„Popmusik für echte Rapfans“ // Drk, Foz & Alligatorman Interview

Drk Poet, Fozhowi und Alligatorman (v.l.n.r.) im Badezimmer // Alle Fotos: Niko Havranek

Nachdem Drk Poet, Fozhowi und Alligatorman für viele Jahre als befreundete Soloartists aktiv waren, treiben sie seit geraumer Zeit ihr Unwesen als „Österreichs dreckigste Boygroup“. Das Trio liefert technisch versierten Mundart-Battle-Rap, wobei neben talentlosen Rapper-Kollegen auch wiederholt korrupte Politiker beziehungsweise der gesamte Machtapparat ins Punchline-Visier geraten. Im Jahr 2014 haben sich Drk, Foz & Alligatorman mit ihrem gemeinsamen Erstlingswerk „VooDooZoo„, auf dem sie brachiale und unverblümte Tracks mit einigen humoristischen, leichtlebigen Nummern ergänzen, in den Kreis der heimischen Mundart-Rap-Elite gehievt. Am 17. Mai veröffentlichen die Honigdachs-Künstler ihre zweite LP „Himalaya versus Leichenberg“. Im Interview mit The Message, das im Rahmen einer Pre-Listening-Session entstanden ist, sprechen Drk, Foz & Alligatorman über die Hintergründe zu ihrem neuen Album, eine besonders dubiose Schwarzgeldaffäre sowie die Rolle des Dialekts in Österreich.

The Message: Auf eurem neuen Album schlüpft Fozhowi in die Rolle von „Heinrich Himalaya“, Drk Poet mimt „Lord Leichenberg“. Wollt ihr die beiden Gestalten mal vorstellen?
Foz: Ich red‘ mal für’n Heinrich. Wie der Name schon sagt, ist er ein Bergfex. Ich kann nicht die gesamte Geschichte erzählen, das würd‘ den Rahmen sprengen. Im Endeffekt ist er der legitime Nachfolger von Kaiser Franz Josef, weil er aus Bad Ischl kommt und weil sei‘ Urgroßmutter eine Kammerzofe war. Der Kaiser hat dort im Sommer immer Kururlaub g’macht hat und Ischl war damit die Zweitresidenz neben Wien. Aus der Liaison ist letztlich Heinrich als rechtmäßiger Thronfolger von Kaiser Franz Josef entstanden.

Wollt ihr etwa die Monarchie pünktlich zum 100-Jahr-Jubiläum auferstehen lassen?
Foz: Ganz genau! (alle lachen)
Alligatorman: Wir haben marketingtechnisch alles ausgecheckt.
Drk: Also Lord Leichenberg stapelt einfach gern‘ Leichen, das ist sein Faible. Er ist das Pendant zu Heinrich Himalaya. Eigentlich kann man – um etwas Verwirrendes zu sagen – behaupten, dass Heinrich Himalaya in Lord Leichenberg existiert und umgekehrt. Es ist wie Shiva.
Foz: Das Gute und das Böse.
Drk: Der Zerstörer und der Bauer.
Foz: Die Vernunft und das Chaos.
Alligatorman: Auf dem Outro-Track „Staub“, bei der es um Sternderl geht, zeigt sich am besten, wie die beiden Charaktere ticken. Da fährt Lord Leichenberg die analytische, naturwissenschaftliche Schiene, während Heinrich Himalaya fast schon esoterisch-spirituell unterwegs ist.

„Himalaya versus Leichenberg“ impliziert auch, dass die beiden Figuren gegeneinander antreten, sich battlen. Inwieweit kommt das vor?
Drk: Trotzdem sind wir eins. Es ist eine Symbolik dafür, Wertesysteme zu kolportieren oder überhaupt zu vernichten, damit beides in einem existieren kann.
Foz: Was heißt das?
Drk: Wie es Friedrich Nietzsche gesagt hat. Wertesysteme sind zum Scheitern verurteilt, weil sie nach dem Herrschaftsgefüge ausgerichtet sind: Gut und Böse, Oben und Unten. Im biologischen Sinne und nach der Verhaltensforschung sind uns sämtliche Wahrnehmungen ja eigentlich angeboren.
Alligatorman: Generell ist das Thema Wahrheit besonders interessant. Es ist eine brennende Frage, in welchem Framework Wahrheit existiert.
Drk: Wir sind auf jeden Fall das Gute, nicht das Böse.
Foz: Das kommt auch wieder auf den Blickwinkel an …

