Mit âTiefseeâ ist vor kurzem das zweite Album des Duzz Down San-KĂŒnstlers Polifame erschienen. Das 14-Track starke Werk wurde als Konzeptalbum entworfen und soll die Zuhörer auf einer musikalischen Reise durch die dunklen Wellen zu den tiefen AbgrĂŒnden des Meeresbodens begleiten. Dementsprechend dĂŒster und trist klingen manchmal auch die Beats, die zumeist von Polifame selbst produziert wurden.
Oft geht es wie in dem Song âIllusionâ um Selbstillusionierung und die Existenzfrage des Homo Sapiens, dabei klingt die Raptechnik des Musikers ein bisschen wie die der Kollegen von Wisdom&Slime.
Etwas kĂŒnstlichere Lyrics kommen hingegen bei âChemikalienâ vor, Pheromone und Metamorphosen begrenzen und verĂ€ndern die Menschen laut Aussage des Wortakrobaten. Diese VerĂ€nderungen existieren auch in âSpiegelbildâ feat. Mirac, denn es geht um den innerlichen Wandel und die Spiegelung der Welt, bis es zum Bruch des Glases kommt. Auf dieser Nummer erkennt man auch Polifames Talent fĂŒr die verschiedenen Musikinstrumente, da man auf dem Track eine schöne Ausarbeitung seines Saxophon-Solos vernehmen kann.
Doch nicht immer ist der Sound so einprĂ€gsam wie bei âDie HĂ€utungâ, der ersten Videoauskopplung des Albums, in der es in einer Metapher um die charakterliche Transformation des Texters in einer Sinnkrise geht. Tracks wie âZwafochzuckerâ wirken nĂ€mlich teilweise zu futuristisch und innovativ, um sofort EinprĂ€gung ins GedĂ€chtnis des Zuhörers zu finden. Hierbei verlĂ€sst Polifame zudem eher das Universum des Mundart-Raps und schwebt in die Hochdeutsch-SphĂ€re ĂŒber. Im Gegensatz dazu rappt Duzz Down San â LabelgrĂŒnder Mosch auf âUmgebungâ gemeinsam mit Labelkollegen P.tah wieder in österreichischer Sprachmanier, was auch Einfluss auf die Aussprachgewohnheiten des âTiefseeâ-Schaffers in diesem Track hat.
Weitere UnterstĂŒtzung widerfĂ€hrt Polifame bei âFacelessâ, einer Instrumental-Nummer, auf der bloĂ die mystisch klingende Stimme von Kollegin TheUnusedWord zu hören ist und die AtmosphĂ€re des Albums weiter in den Tiefen des Ozeans versinken lĂ€sst.
âTiefseeâ ist sicherlich alles andere als ein auf Kommerzialisierung getrimmtes Album, sondern eher das Anliegen eines Musikers, der sich von seinen bisher vertraulichen GefĂŒhlen zu befreien versucht und deswegen damit experimentiert, durch die Musik seine Stimmungslage und sein Gedankengut preiszugeben. Durch die technische Ausgereiftheit der Texte und die unkonventionellen Beatkonstruktionen muss sich der Zuhörer auf diese Reise zum Mittelpunkt der Erde einlassen, um der Bedeutung der Musik und deren groĂen Interpretationsspielraum gerecht zu werden.
Das Album gibt es als “name your price” in digitaler Form oder auch kĂ€uflich als CD zu erwerben:
(JG)



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