Blumentopf – Nieder mit der GBR

14/11/2012

EMI

Die „Volksmundrapper“ aus München kommen mit neuem Album „Nieder mit der GBR“ (NGBR) und die Töpfe heben sich insgesamt angenehm von den übrigen – aktuell bekannten –Rapsuperstars ab, die häufig überhastet und unausgegoren im Halbjahres- bzw. Jahresrhythmus Alben bzw. sonstige intellektuelle Ergüsse über die neuen Medien (Internetforen, Facebook, twitter, youtube…) zum Besten geben. Sie haben sich seit der in Eigenregie veröffentlichten „Abhängen“ (Superrarität, bei Discogs ab 170€ zu haben) kontinuierlich ein Standing erarbeitet, das unvergleichbar im deutschsprachigen Rap-Biz ist, dessen aktuelle Ausformungen sie immer wieder aufs Korn nahmen und nehmen.

Dabei macht NGBR keine Ausnahme und auch sonst erfindet sich Blumentopf nicht wesentlich neu. Aber warum auch? Sie greifen in altbekannter Blumentopf-Manier die dominanten sozialen und politischen Themen auf und verarbeiten sie in ihren Texten mit der nötigen (Selbst-) Ironie und Wortwitz. Besonders die Auseinandersetzung mit der aktuellen Vielfachkrise (Wirtschafts-, Banken- und Finanzkrise, ökologische Krise etc.) zieht sich wie ein roter Faden durchs Album (vgl. beispielsweise „Eurovision“/ „3/4“ /„Nachwachsende Rohstoffe“) Auf „¾“ zeigen die Töpfe, wie man unverkrampft und trotzdem kredibil und authentisch über die durch die Krise erwachsenen Probleme in der unmittelbar erlebten Alltagswelt. Wieder einmal präsentieren sie sich als Meister der (eigenen) Alltagsgeschichte(n) mit Augenzwinkern (vgl. bspw. „Antihelden“/ „Schwarzes Gold“ / „Neulich in der City“ / „Problem mich ich“) und natürlich wird auch München wieder representet. Diesbezüglich ist vor allem „Rosi“ ein echtes Schmankerl. Gemeinsam mit Spider Murphy Gang–Kopf Günther Sigl wird das Leben von Rosi seit der Popularisierung der fiktiven Kultfigur Anfang der 1980er durch den Megahit „Skandal im Sperrbezirk“ nachgezeichnet (Munich’s finest or ugliest – je nach Gusto). Das Album wartet mit einer Vielzahl feiner Soul- und Jazzsamples auf und stellt sich damit in die Tradition von „Kein Zufall“ (1997) und „Eins A“ (2001). Das Sample von „Neulich in der City“ hat man u.a. schon mal bei Diamond D. „Check one two“ gehört, der wiederum borgte es sich von Mike Bloomfield, Al Kooper und Steve Stills (Album: „Super Session“, Track: „Stop“) – ist wohl auch eine Reminiszenz an Flip & Average „Tuesday Classics“. Es gibt ein Mini-Österreich-Feature auf „Eurovision“, wo in einer Cutsequenz auf Total Chaos zurückgegriffen wird.

Insgesamt wieder ein solides, launiges, stimmiges wie auch durchaus tanzbares, poppiges und mainstreamtaugliches (dies spiegelt sich auch in der Chartplatzierung und der Singleauskoppelung „Bin dann mal weg“ wider) Album mit einigen echten Highlights. Originelle Video-Snippets zum Album gibts massig auf youtube – unbedingt mal reinschauen.

(Fiasko)

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