Apropos Blickwinkel: In einem alten Pressetext von euch steht, dass ihr den Anspruch habt, „unkonventionelle Blickwinkel“ zu vermitteln. Was hat es damit auf sich?
Foz: Ja, das ist schön gesagt.
Drk: Das haben wir geschrieben, nachdem wir von Monobrother dazu gedrängt wurden, endlich eine Bandbiografie abzuliefern. Wir wollten damit den Mono provozieren, uns eine zu schreiben.
Alligatorman: Wir machen definitiv keine Popmusik und ich glaub‘, dass der Rap der beiden auch nicht unbedingt der 0815-Scheiß ist.
Drk: Wir machen Popmusik für echte Rapfans!
Alligatorman: Es ist kein wirklich zusammenhängendes Ding. Es ist zwar ein spezieller Soundteppich, aber thematisch hängt das überhaupt nicht zusammen.
Drk: Ich find‘ gerade das das Schöne, weil es wirkt teilweise so pathetisch, auf einem Konzeptalbum nach einem roten Faden zu fungieren. Ich find‘ wenige Konzeptalben entsprechend gut oder akkurat.

Also würdet ihr „Himalaya versus Leichenberg“ nicht als Konzeptalbum bezeichnen?
Drk: Na, absolut ned! Eher so „Fight Club“-Filmschnipsel in irgendeinem Film hineingeschnitten.
Foz: „Sound of Music“ versus „Die 60 Tage von Sodom“ (alle lachen).
Alligatorman: Wir haben über fast jede Zeile g’stritten. Auch beattechnisch hab‘ ich eine schwere Zeit g’habt.
Foz: Alleine der Titel war ein Zwei-Jahres-Prozess.
Drk: Wir hätten’s auch „Die Schöpfungskrise“ nennen können.
Foz: Es hätt‘ echt paar gute Titel gegeben, zum Beispiel „Kniatiaf im Blut“
Drk: Was von mir: „Vehement bis zum Schluss“
Alligatorman: „Hart am Index“
Drk: Heinrich Himalaya hat lauter Namensvorschläge gebracht, wobei einer schlechter als der andere war.
Foz: Ich war kreativ!

Der Track „Weißes Hemd“ handelt von einer Schwarzgeldaffäre rund um den Österreicher Wolfgang U., der 2010 eine Steuer-CD sowie die Kundendaten einer Schweizer Bank an deutsche Steuerfahnder verkauft hat und sich einige Zeit später in Haft das Leben genommen hat. Wie kommt es dazu, dass ihr euch ein paar Jahre später so intensiv damit auseinandersetzt?
Drk: Gute Frage, man liest ja wirklich täglich Berichte über diverse Sachen. Ich bin damals aus Finnland zurückgeflogen und in Flugzeugen gibt’s eben massenweise Zeitungen. Die G’schicht wurde von der Frankfurter Allgemeine Zeitung erwähnt. Ich hab‘ dann ein bisserl recherchiert und fand’s komisch, dass zu diesem Zeitpunkt weder österreichische Zeitungen noch die APA Informationen dazu hatten. Mich hat die Story dann brutal g’flasht. Der Bundesnachrichtendienst hat sich damals in Baden-Württemberg ein Finanzamt geschnappt, für einen Monat gekapert und von dort aus diese Zahlungen getätigt. Man hat quasi mit Schwarzgeld für eine Schwarzgeld-CD bezahlt. Wolfgang U. ist in den Häfen gegangen, weil ein Bankangestellter gesagt hat: ‚Okay, Sie haben über eine Million Euro am Konto liegen.‘ Ab 50.000 Euro musst du rechtfertigen können, wo das herkommt. Der Bankangestellte musste die Finanzpolizei verständigen. Der Typ ist dann einige Monate und ohne, dass Angehörige etwas mitgekriegt haben, in Untersuchungshaft gesessen. Heute steht explizit, dass er den Österreichern und den Schweizern gesagt hat, nicht zu wollen, dass Angehörige verständigt werden. Das find‘ ich schon ziemlich dubios.
Foz: (lacht). So ‚Hey, ich sitz im Häfen, aber na, keiner soll es wissen!‘
Drk: Das nächste Witzige ist, dass es offenbar zwischen Österreich und der Schweiz das Gesetz gibt, dass jemand, wenn er über ein Wirtschaftsverbrechen im jeweils anderen Land Bescheid weiß, den anderen informieren muss.

