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Amewu - Leidkultur - The Message | The Message

Amewu – Leidkultur

07/10/2012

Bevor Amewu am 27. Oktober live im Rahmen der Step Forward-Reihe in der Camera Wien zu sehen sein wird, kann man sich noch einmal das neue Album namens “Leidkultur” zu Gemüte führen.

Auf seinem zweiten Studioalbum nach “Entwicklungshilfe” zeigt sich der Rapper vom Berliner Independent Label edit Ent. bewusst ruhiger und reflektierter, als noch auf seinem vor Wut und Doubletime strotzenden Erstlingswerk. Nach einem musikalischen Ausflug in die Gefilde des Dubstep und Grime ein Schritt Richtung Selbstfindung auf dem Nährboden der Melancholie.

Schon bei Amewus erster Single-Auskopplung zum gleichnamigen Album “Leidkultur“, welche vom Duzz Down San-DJ Chrisfader produziert wurde (wie TM schon berichtete) kann man den Stil des aktuellen Werks erahnen: mystisch, im wortwörtlichen Sinne leidvoll und trotz allem unglaublich pathetisch.

Bei “Schnittmenge” werden unter anderem die Problematiken und Gemeinsamkeiten der Zweisamkeit in Form der Schnittmenge thematisiert. Die Textzeilen “Du hast dein Bild und ich mein Bild und die Schnittmenge wir zwei, das macht drei Bilder die sich weiter streiten und vereinen” bilden hiermit eine besonders charmante Visualisierung dieser Schwierigkeit.

Den lyrischen Höhepunkt erklimmt Amewu wohl mit der Nummer “Stein im Meer”, in der es um die Unvollkommenheit unserer Gesellschaft und seine eigene Rastlosigkeit geht. Die Streicher, die den Beat verfeinern, komplettieren diese Empfindung. Bei den Zeilen “Merk wie mein Verstand zerbricht, im Meer ein Stein an Land ein Fisch” merkt man wohl die Dualität des Texters, die unüberwindbar erscheint.

Trotzdem lässt es sich Amewu nicht nehmen und zeigt auf “Training Day“, dass er noch immer ein Meister bzw. Halbgott des Doubletime-Raps ist und beweist außerdem auf einer minimalistischen Melodie gemeinsam mit Gris und Wakka bei “Kreise“, dass seine Tiefsinnigkeit keine Grenzen kennt.

Und obwohl Amewu in “Lichttherapie” meint, dass seine Songs immer alle gleich seien, bietet die Platte ein abwechslungsreiches Angebot an Beats und Flows. Rein die Thematik ist bei allen Songs ähnlich, geprägt von Seelenschmerz und Trostlosigkeit. Dies impliziert, dass “Leidkultur” sicher kein Album ist, das man einfach zwischendurch hören kann. Die Platte kommt ohne Party-Tracks und Battle-Nummern aus, es wird vorausgesetzt, dass sich der Hörer mit der Musik und vorallem mit den Texten und deren Botschaft intensiv auseinandersetzt, um diese Stimmung auch nachvollziehen zu können.

Generell wirkt das zweite Album des Berliners als Freiheitsschlag, den er bitter nötig hatte. Das Album verfolgt die Absicht, sich aus der Belastung des alltäglichen Lebens zu befreien und dabei polemisiert der Rapper über die eigene Unfreiheit und den Schwermut.
Es wirkt, als ob er im Gegensatz zu seinem ersten Album eine Deduktion der Thematik von der Makro- auf die Mikroebene durchführte, denn nun steht viel mehr sein eigener Kosmos im Mittelpunkt, als der der Menschheit im Allgemeinen.

Wer dieser außergewöhnlichen Musik eines Wortakrobaten live lauschen möchte, hat wie oben erwähnt am 27. Oktober in Wien die Gelegenheit dazu. Mehr Infos zur Veranstaltung findet man  hier.

(JG)

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