Donaufestival: Wochenend-Recap & Marc Ribot

04/05/2011

Am Donnerstag geht in Krems ein weiteres Highlight im massiven Programm des diesjährigen Donaufestivals über die Bühne: Marc Ribot ist in Österreich inzwischen ein gern gesehener Gast und er ist einer der Wenigen, die gleichermaßen Jazzclubs füllen (Porgy & Bess, 2009), zu ländlichen Worldmusik-Festivals (Glatt & Verkehrt, 2007) oder unländlich-ländlichen Kunstfestivals wie eben dem Donaufestival eingeladen werden. Hier hat er heuer sogar den letzten Slot des Abends abgecasht.

Aber näheres zu Ribot und seinem Hund nach einem kurzen Rückblick auf das erste Wochenende in Krems.

Dort spielten am Samstag praktisch hintereinander Gonjasufi, Hudson Mohawke und Diplo auf, alles klingende Namen und vor allem Gonjasufis Liveact mit Band hatte die Erwartungen im Vorfeld ziemlich in die Höhe geschraubt. Zurückblickend hat Gonjasufi mit seiner verschrobenen Performance nicht wenige Fans seiner Studioarbeit enttäuscht zurückgelassen. Die Elektronik seiner Platte kam auf der Bühne kaum zur Geltung. Stattdessen brachte die Band schwere Rockversionen seiner Songs. Noise, Gitarrengewitter, beckenbetonte Drums. Der Sufi selbst verbrachte weite Strecken des Konzert vor den Monitorboxen hockend, während er seine Texte ins Mikro heulte. Viel Performance, nicht so viel Musik. Die Arrangements selbst wirkten improvisiert, absichtlich unfertig und grob. Die Hitech-Lichtanlage der Hauptbühne tat das Ihrige – die Farb-Strobo-Einlagen hätten auch für einen Massenrave auf Ibiza gereicht.
So ließ Gonjasufi gemischte Gefühle zurück. Er brachte frische Ideen, die aber nicht an die Qualität seiner bisherigen Arbeit heranreichten.

Die Enttäuschten durften sich nach einer Rauchpause vor der Tür dann bei Hudson Mohawke trösten, der so ganz das ablieferte, was das Publikum erhofft hatte. Mohawkes Live-Sets haben in der Regel wenig mit Live zu tun. Vielmehr macht er den DJ, der adaptierte Versionen eigener Stücke mit Tracks andere Produzenten mischt. Das reichte aber schon. Der Zuschauerraum der kleineren Bühne befand sich eine halbe Stunde ins Set hinein schon fast vollständig in Bewegung.

Die allgemeine Stimmung war nach Hudson Mohawke sicher am Höhepunkt. Dann kam eben Diplo, der Radau-Hedonist der jetsettenden DJ-Szene. Der große Saal war etwa zur Hälfte gefüllt, was so ziemlich dem gesamten Publikum dieses Donaufestival-Abends entsprach. Diplo brachte ein House-dominiertes Set mit einigen Dancehall-Einsprengseln und streckenweise Dubstep. Um die Plattenspieler hatte er zwei pinke, aufblasbare Pferde postiert, Einhörner, wie sicher später herausstellte. Die Partycrowd tanzte inzwischen im Schichtbetrieb: Mal die House-Fans, mal die Dubstep-Affinen. Nur der harte Kern vor der Bühne hielt alles durch, sogar die House-Version von “Day-O (The Banana Boat Song)” von Harry Belafonte. Diplo halt. Inzwischen patroullierten auch die Men in Black der Security den Hauptsaal, auf der Jagd nach den illegalen Rauchern, die während HudMo noch Happy Days gefeiert hatten.
Danach begannen sich die Reihen zu lichten, die Wiener hatten schließlich noch die einstündige Autofahrt zu bewältigen.

Der dieswöchige Donnerstag bietet für The Message hingegen wenig Relevantes. Aus dem Lineup sticht aber der alte Haudegen Marc Ribot hervor. Obwohl der 56-Jährige Gitarrist erst 1985 zum ersten Mal musikalisch in Erscheinung trat, hat er bisher 19 Platten unter seinem Namen aufgenommen. Noch imposanter liest sich die Liste von Alben, an denen er als Session-Musiker oder Ko-Komponist beteiligt ist: rund 110(!) sind es an der Zahl, mit Leuten wie Tricky, Medeski Martin & Wood, McCoy Tyner, Cassandra Wilson, Elvis Costello und am Wichtigsten: Tom Waits. “Rain Dogs” ist nicht nur der erste Release mit Ribot in den Credits, er markiert auch den Anfang einer immer noch andauernden Zusammenarbeit zwischen den beiden. Ribots Gitarre ist stilprägend für den post-Rain Dogs Tom Waits. Hier die Live-Aufnahme eines neueren Stücks mit Marc Ribot rechts auf der Bühne:

httpv://www.youtube.com/watch?v=W0kacLLT248

Seither hat sich Ribot den Ruf des vielseitigen Working Man-Virtuosen erspielt. Sein Sound ist erdig, bluesig geblieben, egal ob er dabei eher ins freejazzige, Punk oder Latin-Zeug abgleitet. 1998 veröffentlichte er mit “The Prosthetic Cubans” ein viel gefeiertes, kubanisch inspiriertes Album:

httpv://www.youtube.com/watch?v=uGSI8CuH1nQ

2008 folgte schließlich der erste Release seines Trios “Marc Ribot’s Ceramic Dog”, das sich stilistisch frei zwischen Experimental-Punk, Rock-Variationen und Atmo-Spoken Word bewegt. “Party Intellectuals” heißt die Platte, ein paar der Lieder werden wir wohl am Donnerstag zu hören bekommen.

httpv://www.youtube.com/watch?v=wglL-mhD09A&feature=related

httpv://www.youtube.com/watch?v=ZYoV7C4mOWs&feature=related

httpv://www.youtube.com/watch?v=9YiGSmy0LvE&feature=related

(moe)

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