Ist natürlich eine andere Frage, wie oft das wirklich passiert.
Drk: Genau. Aber man gibt sich nicht die Skrupel, Bürger wegen Wirtschaftsverbrechen auszuweisen. Zu diesem Zeitpunkt war ja von den Panama Papers noch gar nicht die Rede, die sich da jetzt einfügen. Nachrichtendienste dürften da jedenfalls recht fett drinstecken.
Alligatorman: Dieser Informationskrieg, oder wie auch immer man das nennen will, ist ja gerade ein großes Thema und der Fall passt für mich perfekt in die aktuelle Zeit, auch wenn er schon ein paar Jahre her ist.
Drk: Ich frag‘ mich einfach, wie Fett der Staat drinsteckt – also mit Verbindungsmännern, die Arbeit begehen, die der Staat offiziell nicht machen darf. Einen schönen Ausgleich liefert Fozhowi mit seinem Part über die vielen Subventionen der Banken in den vergangenen Jahren. Es gab keine einzige Demo gegen steuerverschwendende Banker. Dafür sieht man die ganzen Vollidioten, die protestieren, weil ‚diese bösen Asylanten‘ Steuergeld verschwenden. Aber keiner kommt auf die Idee, gegen Banker zu protestieren, die das machen und bei denen es ja wirklich um heftige Summen geht. Wo der Steuerzahler auf einmal für etwas einspringen muss, wo sich Politiker denken: ‚Na, ist nicht so schlimm, erweitern wir halt die Staatsschulden weiter und die Sache ist gedeckt.‘ Das Brutale daran ist, dass wir uns damit abfinden.

Informationen werden häufig eher unreflektiert konsumiert – oft auch ausschließlich durch Medien, deren ideelle Färbung mit der jeweiligen Weltsicht konform ist. Wie informiert ihr euch und wie steht ihr zu alternativen Quellen?
Drk: Ich mach‘ zum Beispiel immer in der Früh meine Standard-App auf und bezieh‘ hauptsächlich daraus meine Infos. Was ich nebenbei so les‘, ergibt sich dann eher zufällig.
Foz: Es gibt immer wieder Sachen, die man irgendwie über Dokus, Hörensagen oder Halbwissen mitkriegt. Manche lassen dich eben nicht mehr los und du fängst zum Recherchieren an. Auch wir selbst haben die Motivation, zu Geschichtenerzählern zu werden und damit zum Nachdenken anzuregen. Um Neugier zu schaffen, à la ‚He, wos red’t der do eigentlich? I schau amoi noch.‘ Das dann hoffentlich nicht auf den Aluhut-Seiten.
Drk: Ich hab‘ „Weißes Hemd“ teilweise recht kryptisch geschrieben. Also wenn du die Geschichte ohne Hintergrundinformationen anhörst, ist sie nicht ganz schlüssig. Du musst vielleicht bisserl Recherche betreiben, um zu begreifen, worum es wirklich geht.
Alligatorman: Man kann es einfach als irgendeine Geschichte betrachten.
Drk: Genau. Die Leute, denen ich das als Erstes gezeigt hab‘, haben gemeint: ‚Boah, das ist die voll orge Story!‘ Die haben geglaubt, dass sich das thematisch in die Panama Papers fügt. Ich darauf: ‚Na, des fügt si gor ned!‘
Alligatorman: Schon irgendwie.
Drk: Ja, weil’s reinpasst. Aber es hat gar nichts damit zu tun. Das Thema an sich ist immer aktuell, weil solche Geschichten omnipräsent sind.

