B-Tight – Retro

Raid Records/VÖ: 09.01.2015

Raid Records/VÖ: 09.01.2015

Sechs Jahre ist das Ende von Aggro Berlin und mittlerweile her und was ist seitdem aus den Künstlern des ehemals großen Indie-Labels geworden? Sido ist noch immer ein Star und Fler schafft es mal mehr, mal weniger gut, relevant zu bleiben. Ganz so viel Erfolg hatte ein B-Tight seit dem Ende von Aggro jedoch nicht. Dass ihn die frühere Zeit noch immer beschäftigt, macht der Titel des neuen Albums deutlich. “Retro“ ist wie bei so vielen Rappern mal wieder das Motto. Die damalige Zeit könnte zwar durchaus einen gelungenen Rahmen für das aktuelle Werk des Berliners darstellen, aber eine interessante Auseinandersetzung sucht man größtenteils vergebens.

Es fängt in Form von “Nummer Einz“ mit einem durchaus soliden Presenter-Track an. Vor allem der Flow des Robert Edward Davis erzeugt mal wieder eine ordentliche Dynamik. Textlich dagegen ist nur bedingt viel zu holen. Ein Kontrast, der sich leider recht konsequent durch “Retro“ zieht. Doch bevor dieses Problem sich fortsetzt, überzeugt die bekannte B-Tight/Sido-Kombination. Arrogant wird die heutige Konkurrenz als Mitläufer bezeichnet. Simpel? Ja, aber es funktioniert trotzdem. Schade, dass die anderen Features nicht dieses Niveau halten können. So kann sich Nazar dieses Mal nicht zu einer starken Leistung aufraffen. Zwar vollkommen belanglos, doch keineswegs so ärgerlich wie der Beitrag von Tony D auf “Heisse Ware“, welcher eine schnell nervende Hook und einen nicht viel besseren Beitrag beisteuert. Auf “Helden“ versammelt er gleich drei Rapper. Kontra K überzeugt mal wieder und auch Karate Andi macht durchaus Spaß. Auch B-Tight hält mit, doch Blokkmonsta wertet den gemeinsamen Song durch sein Geschreie unnötig ab. Die Idee, dass Eko Fresh und B-Tight ihre Streitereien mit dem Track “Beef“ endgültig beenden, ist zwar durchaus lobenswert, doch trotzdem hätte die musikalischere Umsetzung viel besser ausfällen können. Das Sekten-Revival am Ende funktioniert dagegen jedoch viel besser.

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Auf sich alleine gestellt bietet B-Tight wenig brisantes und setzt es, wenn es mal dazu kommt, zu austauschbar um. Die Battletracks stechen im Jahr 2015 nicht wirklich heraus, da sie außerhalb einer oft grundsoliden Atmosphäre und eines gekonnten Flows nur wenig bieten. Auf der künstlerischen Ebene fehlt den Nummern jedoch jegliche Substanz. In den ruhigeren Nummern, welche zu Ende hin platziert wurden, kann die Problematik leider auch nicht gelöst werden. Den Inhalt von “Retro“ hat man in dieser Form leider schon öfters gehört und häufig sogar um mindestens eine Klasse besser.

Fazit: Was bleibt also letzten Endes? Ein austauschbarer Rückblick auf verkaufstechnisch bessere Zeiten gepaart mit Battlerap-Tracks, welche des Öfteren nicht mehr zeitgemäß sind. Mit seinem vorhandenen Charisma wäre ein um einiges ansehnlicheres Produkt möglich gewesen. Wirklich verwunderlich, wie man als Künstler ein solches Werk als Klassiker bezeichnen kann. 

(CS)

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