Ground (Hip)Hopping – DLTLLY in München

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„Die Frage, warum ich Live-Battles so liebe, lässt sich eigentlich ganz einfach beantworten: Weil sie für mich die Königsdisziplin in Sachen Rap darstellen“, schrieb Staiger letzten Monat in seiner Kolumne für rap.de. Genau diese Liebe war auch für mich wieder Anlass, ins Auto zu hüpfen und die Jungs von DLTLLY zu besuchen. Diesmal warteten in München fünf fette Acapella-Battles darauf bestaunt zu werden. Für alle, die nicht allzu vertraut mit diesem Format sind: Bei Don’t Let The Label Label You stehen sich zwei Kontrahenten (bzw. manchmal auch zwei Teams) in einer Cypher gegenüber und treten ohne Beat, mit vorgeschriebenen Bars, gegeneinander an. Eine Liste mit meinen Lieblingsbattles findet ihr unter dem Artikel, reinhören zahlt sich aus!

Aber nun zu den Ereignissen der letzten Woche: Angekommen im „Backstage“ dröhnen einem schon smoothe Beats entgegen und die Vorfreude steigt von Minute zu Minute. Als Warm-Up gibt es – wegen einer kurzfristigen Absage seines Gegners – noch ein Beatboxset von Maddox, der bei den HipHop-Heads mit seinen Trap und Dubstep-Tracks nicht auf viel Anklang stößt. Trotzdem sehr souverän gelöst. Noch kurz abwarten .dann geht es endlich los. In der Mitte des Raumes wird traditionell ein Kreis bzw. eine „Cypher“ gebildet. Die Marktschreier-Stimme des Chiefs ertönt und ein legendärer Battlerap-Abend wird eingeläutet.

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Eine Information vorab: Die Battles werden alle auf den DLTLLY Youtube-Kanal hochgeladen. Aus Respekt zum Konzept der Veranstaltung und um die Spannung in den Videos nicht zu drosseln, werden hier keine Ergebnisse verraten.

Die eröffnende Paarung bilden Fellowsoph (aus Wien) und der Müncher Ali Affront. Fellowsoph punktet mit ausgefinkelten Lines (Booooars), Ali Affront mit viel Witz und dem Tick mehr Textsicherheit. Schon hier zeigt sich der erste Unterschied zu Battles in Wien: die Crowd ist hochdiszipliniert und hört den Rappern aufmerksam zu. Es werden keine Mikros verwendet und aus der Reihe tanzende Plauderanten werden mit einem giftigen „Psst“ zum Schweigen gebracht. Das zweite Battle, ein 2on2 zwischen Salo & Bust Art und Kaliba & Breezy sorgt für viele Lacher und vor allem Letzere überzeugen mit humoristischer und selbstironischer Delivery. Dabei erinnern mich die beiden mit ihren überspitzten „Bad Bars“ (auch wenn ich nicht sicher bin, ob das Absicht war) ein bisschen an Scizzahz & Wizzard aus England.

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Danach gibt’s die erste Pause und man flüchtet vor der Hitze in den gemütlichen Garten des Etablissements. Ein paar „Pausenüberbrückungs-Tracks“ von Nino El Dino & L-One und schon geht es mit den nächsten Paarungen weiter. Und wieder stehen sich ein Österreicher und ein Münchner im Ring gegenüber: Nachdem Jack Dragon in einem Freestylebattle Demolux eliminierte, gibt es zwischen den beiden eine Art Rematch – nur diesmal in Jack Dragons Heimatstadt. Wieder ein paar Texthänger aufseiten des Österreichers, aber routinierte Freestyle-Konter sorgen für ein mehr als unterhaltsames Battle. Das Highlight des Abends sollte aber erst kommen: Nämlich das Compliments-Battle zwischen den zwei besten Feinden, Brian Damage & Harry Crotch. Das erste seiner Art im deutschen Raum, nachdem Pat Stay & Rone bei KOTD bzw. Shuffle T & Marlo (gegen Big J & Lefty) bei Don’t Flop schon bewiesen haben, wie witzig diese untypische Form des Battleraps sein kann. Lachflashs bis zum geht nicht mehr, der ganze Saal steht den Tränen nahe. Nach Lines wie „Er ist so nett, er wählt sogar die CSU, um meiner Mutter einen Gefallen zu tun“ und „Er ist so nett, dass er mir sogar seine Penispumpe teilt“ kennt die Absurdität, aber auch die Ausgelassenheit keine Grenzen mehr. Wer die familiäre Stimmung bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gespürt hat, ist ihr spätestens jetzt zur Gänze verfallen. Jeder grinst, jeder klatscht, jeder feiert. Zusammen. Vögel zwitschern, es riecht nach Rosen. Okay nein, aber es war wahnsinnig lustig! Und schön! Nach so viel Liebe wird sich noch eine kleine Pause gegönnt, bevor es zum „Main Event“ des Abends kommt.

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Ein Battle, das schon Anfang des Jahres in Bochum hätte stattfinden sollen, mit zwei Kontrahenten die unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite der Battlerap Frauenschwarm Bong Teggy, der der Crowd gern Honig ums Maul schmiert und mit Leichtigkeit von „Deine Freundin…“-Thematik auf eiskalten Realtalk umschalten kann. Auf der anderen Seite Merlin, das lispernde Dickerchen, Reimketten- und Punchline-Ungeheuer, das sich kein Blatt vor den Mund nimmt und gerne neue Wortkreationen erfindet. Das Battle wurde zum gebührenden Abschluss für einen legendären Acapella-Battleabend. Nino El Dino lässt den Abend mit nicen Beats ausklingen und der Club leert sich allmählich. Schlussendlich bleibt nur zu sagen: Bravo an DLTLLY und weiter so!

Hier ist noch der Trailer + Youtube Upload Schedule und PPV für die Ungeduldigen:

Wer sich vor der Veröffentlichung der Videos noch mit der Materie vertraut machen will – hier eine Liste von 3 meiner Lieblingsbattles von DLTLLY (mehr kann man sich auf dem Youtube Kanal und unserem etwas älteren Battle Roundup ansehen):

 


(JM)

 

 

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