Erinnert entfernt an den Texta-Track „Weltpolizist“ vom 2007 erschienenen Album „Paroli“. Da lautet die Hook etwa ‚Weiße Westen für den weißen Westen‘.
Drk: Zu dem Zeitpunkt hab‘ ich nur noch Rückgrat ‚pumpt und Texta nicht mehr so erwähnenswert g’funden (lacht).

Auch auf „Flaschenpost“ wettert ihr gegen diverse politische Machthaber sowie die Staatsgewalt.
Alligatorman: Da wird vielleicht nicht direkt eine Geschichte erzählt, aber die Stimmung ist auf jeden Fall sehr ähnlich. Die hört mit ‚Omofuma singt die Hook‘ auf – das ist ja auch ein altes Bild.
Drk: Vielen jungen Hörern wird der Name Marcus Omofuma gar nichts mehr sagen. Bei „Flaschenpost“ geht’s wie bei „Weißes Hemd“ um Sachen, die der Staat verheimlicht. Wo Informationen da sind und man weiß, dass es nicht so gewesen ist. Und es ist witzig, wie in beiden Fällen Nachrichtendienste Informationen so manipulieren, dass sie im Wertesystem passend erscheinen. Nicht, dass irgendwelche Leute aufschreien werden. Was ganz heftig ist: ich hab‘ mal im Rahmen der forensischen Anthropologie durchgenommen, dass bei Omofuma der Axis und der Atlas gebrochen waren, also die ersten beiden Halswirbel – und das weist auf Strangulieren oder Erhängen hin. Hat er sich selbst im Flugzeug erhängt?

Wir füllen unsere Getränke auf, um uns anschließend unbeschwerteren Themenbereichen zu widmen.

Alligatorman, du hast 2013 dein Produzentenalbum „Dead Man’s Tunes“ mit „Meerjungfrauen“ von Def Ill – und ursprünglich auch „Soma“ – angekündigt. Das Album hätte via Tonträger Records erscheinen sollen. Ist das noch aktuell?
Alligatorman: Witzig, dass das noch jemand weiß. Das war damals die Idee und ist eigentlich noch nicht gestorben. Es liegen eh dauernd Beats herum – ich verdrah‘ sie halt immer, das ist das Problem. Ich Plan‘ da gerade etwas, also das ist immer noch in meinem Hinterkopf, weil’s mir sehr wichtig ist. Aber ich kann nichts Konkretes sagen – außer, dass es mittlerweile natürlich über Honigdachs laufen würde.

Drk & Foz, ihr stammt aus der Ischler Gegend, wohnt mittlerweile seit ein paar Jahren in Wien. Ihr habt die Dialekte, mit denen ihr aufgewachsen seid, weitgehend aufrechterhalten.
Drk: Fozhowi rügt mich öfters dafür, dass ich viele Substantive benutz‘, die schwierig im Dialekt auszusprechen sind. Wir sind ja beide aus dem Salzkammergut – ich aus der Nähe von Bad Ischl, er aus Strobl, das schon näher an Salzburg ist. Wir sind genau aus der Gegend, wo sich drei Bundesländer treffen.
Foz: Ich find’s ja spannend, weil ich über zehn Jahre in Linz g’lebt hab‘ und dadurch eine starke Mühlviertler Färbung bekommen hab‘. Wenn ich mit meinem Vater red‘, scheißt er mich gern wegen winzigen Sachen zusammen, die dann auffallen. Das sind die Unterschiede, die teilweise sprachlich eine Ortschaft von der nächsten trennen.
Alligatorman: Vor allem taugt dir dein Dialekt so org, dass du es immer auf die Spitze treibst…
Drk: Genau, Fozhowi treibt es phonetisch ja so weit auf die Spitze, dass er Wörter teilweise so ausspricht, wie er sie im normalen Umgang nie macht.
Foz: Zum Beispiel?
Drk: Wie sagst’n Jägermeister im Dialekt?
Foz: Jägamasta.
Drk: Na, des stimmt so ned!
Alligatorman: Das ist genau das Battle, das die zwei immer aufführen …
Drk: Er ist so tight, dass er bei „Schene Neiche“ auf ’schene neiche Wöd‘ – statt ‚Jägermeister bstöht‘, was schön wär – ‚Jägamasta‘ sagt. Aber das macht einen guten Rapper aus, der kann aufs schöne Reimen scheißen.
Foz: Die Niederländer sagen dazu „mierenneuker“ – Korinthenkacker!
Drk: Das ist auch super: Als wir „VooDooZoo“ releast haben, hat Fozhowi zum Teaser eine finnische Übersetzung per Google Translate gemacht. (Gelächter) Wir haben daraufhin einen finnischen Fan erreicht, der uns wortwörtlich gefragt hat, was wir da reden und gemeint hat, dass das nicht Finnisch ist. Foz hat ihm daraufhin wieder auf Finnisch per Google Translate zurückg’schrieben. Der Finne hat daraufhin perplex mit paar Smileys geantwortet und geschrieben, dass er keine Ahnung hat, was die Scheiße soll, aber es eh cool findet.

