Texta: Die Texta-Chroniken

24/07/2012

(Milena Verlag)

Die Chroniken der erfolgreichsten und dienstältesten Rap-Crew Österreichs kommen auf knapp 300 Seiten in Buchform. Sie setzen sich aus 94 Texta-Liedtexten und dazu fast immer einem Kommentar von einem Bandmitglied, sowie sieben Einleitungen zu den wichtigsten Releases zusammen. Versprochen wird im Impressum neben weiters 16 Seiten Fotos auch noch „alles drum und dran“. Letzteres wird leider nicht gehalten: eine komplette Diskographie mit allen Singles und Vinyl-Veröffentlichungen fehlt zum Beispiel, ebenso eine Auflistung der Konzerte, von denen es laut inoffiziellen Schätzungen mindestens 200 gegeben hat.

Zur Lektüre gibt es dennoch auch so genügend. Schon in den Liedtexten selbst zeigen sich auf längere Dauer auch eindeutige Unterschiede zwischen den Persönlichkeiten – das gegenseitige Hekln bei „You´re driving me wild“ war anscheinend nicht aus der Luft gegriffen. Bei der Lektüre der Lyrics kommt auch zum Vorschein, dass meist eher Wert darauf gelegt wurde etwas zu erzählen, gute Vergleiche zu bringen, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und dass nicht unbedingt zwanghaft der besten und saubersten Reim-Technik nachgegangen wurde. Wobei sich dabei aber auch herauskristallisiert, dass die Skills-Frage wohl Flip am meisten beschäftigt hat.

Bei den Kommentaren hat Laima die lustigsten Anekdoten auf Lager. Huckey löst viele Textzeilen und Songtitel als Anspielungen auf mehr oder weniger diskutierte Filme, Platten oder Bücher auf, über die man sich freuen darf, wenn man sie schon vorher schon überrissen hat. Der bandintern zum Hip Hop Professor ernannte Flip zitiert natürlich auch viel, und auch Skero und DJ Dan brachten Bemerkenswertes zu Papier. Das ergibt durchaus eine gute Mischung und man erfährt auf diesem Weg noch immer einiges Neues über die Texta-Band, auch wenn die Kommentare dabei nie eine halbe Seite überschreiten. Das hat einerseits eine würzige Kürze, andererseits beschränkt sich der Song-Kommentar auch manchmal auch auf drei bis vier Zeilen darüber wie der Textinhalt gemeint war. Wie bei anderen Lyrics-Sammlungen dieser Art, ist das nichts was man schnell auf einmal verschlingt, sondern ein Werk, das man nur in Häppchen zu sich nehmen kann.

Gesellschaftskritik mit Elementen von Widerstand und Rebellion wird von Texta noch immer musikalisch vertreten, auch wenn sich wie nachzulesen über die knapp 20 Jahre persönlich für manche der fünf Bandmitglieder vieles, für andere vielleicht etwas weniger verändert hat. Ob das Ganze nun so etwas wie ein Abschlussstatement und ihr lyrischer Hinterlass ist, wird nicht beantwortet. Vielleicht aber auch deswegen, weil sich diese Frage für Texta nicht stellt.

(JB)

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