Good Vibes & Nackenkrämpfe // Dexter, Figub Brazlevič & DJ DSL live

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Dexter in einem rappelvollen Café Leopold

Um sich gebührend vom zu Jahresende schließenden Café Leopold zu verabschieden, haben die Veranstalter von 20 Years of HipHop, Canyoudigit, Beat Science und Fear le Funk ein würdiges Rahmenprogramm geschaffen. So sollen etwa Paigey Cakey, HU₵₵I, Suff Daddy, Cakes Da Killa oder Yung Internet dafür sorgen, dass das “Poidl” in bester Erinnerung bleibt. Zum Start des Abschiedsprogrammes holt Fear le Funk mit Dexter und Figub Brazlevič zwei deutsche Beat-Koryphäen sowie den Wahl-Hamburger DJ DSL nach Wien.

Während sich der Salon gegen Mitternacht langsam füllt, heizt Fear-le-Funk-Resident Stanley Stiffla mit einem Potpourri an dopem Material ein. So findet Figub Brazlevič zum Start seines Sets eine motivierte, gut gelaunte Meute vor. Der East-Coast-Enthusiast geht es zunächst dennoch etwas ruhiger an und bringt Tracks aus “Khazraje“, dem Kollabo-Projekt mit MC Rene. Doch spätestens bei den ersten Nummern aus “Ego & Soul” – mit Rap-Parts des Schweden Christmaz – nickt der Kopf bereits semi-exzessiv mit. Figub Brazlevič ist nicht zuletzt durch seine Mitgliedschaft beim mittlerweile internationalen Kollektiv Sichtexot und als Label-Chef von Krekpek bestens vernetzt, was sich in seinem extrem vielseitigen Set spiegelt. So treffen seine Instrumentals teilweise in direkter Abfolge auf deutsche, englische und französische Lyrics. Es geht weiter mit Tracks aus seinem Remix-Album “Ersatzverkehr” – etwa “Du kiffst zu viel” von Marten McFly. Den Remix von Kamps “So Sorry” lässt er allerdings aus. Das soll aber keine Kritik sein, denn er stachelt das Publikum laufend mit feinstem Material an.15369744_1164755843560244_1959094850_o

Nachdem der Wahl-Berliner etwa eine Stunde lang eiskalt Beats abfeuert und für gute Vibes sowie erste Nackenkrämpfe sorgt, greift er gegen Ende seines Auftritts erstmals zum Mic. Er sorgt mit gewandten Freestyles für ein erstes Highlight des Abends und kommentiert diese wie folgt: „Ey, ich mach’ Blödsinn heute, bin voll stoned.“ Unterstützung kommt von Maniac, der am Vortag gemeinsam mit Liquid im B72 gespielt hat. Der Überraschungsgast switcht in herrlicher Manier zwischen englischen und bayerischen Freestyles. Figub Brazlevič spielt noch etwas “Oldschool Future“-Shit, es folgen Reminiszenzen an einen gemeinsamen Auftritt mit Stanley Stiffla im Club Auslage, den er als “strange” in Erinnerung hat sowie die bisher einzige gemeinsamen Show mit Dexter, der nun die Bühne betritt und für einen fliegenden Wechsel hinter den Decks sorgt. Mittlerweile ist die Hütte rappelvoll, was zur Folge hat, dass die Leute wie Ölsardinen aufeinander picken und die Luft immer stickiger wird.

Dexter, der kürzlich das neue Album “Raw Random Files” gedroppt hat, gleitet nach ziemlich heiteren Minuten wavy in sein Set hinein und bringt jazzige Tunes. Der späten Uhrzeit entsprechend – mittlerweile ist es kurz nach zwei Uhr – geht er langsam über zu den psychedelisch angehauchten Instrumentals aus “The Trip“. Im Gegensatz zu Figub Brazlevič ist er von Beginn weg aktiv am Mic – kein Wunder, schließlich hat der Heilbronner bereits einige Rap-Parts auf diversen Veröffentlichungen gedroppt. Nach seiner für Casper produzierten Nummer “Sie wissen es” fragt Dexter in die Crowd: „Habt ihr Bock auf mehr Jazz?“ Die gegrölte Antwort spricht eine eindeutige Sprache und daher folgen Tracks aus “Hi-Hat Club Vol. 3 – The Jazz Files“, ehe er mit den ersten feuchtfröhlichen Betty-Ford-Boys-Instrumentals wieder eine komplett andere Richtung einschlägt. Da die BFB-Compañeros Suff Daddy und Brenk Sinatra nicht vor Ort sind, gibt es die obligatorischen Shoutouts – inklusive expliziten Grüßen an Wien-Kaisermühlen. Das Grätzl dürfte also mittlerweile auch über die Landesgrenzen hinweg bekannt sein. Brenks Einflüsse sind auch bei Dexters inflationären Gebrauch des Wortes “wavy” spürbar.

In der zweiten Hälfte seines Sets spielt er vermehrt Tracks aus “Palmen und Freunde” – etwa “Fahrtwind” – sowie “ADHS” aus der Fatoni-Kollabo “Yo, Picasso“. Daher gibt es auch wieder einige Rap-Parts von ihm zu hören. Dexters Kommentar dazu: „Vielen Dank Wien, dass ich auch rappen darf. Jetzt aber weiter mit Beats – ich hab noch genug dabei.“ Am Ende seines Kraut-und-Rüben-Sets folgt unveröffentlichtes Betty-Ford-Boys-Material (das neue Album soll 2017 erscheinen), weiters “Gib ihn einfach“, “Hallelujah” und “Dies Das“, ehe er sich um kurz vor vier Uhr vom immer noch vollen Café Leopold verabschiedet.

Fazit: Ein sehr gelungener Abend, der definitiv dazu beitragen wird, dass das Poidl in bester Erinnerung bleibt. Figub Brazlevič und Dexter haben die motivierte Crowd stundenlang mit viel Dopeness versorgt und für den idealen Start ins Wochenende gesorgt. Schade, dass DJ DSL parallel im Café gespielt hat und somit für einen Großteil der Besucher nicht zu hören war.

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