Habt ihr dann die Ambitionen, potenzielle finnische Fans zu erreichen, ad acta gelegt?
Drk: Im Gegenteil, Fozhowi hatte daraufhin die kongeniale Überlegung, unseren Fankreis zu erweitern. Wir wollten es schon ins Hochdeutsche oder was auch immer übersetzen. Damals waren wir auch relativ von „Aqua Teen Hunger Force“ g’flasht. Foz hat auf jeden Fall gemeint, dass das Pendant zu unserem Hardcore-Dialekt-Rap finnischer Metal ist. Alle, die „Aqua Teen Hunger Force“ kennen, werden jetzt den Joke verstehen.
Alligatorman:
Da hat’s auch einige Covervorschläge gegeben …
Foz: Ich wollt‘ noch was zu den Dialekten sagen: Was ich bei allen Dialekten spannend find‘, ist die Phonetik. Es gibt leider ganz wenige Rapper in Österreich, die wirklich damit werken, den Sprachfluss zu übernehmen. Mir fällt eigentlich nur Kroko Jack ein.
Drk:
Nenn erm beim Namen, nenn erm Markee! Achte nicht auf die Marke, achte auf Markee!
Foz:
Ich seh‘ persönlich ein Ziel darin, diesen natürlichen Sprachfluss und die natürliche Phonetik im Rap zu verwenden, weil’s einfach so offensichtlich und nahelegend ist, wenn man es rausgefunden hat.
Drk:
Außerdem ist der Dialekt viel weniger verbraucht, was Reime betrifft. Du kannst immer noch häufige Wörter benutzen und einen Reim finden, da gibt’s einfach zehnmal mehr Möglichkeiten als auf Hochdeutsch. Deswegen pack‘ ich zum Beispiel diese ganzen VBT- und New-Rap-G’schichten nicht, wo sich Leute über den Monitor battlen und dabei eine extrem ausgelutschte Sprache benutzen. Vor allem Wörter, auf die schon tausendmal gereimt wurde. Für mich gehört neben dem großen Wortschatz auch das Wissen dazu, wie oft auf einen bestimmten Substantiv schon gereimt worden ist.
Foz:
Ich würd‘ mir in Österreich und Umgebung ein Dialekt-Battle wünschen, das auf einem orgen Niveau rennt.

