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Polifame – Tiefsee

29/10/2012
Duzz Down San

Duzz Down San

Mit “Tiefsee” ist vor kurzem das zweite Album des Duzz Down San-Künstlers Polifame erschienen. Das 14-Track starke Werk wurde als Konzeptalbum entworfen und soll die Zuhörer auf einer musikalischen Reise durch die dunklen Wellen zu den tiefen Abgründen des Meeresbodens begleiten. Dementsprechend düster und trist klingen manchmal auch die Beats, die zumeist von Polifame selbst produziert wurden.

Oft geht es wie in dem Song “Illusion” um Selbstillusionierung und die Existenzfrage des Homo Sapiens, dabei klingt die Raptechnik des Musikers ein bisschen wie die der Kollegen von Wisdom&Slime.
Etwas künstlichere Lyrics kommen hingegen bei “Chemikalien” vor, Pheromone und Metamorphosen begrenzen und verändern die Menschen laut Aussage des Wortakrobaten. Diese Veränderungen existieren auch in “Spiegelbild” feat. Mirac, denn es geht um den innerlichen Wandel und die Spiegelung der Welt, bis es zum Bruch des Glases kommt. Auf dieser Nummer erkennt man auch Polifames Talent für die verschiedenen Musikinstrumente, da man auf dem Track eine schöne Ausarbeitung seines Saxophon-Solos vernehmen kann.

Doch nicht immer ist der Sound so einprägsam wie bei “Die Häutung”, der ersten Videoauskopplung des Albums, in der es in einer Metapher um die charakterliche Transformation des Texters in einer Sinnkrise geht. Tracks wie “Zwafochzucker” wirken nämlich teilweise zu futuristisch und innovativ, um sofort Einprägung ins Gedächtnis des Zuhörers zu finden. Hierbei verlässt Polifame zudem eher das Universum des Mundart-Raps und schwebt in die Hochdeutsch-Sphäre über. Im Gegensatz dazu rappt Duzz Down San – Labelgründer Mosch auf “Umgebung” gemeinsam mit Labelkollegen P.tah wieder in österreichischer Sprachmanier, was auch Einfluss auf die Aussprachgewohnheiten des “Tiefsee”-Schaffers in diesem Track hat.

Weitere Unterstützung widerfährt Polifame bei “Faceless”, einer Instrumental-Nummer, auf der bloß die mystisch klingende Stimme von Kollegin TheUnusedWord zu hören ist und die Atmosphäre des Albums weiter in den Tiefen des Ozeans versinken lässt.

„Tiefsee“ ist sicherlich alles andere als ein auf Kommerzialisierung getrimmtes Album, sondern eher das Anliegen eines Musikers, der sich von seinen bisher vertraulichen Gefühlen zu befreien versucht und deswegen damit experimentiert, durch die Musik seine Stimmungslage und sein Gedankengut preiszugeben. Durch die technische Ausgereiftheit der Texte und die unkonventionellen Beatkonstruktionen muss sich der Zuhörer auf diese Reise zum Mittelpunkt der Erde einlassen, um der Bedeutung der Musik und deren großen Interpretationsspielraum gerecht zu werden.

Das Album gibt es als “name your price” in digitaler Form oder auch käuflich als CD zu erwerben:

(JG)

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