Überraschend unüberraschend // 6LACK live in Berlin

6lack
6lack live (Quelle: Instagram)

Sobald das SO36 in Berlin seine Türen öffnet, drängt sich eine beachtliche Schlange Menschen in den Club. Die laue, sommerliche Luft behält jedoch viele noch auf der Straße bei einem gemütlichen Bier, was für Kelvyn Colt eine eher locker gefüllte Location bedeutet. Der Wiesbadener erlebt zurzeit einen kleinen Hype und durfte zu Beginn des Monats sogar Tyga in Frankfurt supporten. Mit Unterstützung von Elijah Hook hat er den vorderen Teil der Crowd schnell im Griff – dort herrscht auch überraschende Textsicherheit. Nach seiner Colors-Performance von „HUCCI“, die Teils deutschsprachige Parts beinhaltet, wirkt es etwas befremdlich, dass Colt nur auf Englisch kommuniziert. Statt „Mad Ting“ hätte es wohl auch ein einfaches „Dankeschön“ getan. No front. Kelvyns Stimme ist einzigartig kratzig und tief, ein Merkmal, das er nur selten nutzt. So scheint er den schnellen Bangern angetaner – leider verschwimmen selbige etwas im Soundgewirr. Aus einem „Warm-up“ wird ein „Turn-up“, der zwar auf viel Anklang trifft, aber vor 6LACK etwas fehl am Platz wirkt.

Dem nicht genug, hat 6LACK seinen Hypeman mitgebracht. So sehr man sich über die Live-Band-Unterstützung in Form von Keys und Drums freuen darf, so sehr wird der Hypman zum Dorn im Ohr. So sehr er irritiert, so sehr rutscht er in den Hintergrund, als 6LACK die Bühne übernimmt. Mit Tracks wie „Free“ und dem Future-nachempfundenen „Ex Calling“ entfaltet sich der Live-Hybrid aus Band und dem Sänger mit Rapper-Ambitionen aus Atlanta. Am Anfang noch stark vom Playback gestützt, wird 6LACKs Stimme von Track zu Track präsenter und voller. Mit kurzen emotionalen Ansagen erntet der angehende Star stilechtes Gekreische aus den ersten Reihen – unser Liebling, der Hypeman, versichert dem Publikum selbstbewusst, es sei die beste Show, die sie je gespielt haben.

Fast das komplette „Free 6LACK“-Tape steht auf der Setlist und als kurz das Licht für die üblichen „Zugabe“-Rufe ausgeht, gehen hunderte Handys mit den ersten Noten von „Prblms“ in die Luft. Noch einmal die Hitze und die stickige Luft vergessend, brodelt das SO36 zu einer letzten Welle auf. 6LACK entledigt sich seines Shirts und wirft es zum Kampf in die Menge – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn aufgrund kleiner Handgreiflichkeiten an selbiger Stelle im Publikum, wird dann doch keine weitere Zugabe gegeben.

Fazit: Was hängenbleibt: eher wenig. Obwohl 6LACK grundsolide ablieferte und die Menge entzückte, blieb der große Zauber aus, den das „Free 6LACK“-Tape mit sich brachte. Trotzdem ein Konzert, das man sich nicht entgehen lassen konnte. Merklich war, wie schnell aus einem Pigeons&Planes-Diamanten ein Künstler werden kann, der sicherlich bald ernsthafte Spuren im Mainstream hinterlassen wird.

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