Haltet ihr das für machbar?
Drk: Da würden wahrscheinlich genug Leute mitmachen, aber es wär‘ halt eine Zerfleischung und Bloßstellung, wenn du dann auf irgendjemanden triffst. Was möglich ist, wenn ein Fundament da ist und du merkst, dass eine Quintessenz dahinter ist, zeigen ja DLTLLY und co. JerMc ist zum Beispiel ein extrem talentierter Typ. Ich hab‘ mir paar Sachen von ihm angeschaut, zum Beispiel ist er in Wien gegen Jack Dragon mit Asiatenwitzen gekommen, die nicht pathetisch, sondern echt geil waren (alle lachen). Foz versucht ja immer obwohl ich nicht asiatisch bin – Asiatenwitze bei mir zu bringen …
Foz:
Na, das mach‘ ich schon lange nicht mehr!
Drk:
Das wirst du immer machen und ich bin dir nicht bös‘, weil du ein Bruder bist. Deshalb is‘ wurscht. JerMc hat damals echt so coole Vergleiche gebracht, wie, dass es zwei Milliarden Asiaten gibt, aber jeder der Gleiche ist, der ist nur hochproduktiv. Das Zeug hat mich extrem g’flasht. Er hat dabei auch diese Wiener Färbung drinnen, auch wenn er Hochdeutsch redet.
Foz:
Habt ihr schon einmal Luxemburger Rap gehört?
Alligatorman:
Da hab‘ ich mal mit Mirac etwas produziert, ist schon ein Zeiterl her. Flashige Sprache. Katalanisch ist auch voll heftig, da sind viele Deutsche und Englische Lehnwörter drin, das ist voll paniert. Es ist immer spannend, wenn sich jemand mit der Aussprache spielt – und der Dialekt lädt auch dazu ein, wenn Sachen teilweise in jedem Kaff anders ausgesprochen werden.
Drk:
Trotzdem find‘ ich, dass sich einige Dialektrichtungen nicht zum Rappen eignen.

Ehrlich? Auf welche Dialekte spielst du an?
Drk: Na, ich will da jetzt nichts …
Foz: Welches Bundesland?
Alligatorman: Du darfst ihm so etwas doch nicht liefern!
Drk: Ich bring‘ mich selbst in Erklärungsnot, das will ich eigentlich nicht einmal sagen.
Foz: Das ist zwar nur ein Beispiel, aber am schlimmsten fand‘ ich bis jetzt AAA aus Salzburg.
Drk:
Ja, der Typ ist hart, der sprengt Grenzen. Aber für mich gibt’s so viele Leute, die Grenzen sprengen, ich kann da nicht einmal jemanden ausselektieren, der die absolute Whackness darstellt. Teilweise hör‘ ich von Newbies Sachen in Dialekten, bei denen man recht bellt. Ohne, dass ich jetzt etwas über Steirer MCs sag‘ (alle lachen), aber ich find‘, dass einfach nicht jede Dialektform tight am Beat klingt.

Fehlt nicht einfach ein Musterbeispiel für einen dopen steirischen Dialektrapper?
Alligatorman: Ich glaub‘ auch, dass du einfach keinen kennst, der das auf Steirisch bringt.
Drk: Ich muss etwas Wichtiges sagen, bevor sich die steirischen MCs ang’sprochen fühlen: Ich kenn‘ einfach viel zu wenige Sachen aus der Steiermark und es gibt wahrscheinlich dope Steirer MCs, bringt’s etwas raus!
Foz:
Ein doper Steirer MC ist Paul Pizzera.
Drk:
Kenn i ned!
Foz:
Der ist Kabarettist.
Drk:
Also grundsätzlich find‘ ich Kabarettisten aus Österreich, die rappen, nicht cool.
Foz:
Er hat einen „HipHop“-Track. Der David, mein ehemaliger Mitbewohner, der Kabarett- und DJ-Stuff macht, hat mir den gezeigt.
Alligatorman: Shout-out an DWD!
Foz:
Shout-out an DWD! Es ist schon sehr edgy, aber prinzipiell gut und man sollt‘ da offen sein. Böhmermann macht im Endeffekt genau das Gleiche. Kabarettisten und Leute aus der Comedy-Szene haben das Recht darauf, Persiflagen zu machen.

Und whack zu sein?
Drk: (lacht) Schön auf den Punkt gebracht.
Foz: Und whack zu sein! Ein Clown darf ein Clown sein – und das ist absolut legitim. Und für eine Clown-Performance ist es absolut solide. Solider als bei manchen Leuten, die sich Rapper schimpfen.
Drk: Absolut, das muss ich unterstreichen. Word! Word!
Foz: Er hat auch einmal A capella performt. Da spricht er über seinen Dialekt und das ist im Prinzip ein grundsolider Rap-Text.

