Das Gsindl trumpft auf // Droogieboyz, Esref & Vearz live

Droogieboyz
Die Droogieboyz mit der obligatorischen Wiener Landesflagge.

Als Ersatz für die aufgrund von originellen behördlichen Bestimmungen abgesagten Auftritte in Graz, Traun, Wörgl und Klagenfurt (hier unser Bericht dazu) haben die Droogieboyz zum Abschluss ihrer „Gemeindebau Flava“-Tour ein Zusatzkonzert in der Wiener Simm City organisiert. Wie bei den zuvor gespielten Konzerten bekommen Richy und Guilty Support von Esref und Vearz, die mit „A Hackla | Du Wappla“ beziehungsweise „Radio 66.6 III“ jeweils kürzlich Projekte releast haben. Beim Eingang in die geräumige Konzerthalle müssen sich sämtliche Besucher einer Einlasskontrolle unterziehen, auch rund um die Bühne stehen einige Securitys. Bevor die Show beginnt, ist die Bühne durch eine große Leinwand verdeckt, auf der die Termine künftiger Veranstaltungen der Simm City eingeblendet sind. Die Konzerthalle füllt sich zunehmend, wobei zahlreiche Besucher in DBZ-Merch gekleidet sind, vereinzelt sind auch Rapid-Fanartikel zu sehen.

Mit Unterstützung von DJ DaBeRtL und Back-up Linci betritt Vearz als erster Act die Simmeringer Stage. Gleich zu Beginn instruiert er das teils nicht HipHop-affine Publikum über gängige Moves und fordert auf: „Gebt’s die Asteln auffe!“ Leider fällt ab dem ersten gespielten Track ein katastrophaler Sound auf, der sich über das gesamte Konzert zieht – die Beats erklingen viel zu dumpf und undeutlich, was teils der Akustik der hohen Halle geschuldet sein könnte. Vearz versucht, die offenbar hauptsächlich für die Droogieboyz erschienenen Besucher mit Schmäh zu begeistern. Mit Vodkaflasche in der Hand wird er in weiterer Folge mit lauten Aufforderungen – „sauf es aus!“ – vom Publikum sowie seinem Back-up zum Tschechern animiert. Vearz, den vergangene Woche „die Grippe bissl g’fickt hat“, widersetzt sich jedoch und nimmt vernünftigerweise zunächst nur einen kleinen Schluck vom Hustensaft. Als der Austria-Anhänger „Gfrast“ performt, grölen viele der überwiegend Rapid-affinen Gäste bei der Line „I bin a Violetter mit am grünen Daumen“ besonders laut mit. Weiters spielt der Floridsdorfer Rapper die humoristisch gehaltenen Tracks „Bertl gib Stoff“ sowie „Imma Blada„. Nach einer Hommage an die „Großfeldcity“ sowie einer kleinen Mundart-Reggae-Einlage verlässt Vearz unter Applaus die Bühne. Als die Leinwand erneut für einige Minuten ausgerollt wird, sind lautstarke Droogieboyz-Sprechchöre sowie einige weniger nette, an die Kieberei gerichtete Worte zu vernehmen.

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Foto: Alexander Mach

Als Nächstes kommt Esref, der als „Simmeringer Glotzntiak“ ein Heimspiel hat. Er zeigt sich gut gelaunt und performt enorm energiegeladen, sucht dabei laufend die Interaktion mit dem Publikum. Sein Set, bei dem Eastblok-Kollege Amir Sharif assistiert, startet mit der offensiven Nummer „Rest kennts eich ghoidn„. Esref behält die anfangs gebotene Intensität bei, legt mit „Schmuckstickl“ sowie dem brachialen „Unkraut Vageht Ned“ nach. Auf den 1110-Representer folgt lautes Gejohle aus dem Publikum, teils unterlegt mit „Si-, Si-, Simmering“-Rufen. Esref reagiert mit einem breiten Grinser und lobt die Besucher: „Ihr seid’s a hinniges Publikum – oida, des is a Wahnsinn!“Anschließend performt er den zweiten Part des Tracks „Imma no fia mi“ in Doubletime. Esref, der in der Jugend als Breakdancer aktiv war, fragt anschließend nach anwesenden B-Boys, Sprayern und DJs, ehe er sich für einige Sekunden als Beatboxer versucht. „Des wor’s, mehr konn i ned“, lautet seine baldige Einsicht. Insgesamt präsentiert er sich als guter Live-MC, der seine Parts akkurat abliefert und zwischen den Tracks stets entertaint. Nach dem obligatorischen „Glasscherb’n Tanz“ sowie einem kurzen Techno-Intermezzo verabschiedet sich der motivierte Rapper mit einem unveröffentlichten A capella. Dieses ist Johann Kastenberger aka „Pumpgun-Ronnie“ gewidmet, der in den 1980er-Jahren als Bankräuber und Mörder eine beachtliche kriminelle Karriere hingelegt hat.

