V.A. – New Orleans Funk Vol.2

08/10/2010

(Soul Jazz / Groove Attack)

Soul Jazz Records, das kleine Indie-Label mit angeschlossenem Plattenladen in Soho/London bezirzt Musikliebhaber auf der ganzen Welt. Gerade ihre Compilations zu den unterschiedlichsten Themen sind feinste Ware. Das Unternehmen wirbelt sich, scheinbar unaufhaltsam, seit nunmehr 12 Jahren durch jegliche Genres versucht Epochen, Subkulturen und Bewegungen zu erklären und kompakt zu präsentieren.
Sie haben sich jedoch deshalb einen Sonderstatus erschaffen, weil hinter jeder Scheibe eine perfekt agierende Maschinerie an Recherche herrscht. Die heiligen Jäger des Rare Grooves sind Freunde von Soul Jazz Records – da besteht schon lange keine Zweifel mehr. Die Qualität jeder einzelnen Veröffentlichung, egal wie obskur sie sein mag, spricht von Fachwissen, Diggerkompetenz und Detailverliebtheit. So hat man hier ein Paradebeispiel dafür, wie sich Qualität durchsetzen kann – bei all der Heulerei über Einbusen der Verkaufszahlen.
Bei diesem kleinen, britischen Label bekommt man für sein Geld bestens etwas geboten. Post-Punk, Reggae, Dub, Latin Grooves, Electronica, Disco, Old School HipHop, Jazz, Worldmusic oder Ska – hier bekommt man alles geboten, ohne dass etwas unstimmig ist. Anfangs noch sehr stark für ihre 100 % Dynamite und Studio One-Serien für den Reggae-Sektor gefeiert und reduziert, schwimmt sich dieses Label immer mehr an die Spitze der Imprints für Re-Issues für jede Ausrichtung. Selbst ihre Funktion, aktuelle Underground-Impulse (Dubstep) zu dokumentieren und ihnen eine, teilweise erste, Plattform zu bieten war mit den „Box of Dub“-Samplern gelungen.
Ihr Lust spannenden Musik weltweit (wieder) zu finden scheint nicht abzubrechen. Was mehr als begrüsst werden muss. Sorgte New Orleans nach Katrina aktuell musikalisch eher durch den innovativen Brass-Sound (auf TruThoughts Records!) für Furore – wirft Soul Jazz Records einen weiteren, hochinteressanten Blick zurück in die 60er Jahre und was die Stadt im Mississippi-Delta an Groove beherrschte. Hier hatte die größte Stadt im Bundesstaat Louisiana einen ganz besonderen Sound. Hier schwappten die revolutionsartigen Strömungen des Souls in den traditionellen baptistischen Gospel, während der Jazz sich freier bewegen wollte und New Orleans zumindest damals nicht mehr als Hauptstadt akzeptierte.

Das machte jedoch nichts, weil die Stadt für viele musikalische Entwicklungen bekannt war. Im Bundesstadt Louisina war Rhythm & Blues das Herz der Stadt. Die Auswüchse zu Funk zeigten vor allem The Meters („Chicken Strut“) und vergessene Soul-Röhren wie Lee Dorsey („Four Corners“), Earl King („Street parade“) oder Betty Harris („Show it“). Dazu gibt es noch eine wirklich nette Coverversion von „Mr.Big Stuff“ (Jimmy Hicks) aus dem Jahr 1972, wobei das Original von Jean Knight ein Jahr zuvor über STAX Records weltberühmt wurde und ein Northern Soul Classic wurde. Vielleicht gibt es ja bald zu diesem Thema die Antwort von Vicki Anderson („I’m too tough for Mr. Big Stuff“) auf einem weiteren Thema-Sampler bei Soul Jazz Records? Würde es jemanden wundern – bei diesem Diggerknowledge?!

Nach dem vorzüglichen ersten Teil, geht es hier weiter auf Tour durch die schweißtreibende, leidenschaftliche Mixtur aus Funk, Soul, Jazz & Blues. Wie immer wird man hier mit einem dicken Booklet mit exklusiven Fotos und Bericht mitversorgt. Highlight!

Peter Hagen

Deine Message dazu:

Tags: , , , , , , , ,

Leave a Reply

Or