen dabei relativ problemlos die deutschsprachigen Hallen. Jeder Jugendliche wird zumindest ein, zwei Nummern aus der zwanzigjährigen Bandgeschichte kennen. „Nordisch by nature“, „Jein“, „The Grosser“, „Emanuela“, „Da draussen“ und zu guter Letzt „Schwule Mädchen“ durften dann auch im Gasometer nicht fehlen.

Gleichzeitig wirkt es nicht aufgesetzt, sondern viel eher authentisch, wenn sie einige deutsche Rapnummern mit Unterstützung ihrer Liveband imitieren und dieses Medley einleitend dazu noch als Liebeserklärung titulieren. Die Titel: Reimemonster (FerrisMC & Afrob), Mein Block (Sido), Chabos wissen wer der Babo ist (Haftbefehl), Fremd im eigenen Land (Advanced Chemistry), Easy (Cro), Sie ist weg (Fantastischen Vier), Weck mich auf (Samy Deluxe), Türlich türlich (Das Bo), Leider geil (Deichkind) oder Rock on (Absolute Beginner). Und hier schließt sich dann auch wieder der Kreis: Vor 20 Jahren mussten sie Torch in der Viva-Sendung „Freestyle“ noch erklären wer sie sind und was sie denn so machen. Beim Wiener Konzert anno 2014 reagiert im Gegensatz zu den anderen angespielten Deutschrap-Nummern niemand sichtbarer auf die Zeile „Ich habe einen grünen Pass mit ´nem goldenen Adler drauf, doch bin ich fremd hier.“ Zu diesem Zeitpunkt sind die Proteste gegen den sogenannten Akademikerball übrigens noch im Gange. Fettes Brot dissen ihn bereits zu Beginn ihres Konzerts… friedlich wohlgemerkt. Um Punkt 23 Uhr gehen jedenfalls die Boxen aus und ein weiteres erfolgreich absolviertes Konzert des Hamburger Trios ist Geschichte.

(JB)

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