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Nach einer kurzen Pause, in der lautstark diverse Rapid-Fangesänge gesungen werden, starten die Droogieboyz ihren engagierten, knapp zweistündigen Auftritt mit „Niemois“ und „Schleich di“. Zwischen den gespielten Tracks präsentiert sich vor allem Guilty extrem energisch und stachelt die ohnehin schon motivierten Besucher weiter an. Oftmals brüllt er „scheiß ma drauf“ ins Mikrofon, was in routinierter Running-Gag-Manier vom Publikum stets mit einem lautstarken „hoid die Goschn!“ quittiert wird. „Oidspotz“ Richy wirkt im Kontrast dazu ruhig und verwendet vergleichsweise besonnene Worte. Er erwähnt etwa die amtlichen Barrikaden bei Konzerten außerhalb Wiens und ehrt demzufolge die extra fürs Konzert aus den Bundesländern angereisten Heads. Die beiden Rapper bekommen daraufhin auf der Bühne Unterstützung von einem im Morphsuit gekleideten, mit einer Wiener Landesflagge bewaffneten Alien. Sie spielen zunächst weitere brachiale Nummer wie „Ready II Fight“ oder dem der Exekutive gewidmeten Track „Kibara“. Daraufhin hallen – ohne Aufforderung der Droogieboyz – beachtlich laute „Bullenschweine“-Chöre durch die Simm City. Die Parole taugt als verbaler Hybrid-Angriff, zumal am Tag nach dem Konzert das Bundesliga-Heimspiel vom SK Rapid gegen Red Bull Salzburg (0:1) angesetzt wurde. Richy, der seit er 15 Jahre alt ist, regelmäßig die Matches von Rapid besucht, leitet zur nächsten Nummer „krpts Österreich“ weiter: „Ihr wisst’s es eh, die Heh scheißt uns immer eine!“

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Auf die durchwegs harten Tracks folgt mit „Gusch Bua Oide Her“ leichtlebigeres Material, ehe die Droogieboyz in den nächsten Minuten Falco huldigen. Guilty widmet ihm einige anerkennende Worte und kritisiert die „Oaschkreula, die jetzt a Doku drehen, aber damals deppat waren.“ Daraufhin erklingt ein Medley aus einigen bekannten Falco-Nummern – von „Der Kommisar“ über „Vienna Calling“ zu „Ganz Wien“ – die allesamt lautstark mitgesungen werden. Die Droogieboyz setzen ihre Show anschließend mit dem Pücha-Track „DBZ“ fort. Nach einem ausgedehnten Stuwerviertel-Intermezzo zündet jemand im Publikum unter viel Beifall einen Bengalo, bevor es zu einem kleinen Gerangel kommt. Richy und Guilty beruhigen die Gemüter rasch und fordern ein „leiwandes, romantisches Licht“ für den vergleichsweise sanften Track „1 Raw 2 Sick„. Guilty performt daraufhin ein paar Solo-Nummern aus seinem Album „Schuidig„. Für „Geh Ma Ned Am Oasch“ kehrt Esref inklusive Special Guest SemKoo auf die Bühne zurück. Auch Vearz meldet sich zurück, um seinen Part von „Xindl Musi 3“ zu performen – mit folgenden animierenden Worten: „Asteln auffe, Tuttln ausse!“ Das Konzert endet mit den Nummern „Gemeindebauflava“ und „Wien„, ehe die Besucher ein letztes Mal lautstark Rapid-Fangesänge anstimmen.

Fazit: Die Droogieboyz, Esref und Vearz haben sich merklich um unterhaltsame Auftritte bemüht, stets gut eingeheizt und ihre Tracks grundsolide performt. Der suboptimale Sound stellte für das nicht durchwegs HipHop-versierte Publikums kein großes Problem dar. Es herrschte eine heitere und weitgehend friedliche Atmosphäre, die Wünsche der Besucher wurden somit erfüllt.

Weitere Fotos vom Konzert:

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© Alexander Mach

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© Alexander Mach

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