Ihr tretet im Video zu „15 Hiadl“ als Wrestler in Erscheinung, die sich dem Lucha Libre, einem mexikanischen Freistilkampf widmen. Woher kam die Inspiration – verfolgt ihr die Wrestling-Szene?
Foz: Es war ein bisserl ein Kindheitstraum. WWE!
Drk: Genau, erstens war’s ein Kindheitstraum(a) – Big up an Razor Ramon und Papa Shango.
Foz: Und Undertaker!
Drk: Zweitens wollten wir das Pendant zu Battle-Rap schaffen. Es geht ja bei beiden Sachen um nichts. Es wird angekündigt und dann voll ausgeteilt, aber keiner wird verletzt.
Foz: Vielleicht.
Drk: Innerlich vielleicht. Wie beim Wrestling, wo vorher voll stark angekündigt wird: ‚I hob dei Oide gfickt!‘ und der andere ‚Jo, i hob dei Oide schon vorher gfickt!‘ Es wird sich auf seelischer Ebene verletzt, aber niemals körperlich.
Alligatorman: Außer, man kann’s nicht (alle lachen). Und ich wollte Fozhowi immer schon im Spandex sehen (lacht).
Drk: Bevor Fozhowi Rapper geworden ist, ist an ihm eine mexikanische Folklore-Legende verloren gegangen. Man sieht ja, wie er sich in dem Kostüm bewegt. Er ist wie ein weißer Hai im Sardinenschwarm, er ist dafür g’macht!
Foz: Kennt wer Backyard-Wrestling, das seit den 1990er-Jahren …
Drk: Na, wen interessiert des? (Gelächter)
Foz: Darf ich ausreden? Im Endeffekt sind das Fans in den USA, die das in Hinterhöfen machen und sich dabei unterschiedlich schwer verletzen. Das ist mittlerweile eine eigene Liga, die von Fans veranstaltet wird, die daheim Ringe bauen. Da gibt’s ganz starke Charaktere, mein Favourite ist Necro The Butcher. In diesem Flair war das „15 Hiadl“-Video auch gedacht, weil es bei Big Sime auf der Bühne – also eigentlich im Hinterhof – gedreht ist und wir unsere Wrestling-Charaktere ausgepackt haben.

Woher habt ihr diese Masken?
Drk: Shout-out an Railroad-Rudi, der uns authentische Lucha-Libre-Masken aus Mexiko mitgebracht hat.
Foz: Er war ein Jahr lang mit dem Motorrad in Südamerika unterwegs. Der ist zuerst „The Motorcycle Diaries“ von Che Guevara abgefahren und dann hat es sich ein bisserl verlaufen. Guter Mann!
Drk: Er ist schlussendlich bis Feuerland gekommen – das Ende der Welt. Dort gibt’s eine fette Holztafel, auf der steht: ‚Du befindest dich am Ende der Welt.‘ Er hat ein paar Leute gefunden, mit denen er mit dem Boot noch ein paar hundert Kilometer weitergekommen ist. Bis Magma aus der Erde kommt (lacht).
Foz: Das Video haben wir übrigens in drei Tagen und Nächten und komplett in Eigenregie gedreht, also auch jedes Licht selber gestellt.
Alligatorman: Alles Handarbeit.
Foz: Kurz darauf ist „Cognac“ von Morlockk Dilemma & Brenk rausgekommen. Die haben eher den Mickey Rourke raushängen lassen, auch ein wunderschönes Video.

Am 25. Mai spielt ihr die Releaseparty von „Himalaya versus Leichenberg“ im Chelsea in Wien. Plant ihr weitere Auftritte in anderen Bundesländern?
Foz: Nur in den wichtigen.
Drk: Alle außer Kärnten! (lacht) Der Dachs wurde von Klagenfurt zwei Mal stark enttäuscht. Es gibt dort circa zwanzig dope HipHop-Heads, aber das ist leider zu wenig.
Alligatorman: Es gibt Heads und super Leute, für die wir gerne spielen würden. Aber es ist ein großer Aufwand, außerdem gab es Probleme mit dem Veranstalter, das muss man jetzt aber nicht näher ausführen.
Foz: Also die fixen HipHop-Locations in Linz, Salzburg, Graz und Innsbruck sind auf jeden Fall im Kasten.
Alligatorman: Vielleicht auch in München, aber das ist noch in Verhandlung.
Foz: Ob’d Weißwurscht-Leit vielleicht a a weng im Dialekt red’n …
Alligatorman: Es ist einfach immer die große Frage, wie viel Reach mit Dialekt wirklich geht. Ich geh‘ das einmal ganz naiv an und sag‘ einfach, dass das funktioniert.
Drk: Es haben eh schon mehrere Leute bewiesen, dass du mit einer simplen Form von Dialekt im ganzen deutschsprachigen Raum Erfolg haben kannst. Vor allem, wenn du in den Tracks einen Wortschatz benutzt, der aus 50 Wörtern besteht.
Foz: Ich glaub‘, das ist der Stolz auf die Sprache beziehungsweise auf den Dialekt, mit dem man groß wird. In der Schweiz funktioniert das ja auch super. Die sind – wie die Franzosen – fast ein bisserl faschistoid mit ihrer Sprache und pushen das hart. In Österreich tut man sich schwer, das zu akzeptieren.
Alligatorman: Es existiert auch nicht in den Nachrichten, da ist alles Hochdeutsch. Das ist jetzt nicht unbedingt schlecht, aber eine Frage der Präsenz im Umgang.
Foz: Weil das generelle Bild vom Dialekt noch immer ein eher schlechtes ist, darauf wollte ich hinaus.

Der derbe, „mundleske“ Dialekt verschwindet ja zunehmend aus dem Wiener Stadtbild – was jedoch auch auf das elitäre Schönbrunner Deutsch zutrifft, das außerhalb von Hietzing und Döbling kaum noch gesprochen wird.
Foz: Der Dialekt formt sich auf jeden Fall um.
Alligatorman: Ich hatte so einen geilen Uni-Professor in Physik, der hat so richtig orges Jahrhundertwende-Wienerisch geredet. Er hatte auf jeden Fall diese nasale, total elitäre Sprache. Das hat sich nicht einmal gezwungen angehört.
Foz: ‚K. u. k., Herr Hofrat!‘
Alligatorman: Ist echt ein spannendes Thema. In der Schweiz ist es wirklich ganz anders, da werden die Nachrichten …
Foz: … auf Schwizerdütsch gebracht. Und das ist eigentlich eh schon die entschärfte Version.

Im Kontrast dazu wird hierzulande stark ausgeprägter Dialekt wohl eher als rhetorische Schwäche aufgefasst beziehungsweise als peinlich oder provinziell betrachtet.
Drk: Stimmt. Es gibt eine absolut profane Art und Weise, etwas zum Ausdruck zu bringen – im Dialekt genau so wie auf Hochdeutsch. Plump kannst du immer sein. Je derber du redest, desto geschickter und gewiefter musst du auf rhetorischer Ebene sein, damit du es dir leisten kannst, tiaf zu sein. Genau das braucht es, um einen Track zu bringen, der tiaf ist (Gelächter). „Dua ma den Gfoin“ bildet da auch ein bisschen das Pendant, genau wie Leichenberg und Himalaya – und das spiegelt sich in vielen Formen wider.
Alligatorman: Das war auch ein bisschen der Ausbruch, nachdem wir Nummern gemacht haben, auf denen wir echt darauf geschaut haben, dass sie sauberer sind.
Drk: Wir haben das als Rechtfertigung gebraucht, weil wir ernstere Nummern gemacht haben und uns zwei geleistet haben, bei denen wir tief sind.
Alligatorman: Wir haben noch einen Bogen: Das Album hört mit „Staub“ auf und der erste Sound, den man am Anfang hört, ist von einem Professor von mir – ich hab‘ ja angefangen, auf der Sternwarte Astronomie zu studieren. Der Professor hatte ein Projekt, bei dem er die Schwingungen von Sternen gemessen und in Sounddateien umgesetzt hat. Und ganz am Anfang des Tracks ist eben die Sonne zu hören.
Foz: Here comes the sun, doo doo doo doo …
Drk: Foz hat für die Vollendung des Tracks gesorgt, weil er erklärt, dass selbst Planeten eine Schwingung haben und man das umsetzen kann.
Alligatorman: Nur die Expansion. Und die ist um einiges gepitcht, also tausendfach.

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